07.01.2019

Radio Zürisee

Der Seesender baut sich eine Loft

Im Studio in Rapperswil haben umfangreiche Umbauarbeiten begonnen. Mit dem neuen Konzept soll mehr Nähe zu den Hörern geschaffen werden. Ab August wird aus dem Radio-Wohnzimmer gesendet. persoenlich.com zeigt exklusiv vorab die Bilder.
Radio Zürisee: Der Seesender baut sich eine Loft
Die neue Loft von Radio Zürisee mit dem kleineren Sendestudio (im Hintergrund). (Bilder: Radio Zürisee)
von Christian Beck

Der Rapperswiler Sender Radio Zürisee gönnt sich 2019 ein neues Studio. Mit dem neuen Jahr haben auch bereits die ersten Abbrucharbeiten begonnen. «Unsere Technik ist mittlerweile 14 Jahre alt und muss zwingend ersetzt werden», sagt Geschäftsleiter Matthias Kost zu persoenlich.com. Beim Umbau werden nicht einfach nur die Mischpulte ersetzt. Entstehen soll ein ganz neues Konzept: die Radio-Loft. Investiert werden insgesamt rund zwei Millionen Franken.

Die Radio-Loft soll eine Art Wohnzimmer werden, samt Küche, Bühne, Sitzgelegenheiten – und natürlich einem Radiostudio. «In der Loft verweilen werden unsere Mitarbeitenden bei der Kaffeepause oder beim Lunch, unsere Kunden und unsere Interviewgäste.» Das eigentliche Sendestudio wird deutlich kleiner, die Moderatorinnen und Moderatoren werden sich aber innerhalb der Loft frei bewegen können und erhalten so einen grösseren Aktionsradius.

«In dieser Form kenne zumindest ich dies noch nicht», sagt Programmleiter Tony Immer. «Wenn zum Beispiel ein Musiker bei uns weilt, dann wird das Interview nicht im Studio, sondern in der Loft stattfinden. Alle, die sich zum Zeitpunkt des Live-Gesprächs in der Loft aufhalten, können das Interview so hautnah miterleben», so Immer. Das Radiostudio wird dann mit einer Art Fernbedienung gesteuert. «Dieses Produkt gibt es bereits in den USA, es wurde aber speziell auf unsere Bedürfnisse angepasst. Unsere Sendungen können künftig per Tablet ‹gefahren› werden.»

Die ganze Loft wird zudem mit Kameras ausgestattet, damit alles live gestreamt werden kann. Auch die Küche ist für Kochsendungen voll vorbereitet mit Kameraregie.

Näher am Publikum

Vom neuen Konzept erhofft sich Radio Zürisee viel. «Die positive Atmosphäre der Radio-Loft soll sich auf unser Radioprogramm übertragen», so Kost. «Eines der Markenzeichen von Radio Zürisee ist die sympathische Ausstrahlung. Wenn unsere Moderationscrew die Schönheit unseres neuen Daheims und die damit verbundenen positiven Eindrücke tagtäglich in alle Welt trägt, kann uns das nur helfen.» Radio Zürisee sei traditionell ein Medium, das nahe bei den Hörern sei und sein wolle, quasi auf Augenhöhe. «Das ist und war uns immer enorm wichtig, und das wollen wir mit diesem Loftkonzept nun auch räumlich so umsetzen, damit wir das im Alltag noch besser leben können», sagt Kost. Das sei ein Statement in einer Zeit, in der alles digitaler, unpersönlicher und globaler werde. «Wir wollen nicht ein virtuelles Medium sein von irgendwo und oben herab – sondern regional, nah, greifbar und künftig auch besuchbar in einer wunderbaren Loft an bester Lage in Rapperswil.»

In der neuen Radio-Loft im ehemaligen Hotel Post vis-à-vis des Bahnhofs sollen vermehrt Führungen durchgeführt werden. Zudem könne die Location für spezielle Events gemietet werden, samt Bestuhlung für bis zu 60 Personen. «So wird es in Zukunft die Möglichkeit geben, in der Radio-Loft von Radio Zürisee einen Firmenanlass durchzuführen, einen Geburtstag zu feiern oder ein Hochzeitsessen zu geniessen», sagt Kost. Die Loft werde technisch «perfekt eingerichtet» sein mit «allen zeitgemässen Annehmlichkeiten» und einem riesigen LED-Screen.

Im bisherigen Konzept waren Redaktoren und Moderatoren, die am Tagesgeschäft mitwirken, nur ein paar Schritte vom Sendestudio entfernt. Damit konnte bei wichtigen Ereignissen ohne Zeitverlust reagiert werden. Im neuen Konzept wandern die Arbeitsplätze weiter weg vom Studio und der Radio-Loft. Macht das Sinn? «Absolut. Zumal im Zeitalter der Push-Meldungen die Geschwindigkeit nicht mehr oberste Priorität geniesst», sagt Programmleiter Immer. Viel wichtiger sei, dass die Inhalte korrekt und seriös aufgearbeitet würden. «Dies muss nicht zwingend in der Nähe des Sendestudios geschehen. Abgesehen davon liegen Produktion und Sendestudio auch künftig nur ein paar Meter voneinander entfernt.»

Operation am offenen Herzen

Bis das neue Studio voraussichtlich im August in Betrieb genommen werden kann, wird von den Radiomachern viel Improvisation verlangt. Im Gegensatz zum letzten Umbau vor 14 Jahren sendet Radio Zürisee diesmal nicht von einem Provisorium ausser Haus, sondern seit Mitte Dezember quasi mitten aus der Baustelle. «Schlicht und einfach deshalb, weil wir nach langer und gründlicher Suche keine passende Alternative gefunden haben», so Geschäftsleiter Kost. Es gebe sicherlich Schöneres, als auf einer Baustelle arbeiten zu müssen. «Unsere Technik-Crew macht aber einen ausgezeichneten Job und sorgt dafür, dass Programm-Crew und Verkauf auch während der Bauphase die bestmöglichen Bedingungen zum Arbeiten haben. Schliesslich ist ein solches Projekt auch ein Abenteuer, welches vom Team mit Respekt, aber auch mit grossem Elan in Angriff genommen worden ist.»

Auch wenn weiterhin aus demselben Haus gesendet wird, sei der Umzug ins provisorische Studio eine grosse technische Herausforderung gewesen. «Dieser erste grosse Switch war eine Operation am offenen Herzen – alle Leitungen zügeln und den Betrieb ins provisorische Studio auf den Punkt umstellen, mit möglichst wenigen Unannehmlichkeiten für Hörer und Mitarbeiter. Dies war eine beachtliche Leistung unserer Techniker und ist uns gut gelungen – mit ganz wenigen Nebengeräuschen», so Immer. Der zweite grosse Moment werde dann wieder die Rückschaltung ins neue Studio sein. Bis dann gebe aber noch einiges zu tun.



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