10.03.2021

OneLog

«Das Tempo legt jeder Partner für sich fest»

Die Digital-Allianz macht einen Schritt vorwärts: Seit Mittwoch nutzt 20 Minuten eine von Ringier entwickelte Login-Software. Was ist das Ziel? Marcel Kohler und Ladina Heimgartner über die Hintergründe des neuen Joint Ventures OneLog.
von Edith Hollenstein

Frau Heimgartner, was für eine Bedeutung hat der Start von OneLog?
Ladina Heimgartner: Es ist ein wichtiger Tag und wir sind sehr froh, dass wir nun gemeinsam mit der TX Group richtig loslegen können mit der schon längere Zeit angekündigten – und wegen Corona deutlich verzögerten – Industrie-Allianz. Wir steigern damit die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Medienhäuser. Dies gerade auch gegenüber den grossen Tech-Plattformen. Und wir bieten Userinnen und Usern eine einfache Login-Lösung, die sich entlang der Schweizer Datenschutzrichtlinie bewegt.

Zwei Monate nach der Lancierung am 15. Oktober 2019 wurden bei Blick, Beobachter, Handelszeitung und Bilanz um die 100'000 neue registrierte Nutzerinnen gezählt. Wie viele sind es heute?
Heimgartner: Wir liegen aktuell bei über 700'000 Usern, die sich via Ringier-Connect für Blick, Beobachter, Bilanz, Handelszeitung, Schweizer Illustrierte sowie Energy, Izzy projects und streaming.ch registriert haben.

Herr Kohler, Tamedia verzeichnete damals bei den Portalen ihrer Tageszeitungen sowie bei 20 Minuten rund 80'000 neue Registrierungen. Wie viele sind es jetzt?
Marcel Kohler: Die 80'000 bezogen sich auf alle publizistischen Titel von Tamedia und 20 Minuten. Bei 20 Minuten haben sich bis zum jetzigen Zeitpunkt über 75'000 Leserinnen und Leser registriert. Über alle publizistischen Titel von 20 Minuten und Tamedia summiert haben sich über 900'000 Personen registriert.

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Nun lancieren Sie wie angekündigt das Single-Sign-On. Warum startet ausgerechnet das Gratisportal 20 Minuten zuerst?
Kohler: Die Verschärfungen im Bereich des Datenschutzes und die Abschaffung von Third-Party-Cookies durch die Browserhersteller haben einen perspektivisch negativen Effekt auf die Werbeerlöse aller werbefinanzierten Portale. 20 Minuten als werbefinanziertes Medium ist besonders stark davon betroffen. Daher haben die Einführung einer Login-Lösung und die damit zu generierenden Logins höchste Priorität.

Es handelt sich ja um eine Login-Pflicht. Per wann wird man 20min.ch ohne Login nicht mehr nutzen können?
Kohler: Wir haben in der 20-Minuten-Geschäftsleitung entschieden, dass das Login bei 20 Minuten bis auf Weiteres fakultativ bleiben soll. Wir wollen unsere Userinnen mittels Incentivierungsmassnahmen, beispielsweise zusätzlichen Funktionalitäten auf der Newsplattform oder Wettbewerben, vom Nutzen eines Logins überzeugen. Ein Login als Voraussetzung für den Zugang bleibt aber das gemeinsame Ziel der Allianz. Wann diese jedoch kommen wird, ist derzeit noch nicht definiert.

«Das gemeinsame Ziel bleibt, dass unsere Nutzer eingeloggt sind»


Ein fakultatives Login? Die Idee, war ja doch gerade, dass es eine Login-Pflicht geben soll. Warum dieser Paradigmenwechsel?
Kohler: Das gemeinsame Ziel bleibt, dass unsere Nutzer eingeloggt sind. Dieses Ziel erreichen wir aber nicht von heute auf morgen. Und wir sind überzeugt – das zeigen auch die Erfahrungen anderer Medienhäuser in der Schweiz und im Ausland –, dass der Weg zu diesem Ziel für alle Medien etwas anders aussieht. Das gilt für 20 Minuten und den Blick genauso wie für die Abo-Medien. Wichtig ist das gemeinsame Signal an die Nutzerinnen, die gemeinsame Login-Infrastruktur und das gemeinsame Ziel. Deshalb tauschen wir uns laufend über Erfahrungen aus und laufen gemeinsam los. Das Tempo wird aber jeder Partner für sich festlegen.

