25.03.2018

SRF

Die Shortlist für Ruedi Matters Nachfolge

Im April startet die Suche nach einem neuen Chef oder einer neuen Chefin für Schweizer Radio und Fernsehen. persoenlich.com bringt jetzt schon das Kandidaten-Karussell in Schwung. Exponenten aus der Branche nennen Namen für Matters Nachfolge.
SRF: Die Shortlist für Ruedi Matters Nachfolge
Ist hier Ruedi Matters Nachfolge schon dabei? Oben v.l.: Christoph Gebel, Manfred Pfiffner, Markus Somm, Nathalie Wappler, Röbi Ruckstuhl. Mitte v.l.: Lis Borner, Sonja Hasler, Tristan Brenn, Urs Leuthard, Frank Bodin. Unten v.l.: Rolf Bollmann, Barbara Bleisch, Christoph Bürge, Hansruedi Schoch, Ladina Heimgartner. (Collage: persoenlich.com)
von Christian Beck

Aufgrund ihrer aktuellen Funktionen kämen für die Nachfolge von Ruedi Matter verschiedene SRF-interne Personen infrage, so zum Beispiel TV-Chefredaktor Tristan Brenn oder Radio-Chefredaktorin Lis Borner – Matter war übrigens auch Radio-Chefredaktor. Oder Radio-Programmleiter Röbi Ruckstuhl. Auch Unterhaltungschef Christoph Gebel kommt vom Radio. Der starke Mann im Hintergrund ist Hansruedi Schoch, Abteilungsleiter Programme und Matters Stellvertreter – auch er ein möglicher Kandidat. Auch «Tagesschau»-Chef Urs Leuthard wird gehandelt. Oder als Externer: Christoph Bürge, langjähriger Chef der Produktionsfirma B&B Endemol und heute CEO bei der Freddy-Burger-Management-Group. Oder wie wärs mit Werber Frank Bodin? Der Noch-CEO von Havas hat bald Kapazitäten.

persoenlich.com will weitere mögliche Nachfolger aufs Karussell setzen und hat deshalb bei Exponenten und Kennern der Kommunikationsbranche nachgefragt. Wie ist bei ihnen die Nachricht angekommen, dass Matter seinen Sessel Ende Jahr räumt? Und wer soll folgen?


Mark Balsiger, Politikberater

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«Ruedi Matters Rückhalt in der SRF-Belegschaft ist bescheiden, die Öffentlichkeit riss er nicht von den Stühlen. SRG-Generaldirektor Gilles Marchand hat in dieser Personalie schnell entschieden – zum Glück. Es braucht einen Neuanfang und einen klaren Schnitt. Mandate in die Pension mitzunehmen würde das untergraben. Es braucht jemanden, der überzeugt und ankommt. Dann klappt es auch mit dem nötigen Kulturwandel. Eine wichtige Aufgabe des neuen SRF-Direktors: Er muss eine Konzentration der Standorte verhindern. Es braucht die regionalen Studios in St. Gallen, Luzern, Aarau, Basel… Und die Abteilung Information von Radio SRF muss in Bern bleiben. Die regionale Verwurzelung ist zentral, das Korrespondentennetz ein Asset von SRF. Jemand von aussen, der das Unternehmen trotzdem sehr gut kennt, ist Manfred Pfiffner. Der stellvertretende Ombudsmann war früher lange Jahre Präsident des SRG-Publikumsrats. Von Berufes wegen habe ich viel mit Spitzenkräften zu tun, und ich arbeitete lange Jahre mit Pfiffner zusammen: Er ist souverän, berührbar, empathisch – und kein selbstverliebter Machtmensch. Das Entscheidungsgremium tut gut daran, Pfiffner auf die Shortlist zu nehmen, obwohl er diesen Job vermutlich gar nicht will.»



