30.06.2010

Die Sprachen-Solidarität wankt - Deutschschweizer SDA-Kunden lehnen Quersubventionierung mehrheitlich ab

Wenn schon, dann soll die Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) zuerst im Tessin und in der Romandie sparen. Diese Meinung vertreten gemäss einer Umfrage drei Fünftel der Deutschschweizer SDA-Kunden – primär Chefredaktoren der verschiedenen Medien. Ein heikles Votum, denn die Umfrage war vom Verlegerverband und der SDA initiiert worden. Und die Deutschschweizer Verleger haben im SDA-Verwaltungsrat das Sagen. Der Bericht:
Die Sprachen-Solidarität wankt - Deutschschweizer SDA-Kunden lehnen Quersubventionierung mehrheitlich ab

Seit AP Schweiz Ende März vom Markt entfernt ist, hat die übrig gebliebene Nachrichtenagentur SDA (Schweizerische Depeschenagentur) nun natürlich das Interesse, möglichst positiv dazustehen. Das tut sie auch, jedenfalls schneidet sie gemäss der Online-Kundenumfrage, die sie erstmals zusammen mit dem Verlegerverband im März und April 2010 durchführte ("persoenlich.com" berichtete) recht gut ab. Allerdings - und das ist ein Schönheitsfehler – wurde die Umfrage vom stellvertretende SDA-Chefredaktor Winfried Kösters selbst ausgewertet und kommentiert. Und er lehnt weitergehende Informationen ab, wie er auf Anfrage beschied.

So muss man also mit Kösters vorgekauter Auswertung vorlieb nehmen. Und diese legt vor allem Gewicht auf die Feststellung, dass "die SDA-Kunden mit den Leistungen ihrer Nachrichtenagentur zufrieden" seien. Auf einer Skala von 1 bis 10 hatten die Kunden die Qualität des SDA-Basisdienstes nach drei Qualitätskriterien beurteilt: Korrektheit (Zuverlässigkeit), Tempo und Umfang. Punkto Korrektheit gaben sie im Schnitt die Note 7,9, über alle Sprachregionen und Ressorts hinweg. Den Umfang der gelieferten Texte halten die Kunden für angemessen (Durchschnittsnote 7,3). Für das Tempo hingegen erhielt die SDA mit 7,1 ihre schwächste Qualifikation.

Von 132 angeschriebenen Kunden hatten deren 83 geantwortet, was einem Rücklauf von 63 Prozent entspricht. "Die Umfrage ist damit repräsentativ", betont Kösters. Die meisten Antworten seien von Radiostationen (37%) gekommen, dicht gefolgt von Tageszeitungen (36%), Fernsehstationen (6%) und Wochenblättern (4%). Die restlichen 17% stammten von Kunden aus dem Nicht-Medien-Sektor (Verbände/Organisationen/Behörden).

Der brisantere Teil der Umfrage mit den (medien-)politischen Fragen kommen bei der SDA-Auswertung etwas zu kurz. "Darf und soll die SDA in der Romandie und im Tessin mehr sparen – und somit diese Regionen weniger mit Geldern aus der Deutschschweiz quersubventionieren?" lautete etwa eine der Fragen. Hintergrund: Die SDA verfügt heute über 70 Journalisten in der Deutschschweiz, 50 in der Romandie und 20 im Tessin. Kösters hält fest, dass die Antworten auf diese Frage nach Sprachregionen unterschiedlich ausfielen. So sei es "nicht überraschend", dass 96% der Kunden in der lateinischen Schweiz die Solidarität zwischen den Sprachregionen beibehalten wollten – womit "de facto die Quersubventionierung des französischsprachigen durch den deutschsprachigen Dienst" gemeint sei, hebt Kösters hervor. In der Deutschschweiz befürworteten dies dagegen bloss 41%.

Mit andern Worten: Die Solidarität innerhalb der SDA wankt. Kösters stellt dies jedoch ganz anders dar: "Insgesamt ist aus dem Gesamtresultat ein deutliches Signal herauszulesen, dass die SDA-Kunden an unserer Verankerung in allen Sprachregionen festhalten wollen", behauptet er. Andere Fragen waren nicht minder brisant: "Soll die SDA unter dem Titel der Presseförderung Mittel erhalten?", wollte die Agentur etwa von ihren Kunden wissen. Zudem fragte sie, wo sie "zuerst sparen soll", falls sie kein zusätzliches Geld erhalte. Die Resultate dazu fehlen aber in der SDA-Auswertung.

Auf eine widersprüchliche Zustimmung stiess der SDA-eigenen Sparvorschlag, sich aus den Regionen zurück zu ziehen und zum Beispiel von den regionalen Verlagen Inhalte über die jeweilige Region zu beziehen. 57% der befragten Redaktionen waren zwar durchaus an einer Zusammenarbeit mit der SDA auf regionaler Ebene interessiert (wohl weil sie darin eine zusätzliche Einnahmequelle sehen), einen Rückzug der SDA aus den Regionen – und damit die Delegation dieser Aufgabe an ein lokal tätiges Medium – lehnen sie jedoch mit 73% klar ab.

Bei der Frage, welche Angebote zwingend in den SDA-Basisdienst gehören, stossen aktuelle Inlandnachrichten (99%) auf die grösste Resonanz, dahinter folgen die internationalen Meldungen und die Wirtschaftsnachrichten (je 96%), die vermischten Meldungen (95%), die Regionalmeldungen (92%) und die Kulturberichterstattung (81%). Weniger gross (66%) ist das Bedürfnis nach Hintergrundberichten (Analysen, Porträts, Reportagen, Interviews), wobei Hintergrundthemen aus der Schweiz stärker interessieren (74%) als internationale Themen (62%) Am ehesten verzichten könnten die Kunden gemäss Umfrage auf Kultur-Hintergrundtexte.

(Text: Markus Knöpfli)


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