Und bei Ringier: Welche Titel sind beim Start mit dabei?
Heimgartner: Unsere selbstentwickelte Single-Sign-On-Lösung «Ringier Connect» ist seit etwa zweieinhalb Jahren bei uns im Unternehmen erfolgreich im Einsatz, und zwar bei ganz unterschiedlichen Medien, von der Zeitung über die Zeitschrift bis hin zum Radio. Im Detail sind das Blick, Beobachter, HZ, Schweizer Illustrierte, Energy, streaming.ch sowie Izzy projects. Alle diese Brands sind auch von Anfang an bei OneLog dabei.

Was bringt es den Leserinnen und Lesern, wenn sie sich registrieren? 
Heimgartner: Zunächst einmal besteht die Vereinfachung für die Nutzerinnen im Vordergrund: Man registriert sich einmal via «Ringier Connect» respektive OneLog und erhält damit einen Mehrfachnutzen: den Zugriff auf alle Medientitel, die sich an der gemeinsamen Registrierungsplattform der Schweizer Digital-Allianz beteiligen. Bei Ringier haben wir dahingehend mit «Ringier Connect» schon gute Erfahrungswerte sammeln können.

Kohler: Die Incentivierungsmassnahmen unterscheiden sich je nach Digital-Allianz-Partner. Sie sind jeweils an das Geschäftsmodell des jeweiligen Mediums angepasst. Prospektiv ist das Ziel, das Produkt «Digitale Zeitung» für jeden einzelnen Nutzer attraktiver zu machen. Es wird natürlich immer Nachrichten geben, die alle betreffen. Das ist sozusagen die natürliche Grenze der Personalisierung. Aber die Frage, welche Nachricht darüber hinaus einen besonders interessiert, ob etwa das grosse Interview mit Meghan und Harry oder das Ergebnis des gerade zu Ende gegangenen Spiels des FC Basel oder ein Abstimmungsergebnis des Nationalrats, kann sehr unterschiedlich sein.

Und sonst?
Heimgartner: Ausserdem zwingt uns auch der enorme Trend Richtung mobiler Zeitungslektüre zur Priorisierung von Nachrichten. Der Screen ist schlicht zu klein, um alles abzubilden. Solche Produktveränderungen passieren nicht über Nacht. Journalisten müssen sich erst einmal daran gewöhnen, Zielgruppenrelevanz stärker bei der Erstellung von Inhalten zu berücksichtigen. Auch die Mechanismen zur individuellen Priorisierung von Inhalten müssen Schritt für Schritt erprobt werden. Das ist ein langer Prozess, den wir aber jetzt beschleunigen werden.

Wenn nun bei allen beteiligten Login-Allianz-Partnern «Ringier Connect» zum Einsatz kommt: Was kann diese Software, was andere nicht können?
Heimgartner: Bevor die Entscheidung für die Ringier SSO-Lösung gefällt wurde, haben sich die Allianz-Partner verschiedene auf dem Markt befindliche Softwarelösungen angeschaut und diese auf ihre spezifischen Bedürfnisse geprüft. Nach der Bewertung sämtlicher Kriterien fiel der Entscheid für «Ringier Connect», eine bereits im Medienumfeld erprobte SSO-Lösung, die den Anforderungen der an der Digital-Allianz beteiligten Medienunternehmen am besten entspricht. Ein durchgeführtes Audit bestätigte dieser Software Bestnoten in Bezug auf Kosten-Nutzen und Sicherheit. Zusätzlich bietet die SSO-Lösung technische Features wie die Authentifizierung via Touch ID oder Face ID. Im Verlauf des Jahres wird die Ringier-Lösung in OneLog umbenannt.

