14.05.2015

SRF

"Die Online-Journalisten lechzen nach dem nächsten Skandal"

Nach der Kritik zum letzten Talk mit Roger de Weck wehrt sich Roger Schawinski.
SRF: "Die Online-Journalisten lechzen nach dem nächsten Skandal"
Herr Schawinski, Ihre Fernsehsendung mit Roger de Weck vom Montag war in den Schlagzeilen. Die Kritiker bemängelten, dass Sie dem SRG-Generaldirektor zu viel Freiraum gelassen hätten. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?
Ich verstehe den Mechanismus dieser Kritiker. Denn viele Online-Journalisten lechzen nach dem nächsten "Schawinski"-Skandal mit seinem enormen Klickpotential. Ich hätte Roger de Weck im Studio teeren und federn können, aber wegen der besonderen Konstellation zwischen uns beiden wäre mir selbst dies als Liebesdienst ausgelegt worden. Von zu viel Freiraum in der Sendung kann keine Rede sein, aber de Weck kämpfte wie kaum ein anderer Gast um die Lufthoheit und machte es mir damit wirklich verdammt schwer. Seit meiner ersten Sendung vor beinahe vier Jahren wirft man mir vor, dass ich die Gäste zu oft unterbreche. Jetzt fordern einige ausgerechnet bei diesem Gast genau das Gegenteil von mir. Das empfinde ich als recht ulkig.
 
War es richtig, Roger de Weck in die Sendung einzuladen?
Absolut. Ich hatte ja bereits seinen Antipoden, Gewerbeverbandschef Hans-Ulrich Bigler im Studio. Guter Journalismus stellt immer beide Seiten auf den Prüfstand.
 
Wie Sie verschiedentlich betont haben - auch bei "persönlich", unterstützen Sie die Änderung des RTVG. Konnten Sie deswegen während der Sendung überhaupt eine kritische Rolle einnehmen?
Die Änderungen im RTVG-Gesetz sind eher banal. Die interessieren mich kaum. Spannend ist, dass es jetzt um die SRG als Ganzes geht, und dass sie in ziemlichen Nöten steckt, wenn man den Umfragen glauben will, und dies obwohl die Gebühren erstmals gesenkt und nicht erhöht werden sollen. Eine Niederlage wäre für die SRG deshalb prestigemässige die Höchststrafe.
 
Ein Vorwurf lautet, dass Sie sich als ehemaliger Radiopirat doch vom Saulus zum Paulus, also SRG-Freund, gewandelt hätten. Ist dies eine Form von "Altermilde"?
Ich engagierte mich seit Jahrzehnten nicht gegen die SRG als Institution, sondern gegen ihr weitgehendes Medienmonopol. Leider hat die frühere Führung alles getan - und dies selbst mit miesen Tricks - um eine echte journalistische Konkurrenz auf Ebene der Sprachregionen zu verhindern. Dies war eine kurzfristige Strategie, die sich jetzt zu rächen scheint. Mit einem seriösen Privatfernsehen, das einigermassen auf Augenhöhe operieren könnte, wäre die Ablehnung gegen diese Vorlage heute viel weniger heftig. In Deutschland mit seinem dualen System ist dasselbe Modell von allen Player recht schlank akzeptiert worden, auch wenn es sich dort nicht einer Volksabstimmung stellen musste.
 
Sie betreiben selber zwei Privatradios in Zürich. Wie nehmen Sie die SRG in dieser Funktion wahr?
Die SRG ist auch im Radio absolut dominant, nicht nur dank ihres sprachnationalen Monopols im so wichtigen UKW-Bereich, sondern auch mit den viel grösseren Programmmitteln.
 
Warum entladen sich urplötzlich solche Aggressionen gegenüber der SRG?
Monopolisten sind nie sympathisch. Dazu kommt eine längere, gezielte und sehr gehässige Kampagne der grossen Verleger, die die SRG im Online-Bereich zurückbinden wollen, um sich diese Pfründe selbst zu sichern. In Wirklichkeit geht es wie so oft auch hier vor allem ums Geld.
 
Was haben Sie Roger de Weck nach der Sendung gesagt?
Was nach einer Sendung gesagt wird kommentiere ich nie.
 
Interview: Matthias Ackeret, Bild: Screenshot "Schawinski"
 
 

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