Herr Lebrument, wie nervenaufreibend waren für Sie die vergangenen Tage?
Die Nacht von Samstag auf Sonntag war sehr lang. Der Druckleiter, der Chefredaktor, der Vertriebsleiter und ich verbrachten die Nacht im Druckzentrum. Wir hatten schwere Entscheidungen zu treffen. Anfangs funktionierte alles tadellos: Am Samstag haben wir noch eine Testausgabe in gleichem Umfang wie die Sonntagsausgabe gedruckt. Alles war bereit. In der Nacht auf Sonntag dann versagte eine der Druckmaschinen aufgrund einer Verstopfung ihren Dienst. Wir waren daraufhin gezwungen zwei Druckvorgänge zu machen. Mitte der Woche hatte mich das Gesuch für eine superprovisorische Verfügung gegen die Auslieferung unserer Sonntagsausgabe überrascht. Rückblickend muss ich zugeben: Ich bin mir vieles gewohnt, aber das war schon ein "gesundes Packet".
Konnte der Konflikt mit der ZUVO entschärft werden?
Nein. Der Richter sah ja keinen Anlass, eine superprovisorische Verfügung zu erlassen. Damit hat er auf den ordentlichen Rechtsweg verwiesen. Im Juni oder Juli kommt es nun zu einer Anhörung vor dem Friedensrichter. Erst dann wird sich entscheiden, ob es zu einer Vermittlung kommt oder ob es einen Prozess gibt. Dies hängt aber in erster Linie von der anderen Seite ab. Denn wir haben den Rechtsstreit weder angestrebt noch beabsichtigt. Im Gegenteil: Um das Problem mit der ZUVO zu diskutieren, haben wir auf den 1. Juni eine Sitzung einberufen. Über Preise etc. kann man mit uns immer sprechen. In der Frage jedoch, ob wir uns in diesem Land frei bewegen dürfen und eine Zeitung herausgeben können, lassen wir nicht mit uns diskutieren.
Betrachten Sie denn den Versuch der ZUVO, hinter der die Zürcher Verlagshäuser Tamedia und NZZ stehen, als taktischen Einschüchterungsversuch?
Die Preise der bisherigen Sonntagszeitungen wurden gemeinsam mit der ZUVO vereinbart. An diese Verträge haben wir uns gehalten. Und gegenüber der Forderung, ihre Preise für den Vertrieb zu senken, zeigen wir uns gesprächsbereit. Ich erhielt deshalb den Eindruck, dass die Zürcher Verlage gegen uns vorzugehen versuchten, weil sie uns als einen neuen Konkurrenten betrachten. Wir peilen ja die selben Inseratekunden wie sie an und auch im Lesermarkt stehen wir im Wettbewerb. So steht es im Gesuch der ZUVO. Ich gehe deshalb davon aus, dass man einfach verhindern wollte, dass die Südostschweiz am Sonntag auf den Markt kommt.
Sie glauben also tatsächlich, dass sich die ZUVO von den Medienhäusern instrumentalisieren liess?
Ist es etwa nicht merkwürdig, dass sich eine Vertriebsgesellschaft um verlegerische Belange kümmert? Mir jedenfalls kommt dies vor, als sei die ZUVO vorgeschoben worden. Offenbar hoffte man darauf, die Herausgabe der Sonntagsausgabe zu verhindern, oder zumindest die Preise für den Vertrieb der Sonntagszeitungen ein wenig zu drücken. Nun ist dies halt nicht gelungen.
Ist es mit der Lancierung der SonntagsZeitung auch Ihr erklärtes Ziel, die Dominanz der Zürcher Medienhäuser zu brechen?
