09.10.2006

"Die Weltwoche ist keine Fremdenlegion"

Seit letzter Woche amtet Roger Köppel wieder als Chefredaktor der Weltwoche. Bereits seit der Bekanntgabe seiner Rückkehr ist ihm die Aufmerksamkeit der Branche sicher. Wie er mit der speziellen Beobachtung umgeht und welche Vorgaben der künftige Verleger Köppel dem Chefredaktor Köppel auf den Weg gegeben hat, erläuterte er im Gespräch mit "persoenlich.com". Das Interview:
"Die Weltwoche ist keine Fremdenlegion"

Roger Köppel, am letzten Donnerstag haben Sie Ihr Amt als Chefredaktor der Weltwoche offiziell angetreten. Was waren Ihre ersten Schritte?

Ich habe der Redaktion und dem Verlag meine Zielsetzungen und Vorstellungen bekannt gegeben und die Leute kennen gelernt. Nun sind wir daran, die nächste Ausgabe der Weltwoche zu produzieren.

Welche Zielsetzungen haben Sie?

Die Weltwoche ist traditionell eine von Journalistinnen und Journalisten gemachte Autorenzeitung, die nicht mit dem Strom schwimmt. Sie muss möglichst intelligent und interessant sein. Das ist der Ur-Auftrag der Gründer. Er gibt die sogenannte Positionierung vor. Die Weltwoche ist immer dann am besten, wenn sie im Geiste der Gründer gemacht ist.

Hat sich die Weltwoche denn in der letzten Zeit von diesem Urauftrag entfernt?

Ich kommentiere nicht die Arbeit anderer Chefredaktoren. Die Weltwoche verfügt über ein Team von ausgezeichneten Journalisten, eine der besten Redaktionen des Landes. Meine Aufgabe ist es, den Kollegen eine Bühne bereit zu stellen, auf der sie ihrem journalistischen Instinkt folgen und brillieren können.

Gilt wirklich das "Laissez-faire"-Prinzip? Eine Führungsposition beinhaltet doch auch Führungsaufgaben.

Es ist ein absoluter Irrglaube, zu meinen, sie können einem Weltwoche-Autor vorschreiben, was er zu berichten hat. Als Chefredaktor müssen sie von den Autoren respektiert werden und sich den Respekt auch immer wieder neu verdienen. Die Weltwoche ist keine Fremdenlegion, bei welcher der Chefredaktor die Journalisten wie Erfüllungsgehilfen behandelt.

Seit der Bekanntgabe ihrer Rückkehr gab es bei der Weltwoche einige Personalwechsel. Haben Sie ihr Autorenteam schon fertig zusammengestellt?

In dieser Hinsicht ist die Personalfrage im Wesentlichen abgeschlossen. Es ist möglich, dass es noch punktuelle Veränderungen gibt.

Bleibt die Redaktion in dieser Grösse bestehen?

Ich will mich nicht auf Zahlen festlegen. Die Redaktionsgrösse hat immer fluktuiert. Die Weltwoche hatte aber in ihrer erfolgreichsten Zeit stets eine kompakte Redaktion und war nie ein "Riesenapparat".

Als Verleger in spe müssen Sie auch unternehmerisch denken. Welche Vorgaben gibt der künftige Verleger Köppel dem Chefredaktor Köppel?

Das wichtigste unternehmerische Ziel ist es, eine charismatische Zeitung zu machen. Die Weltwoche lebt vom Leitsatz "schreiben was ist". Der Leser erwartet, dass die Dinge so dargestellt werden, wie sie wirklich sind. Dabei soll sich die Weltwoche durch ihren eigenen Humor und ihre eigene Art an Themen heranzugehen - Stil, Klasse und Substanz -, auszeichnen. Nichts anderes erwarten die Leute, die das Blatt lesen.

Die Rolle des Verlegers wird für Sie neu sein. Wie gehen Sie mit der gewachsenen Verantwortung um?

Es ist ein Privileg, als Verleger einen Titel wie die Weltwoche unternehmerisch führen zu können. Es ist eine Aufgabe, der ich mit höchstem Respekt begegne. Ich stehe durch die Tradition des Titels in der Pflicht. Die Weltwoche war zwischen 1935 und 1945 eine der letzten Lebensadern des freien Journalismus im deutschsprachigen Raum. Das mag pathetisch klingen, aber in Deutschland ist mir bewusst geworden, dass die Weltwoche Teil der europäischen Geistesgeschichte ist. Ich habe nun die Verantwortung und Sorge zu tragen.

Wollen Sie den Verlag ausbauen, neue Titel lancieren, neue Medien nutzen?

Lassen Sie mich erstmal den Prolog fahren.

Sie haben die deutsche Medienkultur sehr gut kennen gelernt. Was nehmen Sie davon zur Weltwoche mit?

Die Zeit in Deutschland hat mich enorm weitergebildet. Nicht nur journalistisch, sondern auch politisch und geschichtlich. Punkto Lebenserfahrung habe ich dazu gewonnen, neue Freundschaften und Beziehungen sind entstanden. Dadurch hat sich mein Weltbild verändert, das Spektrum ist grösser geworden. So gut es geht, möchte ich das für die Weltwoche fruchtbar machen. Die Weltwoche steht ja von alters her über der "Seldwyla-Schweiz".

Ihre Rückkehr zur Weltwoche wurde und wird in der Branche sehr aufmerksam verfolgt. Fühlen Sie sich durch die spezielle Beobachtung zusätzlich unter Druck?

Druck ist gut. Das ist Spitzensport. Wer das nicht aushält, soll zu Hause vor dem Fernseher bleiben. Ich freue mich auf die Herausforderungen. Die Weltwoche wurde oft bemitleidet, manchmal gefürchtet und angegriffen. Ich freue mich, wenn wir alle stolz auf unsere Arbeit sein können.


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