Stefan Millius,
Medienunternehmer

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«An Ruedi Matter wird man sich nach seinem Abgang nur dank ‹No Billag› erinnern. Die Initiative hat ihm eine Plattform geboten, ohne die er dem Normalzuschauer kein Begriff wäre. Das ist in Ordnung: Als Kunden müssen wir nicht den Chef eines Unternehmens kennen, sondern den Aussendienstler. Ich würde Matter zum Abschied mit einem so netten wie furchtbaren Prädikat auszeichnen: Er war solid. Der Nachfolger (Frauen mitgemeint) muss für mich drei Kriterien erfüllen: Er muss von aussen kommen, er muss von aussen kommen – und ausserdem sollte er von aussen kommen. SRF ist ein in sich geschlossenes rosa Schloss aus Zuckerwatte, in dem alle nett zueinander sind, sich gegenseitig die Quoten schönreden und den edlen Kampf gegen das böse Private gemeinsam fechten. Wenn daraus ein erträgliches Programm werden soll, muss ein Aufräumer an die Spitze. Beziehungsweise zwei, weil der Direktor die unternehmerische und publizistische Verantwortung trägt. Mein (nicht ganz realistischer) Vorschlag: Markus Somm erledigt den publizistischen Job, Rolf Bollmann kümmert sich um unternehmerische Aspekte. Der Laden würde laufen, das Programm würde Spass machen. Und ich müsste tatsächlich nachsehen, auf welchem Kanal ich vor Urzeiten SRF 1 programmiert habe.»



Hans Hofmann, Headhunter

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«Nach der fulminant gewonnenen Abstimmung vom 4. März scheint es der perfekte Zeitpunkt für einen Stabwechsel zu sein. Bis Ende Jahr kann Ruedi Matter zudem noch wichtige Projekte aufgleisen und anschieben. Das klare Votum zur No-Billag-Initiative darf nicht als Carte Blanche gedeutet werden. Deswegen bin ich der Meinung, dass die SRG eine charismatische Führungskraft in der Direktion braucht. Eine Persönlichkeit mit grossen Stärken in der Kommunikation, der Fähigkeit zur Selbstreflexion und einer guten Portion Bodenständigkeit. Mehr Smart als Rolls Royce, mehr Swatch als Rolex. Die offene und selbstkritische Debatte mit der Öffentlichkeit, der Politik und den Mitbewerbern scheint mir die wichtigste Aufgabe zu sein. Persönlich hat mir Ladina Heimgartner sehr gefallen in der ganzen No-Billag-Diskussion. Ob das reicht? Jung und kommunikativ ist sie. Natürlich kommt einem auch immer Nathalie Wappler in den Sinn. Führungsstark, fachlich versiert. Im positiven Sinne ehrgeizig. Die naheliegende Lösung ist aber nicht immer zwingend die beste. Deswegen wäre es sicherlich begrüssenswert, wenn die SRG, professionell unterstützt, den gesamten Markt abklopft.»



Lahor Jakrlin, Publizist, GL/CD Fruitcake

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«Ruedi Matter symbolisiert für bürgerliche-liberale Kreise das vom Publikum entrückte, bürokratische SRF. Was er als Unabhängigkeit definiert, kommt bei diesem Publikum – zu welchem ich mich auch zähle – als Überheblichkeit, Abgehobenheit daher. Sein Abgang ist ein Segen. Es ist Zeit für das Gegenteil von Matter. Dabei ist unwichtig, in welcher politischen Ecke sich der/die Nachfolger/in verortet. Es muss eine integrative Persönlichkeit mit Gestaltungsfähigkeit sein, jemand der das Kader zu mehr Risiko anspornt, allen relevanten gesellschaftlichen Lagern Raum bietet und Durchschnittlichkeit zur Mindestanforderung erklärt. Es braucht Frische, Farbe und Format. Jemand, der durch innere Kompetenz und natürliche Autorität führt. Am besten eine Frau. Barbara Bleisch wäre die Idealbesetzung: Gebildet, intelligent, integrativ, souverän, Ausnahmeerscheinung. Aber auch Sonja Hasler hätte das Zeug dazu, sie müsste es nur wollen.»


Noch-SRF-Direktor Ruedi Matter, der seit 2011 an der Spitze war, tritt auf Ende 2018 ab (persoenlich.com berichtete). «Ich werde auf jeden Fall zur Verfügung stehen, bis meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger diese Position antreten kann», sagte Matter zu persoenlich.com.



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Kommentare

  • Marie-Hélène Froidevaux, 26.03.2018 05:09 Uhr
    Warum wurde keine Frau gefragt?
  • Walter Erismann, 24.03.2018 10:21 Uhr
    Wo bleibt in dieser Auflistung Roger Schawinski?
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