Kohler: Man muss gleichzeitig festhalten, dass die neu eingesetzte Login-Technologie auch ohne Allianz eine gute Lösung für 20 Minuten wäre, weil es eine für Medien massgeschneiderte Lösung ist, die viele Funktionen in erprobter Form out of the box zur Verfügung stellt. Damit sparen wir enorm Zeit in der Einführung und es verringert unser Risiko, weil wir ein erprobtes Produkt einsetzen.



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Wie viel zahlt die Firma OneLog Ringier für diese Software?
Kohler: OneLog baut auf der bisherigen Login-Software von Ringier auf. Diese wurde in den letzten zwei Jahren intern entwickelt und ist ideal auf die Bedürfnisse von Schweizer Medien abgestimmt. Mit dem Übergang der Softwarelösung von Ringier in die gemeinsame OneLog übernimmt das Joint Venture die bisherigen Entwicklungskosten zu einem fairen Preis, wie das beim Kauf jeder anderen Software ebenfalls der Fall wäre.

Nun nutzt die SRG ja bereits ein Login bei der Streamingplattform «Play Suisse». Basiert diese ebenfalls auf «Ringier Connect»?
Kohler: Die SRG plant, das Login von OneLog als zusätzliche Alternative zu den bisherigen Login-Optionen ebenfalls einzuführen.

Können Sie ausschliessen, dass diese amerikanischen Firmen Zugriff auf die Nutzerdaten haben?
Heimgartner: Ringier Connect verwendet verschiedenste Services von amerikanischen Firmen, jedoch hat nur AWS respektive Amazon die Userdaten von Ringier Connect, die in Europa gespeichert und auf eine Art und Weise verschlüsselt sind, dass Amazon diese Daten nicht lesen kann. All dies ist vertraglich zugesichert.

Warum sind im Joint Venture OneLog CH Media, NZZ-Gruppe und die SRG nicht mit dabei?
Kohler: Wir staffeln die Einführung des gemeinsamen Logins zeitlich – wie dies bei komplexen technischen Projekten üblich ist. Ringier und TX Group starten, TX zuerst mit 20 Minuten, später soll auch Tamedia dazustossen. Sobald die beiden Medienunternehmen CH Media und NZZ den gemeinsamen Login einführen, beabsichtigen sie, sich auch am Joint Venture zu beteiligen. Die SRG plant, das gemeinsame Login als eine zusätzliche Alternative einzuführen, wie vorhin gesagt. Zudem steht der Beitritt zur Digital-Allianz sowie der gemeinsamen SSO-Lösung allen interessierten Schweizer Medienunternehmen und -titeln offen.

«Die Gründung erfolgt in den nächsten Wochen»

Wurde das Unternehmen bereits im Handelsregister eingetragen? Per wann erfolgt die Gründung? Wie gross ist das Unternehmen in Bezug auf das Gründungskapital und die Anzahl der Mitarbeitenden?
Heimgartner: Die Gründung erfolgt in den nächsten Wochen. Gerne werden wir hierzu mehr Einblick geben, sobald es soweit ist.

Gibt es mit der Verwendung der gemeinsamen Software nun doch auch einen gemeinsamen Datentopf?
Heimgartner: Nein. Wir generieren keinen allianzübergreifenden Datentopf mit Verhaltensdaten unserer Nutzerinnen. Unser Allianz-Ansatz konzentriert sich auf den Login. Dieses Thema halten wir aus verschiedenen Gründen für zentral: Aufgrund ihrer Erfahrungen mit den grossen Plattformen à la Netflix, Instagram, YouTube etc. erwarten die Nutzer eine hohe individuelle Relevanz von Inhalten. Das Einloggen dort ist gelernt und akzeptiert – niemand beschwert sich, dass er oder sie sich bei Netflix einloggen muss.

Was für Produkte hoffen Sie, künftig den Werbekunden neu anbieten zu können?
Kohler: OneLog wird keine Werbeprodukte anbieten. Es ist Aufgabe aller Joint-Venture-Partner, sich individuell Gedanken darüber zu machen, ob und wie neue Produkte für den Werbemarkt gestaltet werden könnten. Wir bei 20 Minuten nehmen das Thema zusammen mit unserem Vermarktungspartner Goldbach sehr ernst.

*Die Fragen wurden schriftlich beantwortet



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