Vor allem anderen steht das Ziel, mit meinen Medien in der Region eine möglichst gute Leistung zu erbringen. An die Konkurrenz denke ich dabei nicht. Mit den Zürcher Verlagen pflege ich im Übrigen ein freundschaftliches Verhältnis, sie stören mich grundsätzlich nicht. Wenn man aber in Zürich glaubt, man könne in unserer Region anfangen zu regulieren, dann stört mich dies. Interessanterweise galt ja das Gesuch um eine superprovisorische Verfügung nur für den Bündner Teil unseres Vertriebsgebietes. Für das Gebiet unterhalb des Walensees und das Glarnerland wurden keine Forderungen gestellt. Angesichts dessen frage ich mich, ob man es sich in Zürich zum Ziel gemacht haben, mich ein wenig zu ärgern in diesen Tagen. Insgesamt jedoch ehrt mich die Sache auch. Denn der Streit zeigt, dass man uns ernst nimmt. Insgesamt ziehe ich aber einen positiven Schluss aus dem Streit: Er hat dank seiner Wirksamkeit in der Öffentlichkeit zweifellos zur Bekanntheit der Südostschweiz beigetragen.
Sind Sie zufrieden mit der ersten Sonntagsausgabe der Südostschweiz?
Meine verlegerische Idee, dass die Region sich und seine Stärken präsentieren kann, hat die Redaktion sehr gut umgesetzt. Ich bin sehr zufrieden. Natürlich aber stehen wir erst am Anfang unserer verlegerischen und publizistischen Aufgabe. Wir müssen also umdenken und uns genau überlegen, wie wir stark bleiben können mit dem neuen, integrierten Tageszeitungssystem mit Sonntagsausgabe. Mit der wunderbaren Geschichte mit der Porta Alpina haben wir einen guten Anfang gemacht. Wenn wir die Zeitung so weiter entwickeln können, dann kommt es gut.
Wie hat man in der Südostschweiz auf die zum Teil verspätete Lancierung der Sonntagsausgabe reagiert?
Es gab zwei Arten von Reaktionen: Jene Leser, welche die Sonntagsausgabe erhalten haben, äusserten sich durchwegs positiv. Jene, welche die Südostschweiz am Sonntag aufgrund der Panne bei der Druckmaschine nicht in ihrem Briefkasten vorfanden, haben von uns gefordert, dass sie die Ausgabe nachgeliefert erhalten. Negative Reaktionen jedoch haben uns noch nicht erreicht.
Sie selber waren jahrelang journalistisch tätig. Haben Sie bei der publizistischen Konzeption der Südostschweiz am Sonntag auch mitgearbeitet?
Ich wurde 1968 im Alter von 27 Jahren beim Emmentaler Blatt erstmals damit beauftragt, eine Zeitung neu zu konzipieren. Seit damals weiss ich, dass man sich immer sehr stark mit den Inhalten beschäftigen muss. Meine lange redaktionelle Erfahrung in verschiedensten Ressorts und Positionen half mir auch bei der Konzeption der Südostschweiz am Sonntag ungemein. Ich selber kann ein Produkt beurteilen und bin deshalb auch für die redaktionelle Seite glaubwürdig. Deshalb war ich bei der Konzeption der Südostschweiz und der Südostschweiz am Sonntag immer sehr stark an den Diskussionen beteiligt. Diese Aufgabe bereitet mir im Übrigen auch grosse Freude. Meist komme ich mit der Idee und einem Grundlagenpapier, das wir dann zusammen umsetzen.
Sie haben am Sonntag bekannt gegeben, dass Ihre Kinder Ihr Medienunternehmen künftig führen sollen. Wollen Sie nun nach und nach kürzer treten?
Nein, überhaupt nicht. Einer meiner Söhne führt das TV-Unternehmen Tele Südostschweiz, der andere ist TV-Redaktor und meine Tochter die Südostschweiz Publicitas. Ich wollte einfach meine Hausaufgaben machen und die Nachfolge innerhalb des Unternehmens bekannt machen. Am Sonntag bot sich mir dazu eine gute Gelegenheit. Nun ist allen klar, wie es weiter gehen soll.

