14.11.2018

Bundesamt für Kommunikation

«Die starke Position der SRG ist kein Problem»

Am Dienstag ist in Bern der Medienmonitor 2017 präsentiert worden. Bernhard Maissen vom Bundesamt für Kommunikation erläutert gegenüber persoenlich.com einige Hauptbefunde und spricht dabei über die Meinungsmacht von «20 Minuten» und die Schweizer Medienvielfalt.
Bundesamt für Kommunikation: «Die starke Position der SRG ist kein Problem»
«Die SRG muss herausfinden, auf welchem Kanal sie in Zukunft überhaupt noch an das Publikum herankommt», sagt Bernhard Maissen, Leiter der Abteilung Medien beim Bakom. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Herr Maissen, welches Resultat des Medienmonitors 2017 hat Sie persönlich überrascht?
Überrascht hat mich eigentlich kein Resultat. Der Medienmonitor bestätigt, was wir erwartet haben: Wir verfügen in der Schweiz nach wie vor über eine Pluralität an Medien – und zwar auf einer nationalen, überregionalen und lokalen Ebene. Weiter hat die Erhebung gezeigt, dass die SRG überall relativ stark ist. Daneben gibt es nur wenige nationale Medienmarken wie «20 Minuten». Doch auf überregionaler und lokaler Ebene haben die anderen Medien durchaus eine Chance.

Wozu braucht es den Medienmonitor überhaupt?
Die Website braucht es, da sie der breiten Bevölkerung zugänglich ist. Sie soll aufzeigen, wie sich die Medienvielfalt überhaupt entwickelt und wo allenfalls in Zukunft die Gefahr einer Konzentration entstehen könnte. Der wirkliche Mehrwert der Website ist, dass man mit dem Medienmonitor sehr viele unterschiedliche Nutzungsdaten zusammengetragen und daraus einen Index kreiert hat, der letztlich viel aussagt über die Möglichkeit der Medienmacht. Bei der diesjährigen Erhebung ging es um eine erste Momentaufnahme, um das Fixieren des Ausgangspunkts. Letztlich will man mit dem Medienmonitor längerfristige Entwicklungen aufzeigen können.

«Wir sagen nicht, dass ‹20 Minuten› tatsächlich die Meinung macht oder beeinflusst»

Angenommen der Medienmonitor 2018 wird zeigen, dass ein Kopfblatt eine zu mächtige Stellung einnimmt – was dann?
Es ist nicht an uns zu reagieren. Es ist letztlich eine Information an die Bevölkerung, dass irgendeine Dominanz vorhanden ist. Wenn dann wirklich jemand reagieren möchte, wäre das die Aufgabe der Politik – und nicht der Verwaltung.

«20 Minuten» firmiere als klare Schweizer Nummer 1 für Meinungsmacht und sei das «einflussreichste» Einzelmedium, besagt der Medienmonitor. Wie kann medialer Einfluss gemessen werden?
Letztlich ist es das Zusammenführen der vorhandenen Daten zu den Auflagen, erreichten Lesern, der Nutzung von Onlinediensten und die Ergebnisse aus der Bevölkerungsbefragung. Wir haben die Leute gefragt, in welchem Medium sie sich informieren. Und da schneidet «20 Minuten» sehr gut ab, denn es wird häufig genutzt. Damit verfügt das Blatt über eine Meinungsmacht. Wir haben aber nicht gesagt, dass «20 Minuten» tatsächlich die Meinung macht oder beeinflusst. Unsere Aussage ist einzig, dass das Potenzial dazu vorhanden ist, in Anbetracht dessen, wie die Leute das Medium nutzen und einschätzen.

