26.11.2020

Ringier

«Die Aufmerksamkeit des Publikums schwankt»

Blick TV hat einen neuen Videoplayer ausgerollt. Chefredaktor Jonas Projer sagt, was dieser alles kann. Ausserdem wird im Live-TV auf Pre-Roll-Werbung verzichtet. Stattdessen wurde inhouse ein neues Ad-Format entwickelt.
Ringier: «Die Aufmerksamkeit des Publikums schwankt»
«Heute haben im Pressehaus an der Dufourstrasse viele ein Lächeln im Gesicht», so Jonas Projer, Chefredaktor von Blick TV. (Bilder: Ringier)
von Christian Beck

Herr Projer, Ende August haben Sie es in einem persoenlich.com-Interview angekündigt, nun ist er da: der neue Blick-TV-Videoplayer. Hat alles geklappt?
Wir sind überglücklich, dass es läuft. Aber bis wir den Champagner auftun oder ein Bier zum Feiern, werden heute noch viele Leute einige Stunden arbeiten und Bugs beseitigen. Die rocken das grad ziemlich. In der IT, aber auch die Verantwortlichen für die Werbung und natürlich das ganze Team im Newsroom.

Der Player ist unübersehbar – sowohl auf Desktop wie auch in der App. Ist Grösse das Mass aller Dinge?
Es ist ein Angebot an die Nutzerin, an den Nutzer. Sobald ich daran vorbei scrolle, wird der Player klein. So kann ich Blick TV nebenher schauen, wenn ich will. Das Mass aller Dinge ist nicht Grösse, sondern ein einfacher Zugang: Ein hürdenfreier Zugang zum Content, unmittelbar, direkt. Das versuchen wir hier.

Sie sagen es: Ich scrolle am grossen TV-Bild vorbei, der Player wird klein. Mich stört das und ich klicke weg …
Das machen bis jetzt erstaunlich wenige Leute. Im Gegenteil, wir sehen, dass es die Nutzerinnen und Nutzer schätzen, Blick TV neu auch parallel zur Website konsumieren können. Es ist kein Entweder-oder mehr.

«Peng, sofort springt das TV wieder hoch»

Dadurch, dass Blick TV parallel konsumiert werden kann: Erhoffen Sie sich längere Nutzungszeiten?
Klar. Wollen wir, nehmen wir. Aber was wir uns vor allem erhoffen, ist, dass wir dem Nutzer, der Nutzerin entsprechen. Mit dem Inhalt, aber ganz wichtig auch mit der Art, wie sie oder er den Inhalt konsumieren kann.

Bei meinem ersten Besuch auf blick.ch war das TV-Livebild prominent ganz oben. Später war es verschwunden.
Ja, respektive ist es dann deutlich weiter unten auf der Website. Bis es News gibt oder wir ein neues attraktives Format lancieren: Peng, sofort springt das TV wieder hoch. Wir verbinden also die inhaltlichen Entscheide im Live-TV mit dem digitalen Foldering, mit der Positionierung auf blick.ch. TV und Website wachsen näher zusammen. Auch die Teams von TV und Digital rücken hier noch näher zusammen.

Einige User wünschten sich auch eine App für Smart TV. Kommt die irgendwann?
Im Zentrum steht blick.ch. Wir müssen die User Experience von TV besser und immer besser machen. In der Desktopversion und ganz wichtig auf dem Mobile. Diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. In meinen Augen hat sie absolute Priorität.

«Das Publikum kann ohne Hürde unseren Sender konsumieren»

Was genau ist denn nun besser am neuen Videoplayer – ausser der prominenteren Platzierung?
Die Werbung. Werbung, die auffällt – aber nicht, indem sie stört, sondern indem sie attraktiv in den Inhalt eingebettet ist. Davon profitiert auch das Publikum. Es kann neu ohne Hürde unseren Sender konsumieren: stumm mit Untertiteln, mit Ton, kleiner, grösser, nach Lust und Laune. Die Aufmerksamkeit des heutigen Publikums schwankt. Ständig, innert Sekunden. Und sehr oft ist sie geteilt. Dem versuchen wir zu entsprechen.

Mir fällt vor allem auf, dass die Pre-Roll-Ads weg sind. Warum?
Die Pre-Rolls sind nicht weg, im Video-on-Demand setzen wir weiterhin darauf. Aber im Live haben wir ein eigenes, neues Format entwickelt. Ich kann nicht all die tollen Leute im Verlag erwähnen, die diesen Erfolg erreicht haben, und nenne deshalb nur einen: Rui de Freitas, Head of Commercial and Tech der Blick-Gruppe. Ihm verdanken wir diesen Schritt, viele weitere haben Ideen gegeben, es gebaut, es verkauft. Und die ganze Geschäftsleitung, die uns hier hat machen lassen unter der neuen Chefin Ladina Heimgartner.

Und wie sieht dieses neue Ad-Format aus?
Es ist ein digitaler Mid-Roll, der moderativ eingebettet wird, wir können ihn an passenden Stellen punktgenau platzieren. Vereinfacht gesagt: Nutzerinnen und Nutzer sehen einen ganz normalen, sehr kurzen TV-Spot an passender Stelle. Werbekunden hingegen haben alle Vorteile eines digitalen Werbeformats mit allen entsprechenden Möglichkeiten und Metriken. Der Spot dauert maximal zehn Sekunden und kann nicht übersprungen werden. Und weil wir ihn direkt in den digitalen Stream einsetzen, erreichen wir damit auch Konsumentinnen und Konsumenten, welche Adblocker verwenden.

«Lassen Sie uns ausprobieren und lernen»

Mit Zahlen zu Blick TV waren Sie bislang immer sehr zurückhaltend. Verraten Sie uns nun einige Werte?
Viel zu früh. Lassen Sie uns ausprobieren und lernen. Blick TV ist noch sehr jung. Ich sage nur soviel: Heute haben im Pressehaus an der Dufourstrasse viele ein Lächeln im Gesicht.

In letzter Zeit sind Sie immer öfter selber am News-Moderationspult. Macht es Spass?
Sicher macht es Spass. Aber ich hab es eher gemacht, um ein paar Quarantäne-bedingte Lücken im Arbeitsplan zu stopfen. Wir haben die besten Anchors der Welt, ich bin unglaublich dankbar für das, was sie jeden Tag zeigen. Wenn ich hin und wieder mit ihnen am Desk stehen darf, kann der Tag gar nicht mehr misslingen.



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Kommentare

  • Andi Neukomm, 27.11.2020 07:48 Uhr
    «Blick TV ist noch sehr jung» - und wird nicht sehr alt. Ich frage mich, wen das interessiert. Die Jungen? Bestimmt nicht. Die Alten? TV schauen am Handy? Wohl kaum. Toi toi toi, trotzdem!
Kommentarfunktion wurde geschlossen

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