06.11.2006

"Das SF-Programm ist nicht so schlecht, wie in den Zeitungen beschrieben"

Als TV-Beobachter kommentierte Kurt Felix für die Schweizer Illustrierte (SI) mit spitzer Feder die Geschehnisse am Leutschenbach. Nun, nach einer längeren Pause, in der er die mittlerweile abgesetzte Sendung "Ein roter Teppich für" konzipierte, gibt der 65-Jährige ein Comeback als Journalist: Er bittet im SI-Talk hochkarätige Persönlichkeiten zum grossen Gespräch. Im Interview mit "persoenlich.com" spricht Felix über seine neue Rolle, die Kritik an TV-Direktorin Ingrid Deltenre und die Absetzung von "Lüthi & Blanc".
"Das SF-Programm ist nicht so schlecht, wie in den Zeitungen beschrieben"

Herr Felix, vor einigen Monaten haben Sie Ihren Rücktritt als TV-Kolumnist der Schweizer Illustrierte angekündigt. Warum sind Sie wieder "rückfällig" geworden?

Rückfällig deshalb, weil mich der SI-Chefredaktor Marc Walder immer wieder dazu ermuntert hat, für die SI tätig zu sein. Als er sich gar bei seinem Hochzeitsfest in Ascona am 23. September zu mir setzte und sagte, wenn ich wieder dabei sein würde, wäre das ein schönes Hochzeitsgeschenk, habe ich ihm per Handschlag zugesagt. Es lag schon eine konkrete Anfrage eines anderen Presserezeugnisses vor, samt fertigem Layout. Weil Marc aber zu meinem Freundeskreis gehört, bin ich im letzten Moment "umgekippt". Ich hatte mit ihm, wie vorher mit Peter Rothenbühler, nur das allerbeste Einvernehmen gehabt. Beide sind hervorragende Blattmacher.

Das Interview nennt sich "Der grosse Schweizer Illustrierte Talk". Wodurch unterscheidet es sich von "normalen" Interviews?

Normalerweise stellt der Interviewer eine kurze Frage, die fett gedruckt wird. Das Konzept, das Walder und ich erarbeitet haben, geht aber darüber hinaus. Es ist ein gedrucktes Gespräch, in dem sich mein Talkgast und ich gleichermassen äussern- und ihre Meinung formulieren können. Ich bin als Talkmaster nicht in einer neutralen Rolle, sondern beziehe auch persönlich Stellung. Das kann ich aber nur auf dem Gebiet tun, in dem ich mich denn auch auskenne. Also rund um das Thema Medien, die das Fernsehen, Radio und Presse sind. Jeder prominente Zeitgenosse, der mit mir vor dem roten SI-Mikrophon sitzt, ist ja täglich mit den Medien konfrontiert und hat mit diesen gute oder schlechte Erfahrungen gemacht. Wie ich. Deshalb auch die besondere Aufmachung im Blatt, das etwas an die gewohnte TV-Talksituation erinnert. Ein spezifisches Abfragen über Dossiers oder eine Couch-Geschichte ist nicht der Inhalt des grossen SI-Talks. Das machen andere.

In der ersten Folge interviewen Sie TV-Direktorin Ingrid Deltenre. Gab es - oder gibt es - von Ihrer Seite her keine bad feeling wegen der Absetzung der Samstagabendsendung "Der rote Teppich", die Sie betreut haben?

Ich habe den roten Teppich nicht betreut, sondern lediglich das Konzept dazu geliefert. Die Show hat zwar von den Zuschauern, die sie gesehen haben, sehr gute Urteilswerte erhalten (Note 5,2), was am Samstagabend eher selten ist, aber es haben von Anfang an zuwenige eingeschaltet. Den Entscheid, die Sendung nach nur drei Folgen abzusetzen, ist Sache des Hauses SF. Ob man nicht doch bis Ende des Jahres hätte weitermachen können und sollen, bleibt dahingestellt. Weil ich weiss, wie das aktuelle TV-Geschäft läuft, habe ich den Entscheid der Absetzung akzeptiert und hege deshalb keine Animositäten.

Sie haben nach dem Gespräch Frau Deltenre gelobt. Das ist momentan aussergewöhnlich...

Aussergewöhmlich ist, dass man hierzulande eine Person, die einen TV-Direktionsposten inne hat, lobt. Ich habe das Gefühl, dass seit über 50 Jahren die Printmedien jede Gelegenheit benutzen, das Image des Fernsehens zu beschädigen. Das Programm von SF ist -- mein Gott- - nicht so schlecht, wie es in den Zeitungen beschrieben wird. Im Gegenteil. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass die Zuschauer mit dem, was SF zeigt, grösstenteils zufrieden und der Sender immer noch erste Wahl ist. Und dies obwohl das Konkurrenzangebot im In- und Ausland ständig zunimmt. Es ist doch völlig"„krank", wenn ein James Bond 007, der auf 3+ läuft, eine bessere Programmierung sein soll, als wenn ihn SF ausstrahlt. Frau Deltenre hat dieses Spiel durchschaut. Schon allein deshalb ist sie zu loben. Ich mochte deshalb nicht in die Schlachtrufe einstimmen, das teilweise unfair ist. Wer den Überblick hat, tut so etwas nicht.

Können Sie -- als Fernsehprofi -- die Absetzung der populären Sendung Lüthi und Blanc verstehen?

Ja und nein. Ich gehöre zu den Zuschauern, die alle Folgen gesehen haben. Sie wurden hervorragend produziert. Aber es ist halt doch so, dass das Publikum langsam ermüdete. Und weil die Primetime nur 3 Stunden lang ist, muss halt etwas verschwinden, wenn man zur besten Sendezeit etwas Neues aufgleisen will. Natürlich schmerzt es. Aber wenn selbst die Redaktion und die Macher von "Lüthi & Blanc" nach einer neuen Soap suchen und bereits entsprechende Vorschläge eingereicht haben, kann man jetzt nicht Ingrid Deltenre als Buhfrau verurteilen.

Wie wählen Sie die Gäste für Ihr Interview aus? Bekommen Sie von der Redaktion Vorgaben?

Ein paar Namen der kommenden Talk-Gäste stehen bereits im Notizbuch. Sie müssen ja nicht unbedingt in der Schweiz wohnen. Es sind darunter auch hochkarätige, die durch die Medien bekannt sind, sich dieser bedienen und denen auch einen Teil ihrer Karriere zu verdanken haben. Um mit ihnen ein inhaltlich substanzielles und lockeres Gespräch führen zu können, möchte ich schon gleiche "Schwingungen" empfinden, aber mit kritischen Fragen doch vehement nachhaken. Ich kann gut zuhören. Und müssen muss ich nichts. Natürlich macht man sich auch auf der SI-Redaktion Gedanken, wer der ideale Talkpartner sein könnte. Das hängt auch von der Wochenaktualität ab. Oder wir schaffen diese.


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