War es wirklich nur Zufall, das Radio Energy sein Todesurteil exakt 25 Jahre nach Sendestart bekam? Möglicherweise handelte es sich dabei auch um eine neue Variante Leuenbergerscher Ironie und für Eigentümer Ringier gabs die bittere Erkenntnis, dass nicht alle Geburtstagsschenke die Freundschaft erhalten. Auffällig oft hat der mächtige Chefpublizist und wie das Beispiel zeigt erfolglose Cheflobbyist Frank A. Meyer in den vergangenen Monaten den Medienminister in seinen Kolumnen als «feinsinnigen Intellektuellen im Departement handfester Interessen» gehätschelt. Diese intellektuelle Feinsinnigkeit ist nun tatsächlich handfesten Interessen gewichen.
Kann man es dem Cicero-Preisträger Leuenberger ernsthaft zumuten, einen Spasssender wie Energy zu tolerieren? Leuenbergers Credo: Ein Massenmedium, das Massen erreicht, ist suspekt. Es mutet fast schon bizarr an, dass sich nun ausgerechnet die erste Garde der Ringier-Reizfiguren für Radio Energy einsetzt: «Weltwoche», Filippo Leutenegger und alt Bundesrat Blocher. Gefordert ist die Herausgabe von staatlichen Frequenzen im Grossraum Zürich (vor allem des Tessiner Radios, welche gerade zwei belegen), ansonsten so die hilflos wirkende Drohung von Ringier sende man illegal aus Frankreich.
Vielleicht wäre alles auch zu vermeiden gewesen: Als Medienminister Leuenberger an der 175-Jahr-Feier von Ringier im Luzerner KKL seine Rede beendet hatte, zogen sich die geladenen Gäste mit Altkanzler Schröder in die Ehrensuite zurück. Leuenberger hingegen stand verloren im grossen Saal, nippte an einem Glas Wein, bis er mit dem Zug nach Zürich zurückfuhr. Schweizer Politauguren aber wissen: Unser Medienminister ist nicht nur unbestechlich, gescheit und ironisch, er ist auch nachtragend.

