Herr Projer, hat sich das Engagement von Christa Rigozzi gelohnt?
Ja, unbedingt! Es war eine Riesenfreude mit Christa zusammenzuarbeiten. Sie machte das sehr gut. Aus einer nicht immer einfachen Sendung, in der sie eine nicht immer nur einfache Rolle hatte, holte sie sehr viel heraus. Ihr Engagement wertete die Sendung klar auf.
Inwiefern konnten Sie damit eine Steigerung der Quoten erreichen, wie Sie sich das erhofft hatten?
Das habe ich gesagt? Können Sie mir das zeigen?
«Wir wären ja im falschen Job, wenn wir nicht versuchen würden, mit relevanten Themen ein Publikum zu erreichen und ja: Wir versuchen das», antworteten Sie dem «Blick» auf die Frage, ob Sie sich mit der Anstellung eine Quotensteigerung erhoffen (siehe Video unten ab 1:17 min). Sie wollten doch mit Christa Rigozzi neue Nutzer erreichen.
«Neue Zuschauergruppen» ist etwas ganz anderes als «eine Quotensteigerung». Natürlich hatten wir mit «Arena/Reporter» das Ziel, neue Zuschauergruppen erschliessen zu können. Genau das gleiche Ziel haben wir, wenn wir uns dafür entscheiden, eine Sendung von Jugendlichen moderieren zu lassen – wie wir es zusammen mit den geschätzten Kollegen von persoenlich.com Mitte Januar getan hatten. Dasselbe Ziel verfolgen wir, wenn wir Gäste in die «Arena» einladen, die die Zuschauer nicht unbedingt erwarten würden in einer Politsendung. Wir wollen so Menschen ansprechen, die sich für gewöhnlich nicht für Politik interessieren.

Bei dem ganzen Wirbel und der heftigen Kritik am Anfang: Haben Sie es nie bereut, Christa Rigozzi engagiert zu haben?
Nein, auf keinen Fall.
Auch nicht kürzlich im Dezember, als das Restaurant Molino darüber informierte, dass es neu eine Pizza Christa Rigozzi auf der Menükarte hat?
Christa Rigozzi hatte spürbare und empfindliche Einschränkungen in ihren Werbeengagement. In weitem Umfeld der «Arena/Reporter»-Sendungen war auf SRF keine Werbung mit ihr erlaubt. Das war in meinen Augen verhältnismässig gegenüber den drei oder vier Auftritten, die sie jährlich hatte für «Arena/Reporter». Aber ich weiss nicht, ob es hier nötig ist, diese Frage nach Rigozzis Werbeauftritten wieder aufzurollen.
«Die Arena profitierte von Arena/Reporter»
War denn das Problem ein ganz anderes: Hatte sich durch diese eher gesellschaftlichen Themen von «Arena/Reporter» das Profil der «Arena» mehr und mehr verwässert?
Ich hatte nicht den Eindruck, dass sich das Profil der «Arena» verwässert hat. Es war eher umgekehrt: Die «Arena» profitierte von «Arena/Reporter». Die «Arena» muss leben, sie muss Risiken eingehen – wie, wenn wir, wie bereits angesprochen, im Zusammenhang mit Younews 16- oder 17-Jährige moderieren lassen. Im Vorfeld sagten alle: «Das geht doch nicht!». Und im Nachhinein fanden es viele lässig. Wenn die «Arena» keine Risiken mehr eingeht, sondern zum Ritual erstarrt, wo einfach nur mehr noch die Parteiprogramme abgebildet werden, mache ich mir Sorgen. Die «Arena» hat nicht an Profil verloren. Der Grund für das Ende von «Arena/Reporter» ist das fehlende Geld. Da wir ein sehr wichtiges Wahljahr vor uns haben, das für dieses Land in vielen Dossiers wie den Renten, den Steuern und Europa wichtige Weichen stellen wird, entschieden wir uns für die Wahl-«Arenas» und gegen «Arena/Reporter». Dieser Entscheid war kein einfacher, er ist uns schwergefallen.
«Die Schweiz ist aktuell an einem sehr interessanten Punkt»
Sie haben Renten, Steuern und Europa als grosse Themen erwähnt. Sind es diese Fragen oder was interessiert Sie persönlich ganz besonders an den diesjährigen National-und Ständeratswahlen?
Es gibt auch andere, beispielsweise das Klima. Die Schweiz ist aktuell an einem sehr interessanten Punkt. Vor vier Jahren sagte man, dass es zu einem Rechtsrutsch kommen wird, wegen der bürgerlichen Mehrheit im Nationalrat. Je nachdem, zu welchem Lager man gehörte, erhoffte oder befürchtete man gewisse Entwicklungen. Erst später wurde vielen klar, dass die Machtverhältnisse im Ständerat anders sind als im Nationalrat. In der Konsequenz stehen wir nun, nach dreieinhalb Jahren, an einem Punkt, wo die Schweiz in wichtigen Dossiers keine Kompromisse erreicht hat. Zuerst bekämpfte und versenkte die SP die Unternehmenssteuerreform III deutlich. Dann, mit bürgerlichen und linken Gegnern, wurde die Rentenreform versenkt. Und nun spitzt sich die Europa-Frage zu. Es zeichnet sich ab: Nach der ganzen vierjährigen Legislatur sind wir in vielen wichtigen Fragen nicht weiter als vorher. In dieser Situation haben wir jetzt – wo wir in einer Art «Reformstau» sind – wieder eine Parlamentswahl. Ja, die Wahl scheint mir in diesem Kontext besonders wichtig.
Sie wollten mit «Arena/Reporter» Politik «dort oben in Bern» für die Leute zuhause oder unterwegs erlebbar machen. Wenn die Sendung nun gestrichen wird: Was für ein anderes Rezept haben Sie sich dafür ausgedacht?
Moment, Frau Hollenstein, «da oben in Bern» ist nicht meine Wahrnehmung der Schweizer Politik. «Die da oben in Bern» ist eine Abwertung der wichtigen Arbeit, welche unsere gewählten Volksvertreterinnen und Volksvertretern machen. Und deshalb ist es als «Arena» Woche für Woche unsere Aufgabe, Politik und Medien erfahrbar und verständlich zu machen, auch für Junge. Genauso, wie es viele geschätzte Kolleginnen und Kollegen ebenfalls tun, auch bei persoenlich.com. Diese Zuschauerbeteiligung werden wir wie heute auch weiterhin in der «Arena» pflegen: Jeden Mittwoch nach «Tagesschau» und «10vor10» machen wir auf dem Sender einen Aufruf, um Publikumsgäste in die Sendung einzuladen. Nein: Selbstverständlich verabschiedet sich die «Arena» nicht von dieser Publikumsnähe, die uns sehr wichtig ist.

