Alex Hefter, seit dem 5. Dezember letzten Jahres hat das Schweizer Fernsehen einen neuen Namen und ein neues Erscheinungsbild. Wie hat sich das neue Design nach einem halben Jahr bewährt?
Die vorwiegend positiven Reaktionen der Zuschauer zeigen uns, dass wir beim Publikum eine hohe Akzeptanz erreicht haben. Der neue Auftritt wird als modern, zeitgemäss und absolut vergleichbar mit anderen internationalen Sendern beurteilt. Insbesondere was das neue Nachrichtenstudio angeht, hatten wir eine ausgesprochen zustimmende Resonanz.
Es gab sicher nicht nur positive Reaktionen auf das neue Erscheinungsbild. Was wurde am meisten kritisiert?
Bemerkenswert war die Kritik an der Konstruktion der Senderlogos. Dass bei SF1 die Nummer als Zahl und bei SFzwei in Buchstaben geschrieben wird, wurde als "unlogisch" und als Fehler taxiert. Diese Reaktion hat uns aber gezeigt, dass wir genau das geschafft haben, was wir erreichen wollten: Dem Zuschauer verständlich machen, das SF1 und SFzwei verschieden programmiert werden und ein unterschiedliches Profil haben.
Was musste seit dem Start verändert oder angepasst werden?
Besitzer von Plasmafernsehern haben Befürchtungen geäussert, dass sich die Senderlogos in die Bildschirme einbrennen, weil sie zu dicht sind. Darauf haben wir reagiert und die Logos etwas verkleinert und transparenter gemacht.
Sie hatten bei der Kreation des neuen Erscheinungsbildes sicher eine Vorstellung, wie dieses am Bildschirm wirken soll. Sind die beabsichtige und die nun erzielte Wirkung deckungsgleich?
Wir haben zunächst die neuen Idents von SF1, SFzwei, "Tagesschau" und "10vor10" eingeführt. Das ist zwar ein gewichtiger Teil, die Sender sind aber noch nicht übergreifend neu durchgestaltet. Die Designs wirken immer nur punktuell an bestimmten Flächen. Das Bild, das ich von den Kanälen im Kopf habe, ist erst an bestimmten Schnittstellen vorhanden. Viele Sendungen, die noch einen Erneuerungsbedarf haben, werden noch in diesem oder im nächsten Jahr neu gebrandet. Die Vision von SF1 und SFzwei wird sich erst in zwei Jahren durchsetzen. Einen grossen Schritt haben wir aber bereits gemacht.
In New York wurde das neue Set-Design von "Tagesschau" und "10vor10" mit dem BDA World Gold Award für das kreativste News Set prämiert. Die SF1 Idents und das neue SFzwei-Label "kino hoch zwei" wurden ebenfalls ausgezeichnet. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?
Es ist eine grosse Anerkennung für das Schweizer Fernsehen und unsere Arbeit. Wenn man in New York auf vergleichbare Arbeiten von europäischen Sendern oder amerikanischen Networks trifft, und in diesem internationalen Umfeld bestehen kann, ist das eine Bestätigung und macht schon stolz. Zugleich ist eine solche Auszeichnung auch Motivation, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und weiter modernes Design zu entwickeln.
Wer international ausgezeichnet wird, muss oft auch einen internationalen Geschmack treffen. Besteht bei einer internationalen Ausrichtung des Designs nicht die Gefahr, dass die Sender mit der Zeit alle gleich daherkommen?
Die amerikanischen Networks haben im Vergleich mit dem Schweizer Fernsehen grundsätzlich ganz andere Set-Designs, Architekturen und Bildschirmgrafiken. Das Bild wirkt total überladen. Dieser Stil wird zum Teil von deutschen Privatsendern adaptiert. Beim News-Set für "Tagesschau" und "10vor10" haben wir genau das Gegenteil von dem gemacht, was vermeintlich international goutiert würde. Wir haben die Klarheit durch Reduktion in den Vordergrund gestellt. Gerade die Eigenständigkeit des Erscheinungsbildes von SF ist in New York sehr positiv aufgefallen.
Der ehemalige Fernsehdirektor Peter Schellenberg hat im Sonntagsblick am neuen News-Studio kein gutes Haar gelassen. Es sei "eine Hotelréception, bestückt mit Models aus dem Versandhaus." Was sagen Sie zu dieser Kritik?
Da möchte ich mich der Stimme enthalten.
Aber Sie nehmen Kritik schon an?
Kritik ist sowohl von ausserhalb wie auch innerhalb des Hauses sehr wichtig. Ich bin aber der Meinung, dass man Design nicht nach den Kriterien "es gefällt mir" oder "es gefällt mir nicht" diskutieren kann. Eine sachliche, kritische und konstruktive Auseinandersetzung begrüsse ich jedoch.
Welches Verfallsdatum hat ein Erscheinungsbild eines TV-Senders?
Es gibt Designmerkmale die häufiger erneuert werden, weil sie stark vom Lebenszyklus einer Sendung abhängen. Designmerkmale wie die Promo-Verpackung oder die Station-Idents werden alle ein bis zwei Jahre weiterentwickelt. Ein News-Studio hat in der heutigen Zeit etwa fünf Jahre bis man sich daran macht, Dinge merkbar weiterzuentwickeln. Das Dachmarkenlogo muss sicherlich zehn bis zwölf Jahre oder länger halten.
Welche Sendungen erhalten als nächstes ein neues Kleid?
Wir werden zunächst die Nachrichtenfamilie komplettieren. Nach der Sommerpause kommt "Schweiz aktuell" im neuen Design, zum Jahresende bekommt "Meteo" einen neuen Auftritt. Wir sind auch dabei die wichtigsten Magazinsendungen des Bereichs Information wie "Rundschau" oder "Quer" zu überarbeiten. Im nächsten Jahr werden wir zudem auch den Sport angehen.
Gibt es bei den neuen Designs Revolutionen oder nur Evolutionen?
Wird man das alte mit dem neuen "Schweiz aktuell" vergleichen, kann man schon von einer Revolution sprechen. Allerdings wurde diese Revolution bereits letztes Jahr mit dem Sprung von der alten zur neuen "Tagesschau" etabliert. "Schweiz aktuell" werden wir nun so gestalten, dass es in die Nachrichtenfamilie hineinpasst.