«Es gibt eine grosse Diskrepanz zwischen den ganz jungen und den ältesten Nutzern»

Meinungsmacht bestehe aus zwei Einflussgrössen, heisst es in der Studie: Der qualitativen Markenleistung und der quantitativen Marktmacht. Spielt es nicht auch eine wichtige Rolle, von welcher Zielgruppe ein Medium konsumiert wird?
Natürlich, das spielt auch eine Rolle, das haben wir aber nicht erheben können. Wir machen nicht noch eine weitere Studie, welches soziale Umfeld die einzelnen Medien nutzt. Was wir differenziert haben, sind die Alterskategorien. Dort sieht man natürlich, dass es eine grosse Diskrepanz gibt zwischen den ganz jungen und den ältesten Nutzern. Das wird letztlich die Herausforderung sein für jene Medien, die vor allem beim älteren Publikum sehr stark sind. Diese Medienmarken müssen in Zukunft auch bei der jüngeren Altersgruppe ankommen, sonst haben sie längerfristig ein Problem.

Die Onlinemedien stehen deutlich an letzter Stelle, wenn es um die Meinungsmacht geht. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Das liegt erstens daran, dass man die Gesamtbevölkerung untersucht hat. Betrachtet man nur die Jungen, dann hat Online eine viel grössere Bedeutung. Zweitens kann es auch darauf beruhen, dass bei den Befragungen nach der Medienmarke gefragt wurde – beispielsweise nach dem «Tages-Anzeiger». Man hat dabei nicht erhoben, ob jemand die Print- oder die Onlineversion des Tagi liest. Das sieht man zwar bei der Nutzung, doch bei der Befragung hat man das nicht unterschieden.

«Für Social Media resultiert wegen fehlenden Reichweitendaten keine Meinungsmacht», sagte Stefan Thommen von Publicom. Vernachlässigt die Studie hier nicht einen zentralen Faktor?
Das stimmt, das ist in dem Sinne ein Manko. Allerdings muss man sagen, dass über Social Media häufig auch Inhalte von traditionellen Medienmarken verbreitet werden, so dass einfach nur der Kanal ein anderer ist. Die Meinungsmacht liegt letztendlich nicht beim Social-Media-Kanal, sondern beim Medium, das allenfalls auf Social Media News verbreitet. Wenn auf Twitter oder Facebook beispielsweise «Tages-Anzeiger»- oder SRF-Beiträge geteilt werden, dann sind das immer noch Tamedia- oder SRG-Inhalte. Das Gesamtbild würde sich nicht wesentlich verändern, wenn man die Daten anders erheben könnte. Wir sind Möglichkeiten am Prüfen, das in Zukunft feiner auszutarieren.

«Natürlich muss die SRG der veränderten Mediennutzung Rechnung tragen»

Die Studie warnt vor der «massiven Überalterung des TV-Publikums, die insbesondere SRG-Programme betrifft» und der «sehr mächtigen Stellung» der SRG. Ist das nicht ein klares Signal, im neuen Mediengesetz den Gebührenanteil an die SRG zu überdenken?
Es ist natürlich so, dass die SRG eine grosse und wichtige Position hat. Doch sie muss die Konzession erfüllen, in der klar vorgeschrieben wird, was sie darf und was nicht. Ein wichtiger Auftrag ist, dass sie die Vielfalt abbilden muss. Insofern ist eine Dominanz oder eine starke Position der SRG für die Meinungsbildung kein Problem.

Trotzdem – der grösste Teil der Gebühren geht an die SRG. So wird die Asymmetrie zwischen der SRG und den privaten Medien, die auf regionaler Ebene eine wichtige Rolle spielen, weiter verstärkt.
Der Anteil der Gebühren und künftig der Abgabe, die der SRG zusteht, wird vom Bundesrat festgelegt. Er orientiert sich am breiten Auftrag, den die SRG zu erfüllen hat. In der Konzession wird auch festgelegt, wie viel von dem Geld sie für die Information einsetzen muss. Daneben entscheidet die SRG aber selber, mit welchen Formaten und auf welchen Kanälen sie das Publikum erreichen will. Und natürlich muss sie dabei der veränderten Mediennutzung und den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung tragen, wenn sie mit ihren Programmen möglichst grosse Bevölkerungsteile erreichen will.


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