12.12.2004

Die Bedeutung des Internets wächst

Seit zwei Jahren misst und beglaubigt die Wemf die Nutzung von Schweizer Websites. Die Erhebung Net-Audit zeigt, dass sich das Medium Internet im Vormarsch befindet. Die meisten der zwanzig grössten Sites haben auch in den vergangenen Monaten zugelegt. An der Spitze liegen dabei erstaunlicherweise nicht die Newsportale der grössten Medienhäuser, sondern search.ch und das Eventportal tillate.ch.
Die Bedeutung des Internets wächst

Die zwanzig meistbesuchten Websites im November

Spitzenreiter der für den November erfassten Sites ist search.ch. Das Suchportal der Schweizerischen Post, dessen Zahlen zum ersten Mal von der Wemf beglaubigt wurden, verzeichnete 39.9 Millionen Page Impressions (PIs) und 1.23 Millionen Visits. Im Vergleich zum Vormonat legte search.ch gemäss Angaben des Sitebetreibers Räber Information Management GmbH um rund acht Prozent zu. Entsprechend zufrieden ist Rudolf Räber, verantwortlich für die Konzeption und Entwicklung von search.ch, über den Verlauf der Nutzungszahlen: „Die Entwicklung stimmt uns positiv. Durch neue Dienste wie map.search.ch haben wir in letzter Zeit an Dynamik gewonnen“.

Die zweitmeisten Webzugriffe verzeichnete im November das Eventportal tilllate.ch. Seit Anfang Jahr haben sich die Nutzungszahlen des Überfliegers nahezu verdoppelt und liegen derzeit bei 34.5 Millionen PIs beziehungsweise 4.2 Millionen Visits. Erst an dritter Stelle folgt eines der grossen Medienhäuser: NZZ Online verzeichnete im November rund 20 Millionen Zugriffe. An der Falkenstrasse freut man sich neben den beachtlichen Zuwachsraten auch über eine markante Steigerung der Anzahl Unique Clients im vergangenen Jahr.

Der Tages-Anzeiger liegt mit 14.7 Millionen Page Impressions und 3.3 Millionen Visits im Internet zumindest auf dem Papier hinter der NZZ. Aus diesen Zahlen auf den Erfolg der Internet-Auftritte der beiden grossen Zürcher Tageszeitungen zu schliessen, wäre jedoch falsch: Bei der NZZ werden etwa die Zugriffe der NZZamSonntag zum Gesamttotal hinzugezählt, während bei der Tamedia die SonntagsZeitung und die Internet-Stellenbörse Jobwinner.ch (3.6 Millionen PIs) getrennt von den Nutzungszahlen von tages-anzeiger.ch ausgewiesen werden.

Die insgesamt positive Entwicklung der Nutzungszahlen kann die Wemf bestätigen, obwohl sie alleine anhand der Net-Audit-Daten keine feste, übergreifende Trendaussagen über die Online-Nutzung machen will. Trotzdem sagt Christine Diemand, die das Projekt Net-Audit leitet: „Die Bedeutung des Internets als Informationsmedium nimmt zu.“ Sie stützt ihren Befund auf die Werbeumsatzstatistik des Advertising Index Switzerland (AIS).

Mit den steigenden Nutzungszahlen einher geht ein wachsendes Bedürfnis der Sitebetreiber, ihre Zugriffszahlen mit einem vergleichbaren, sitezentrierten Messinstrument erheben zu lassen. Mittlerweile beglaubigt die Wemf 87 Websites nach einheitlichen Kriterien. Zwei Jahre nach der Lancierung der Net-Audit ist das Interesse ungebrochen. „Wir verzeichnen viele Neuanmeldungen“, stellt Diemand fest.

Dessen ungeachtet verzichten einige der grössten Schweizer Websites immer noch auf eine Beglaubigung durch die Wemf. So fehlen mit bluewin.ch, 20min.ch sowie blick.ch einige der besucherstärksten Websites in der monatlichen Publikation der Wemf. Blick online wird gegenwärtig von der IVW, die die Verbreitung der Werbeträger in Deutschland misst, beglaubigt. Die Messmethode der IVW entspricht dabei jener der Wemf. Der Ringiertitel erreicht im Monat rund 26 Millionen Seitenaufrufe, wie Bernhard Wüthrich, Verlagsleiter von Blick online bestätigt.

Solange ein Teil der nutzungsstärksten Sites nicht an der Net-Audit teilnehmen, wird es die Wemf schwierig haben, eine Standard-Messgrösse auf dem Markt positionieren zu können. Genau dies jedoch könnte dem Werbeträger Internet zu mehr Akzeptanz verhelfen. Denn trotz beachtlichen Zuwachsraten sind die Werbeausgaben im Web gegenüber den Medien Print und TV immer noch sehr gering, um nicht zu sagen vernachlässigbar. Im ausgesprochenen "Printland" Schweiz beträgt der Werbeumsatz fürs Web gemäss AIS nicht einmal 0.8 Prozent der Gesamtsumme. Im Vergleich dazu lag dieser Anteil in Deutschland schon im vergangenen Jahr bei immerhin 1.2 Prozent.

Hinzu kommt, dass der Wemf, die gegenwärtig alleinige Anbieterin einer einheitlichen, sitezentrierten Messmethode ist, Konkurrenz erwachsen soll, wie die Werbewoche unlängst berichtete. Nielsen Netratings, Publica Data und Adlink testen eine Messmethode namens RedSheriff, die für die Sitebetreiber wesentlich günstiger sein soll als Net-Audit. Damit könnte in der Schweiz gleichsam eine zweite Währung eingeführt werden. Ob dies dem Medium Internet allerdings zu einer grösseren Relevanz auf dem Werbemarkt verhelfen würde, bleibe einmal dahingestellt.


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