
Herr Kaiser (im Bild oben), am Anfang dieser Staffel dachte ich: "So ein langweiliger Bachelor, das kann nicht gut gehen." - Sie auch?
Tobias verkörpert die Ideale eines Bachelors. Er ist ein charmanter Gentleman, sieht gut aus, ist im Beruf erfolgreich – er besetzt bei der Schweizerischen Post eine Führungsposition und ist Chef von 70 Personen -, aber dennoch ist Tobias bodenständig und ehrlich. Er ist halt keine Skandalnudel wie es Vujo Gavric war, sondern verkörpert typisch schweizerische Werte. Und das kommt beim breiten Publikum an, wie die hervorragenden Quoten beweisen.
Der Mechanismus ist immer der Gleiche, das Drehbuch auch, die Bilder unterscheiden sich kaum: Wieso funktioniert das Format trotzdem nach wie vor? Die Quoten steigen ja von Staffel zu Staffel.
Da muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Selbstverständlich hat ein Format einen Mechanismus – sonst wäre es ja keines. Das ist im Übrigen auch bei erfolgreichen Quiz-Shows so, wie etwa bei "Wetten, dass..." oder "Wer wird Millionär?". Die Spannung aber kreiert der Cast, kreieren die Protagonisten. Und der Unterhaltungswert, der generiert sich aus der Interaktion der Protagonisten.
Der Schlüssel dazu ist ein gutes Casting. Schweizerinnen aus allen Regionen, dazu ein paar schräge Figuren aus dem Ausland. Gibt es eigentlich spezielle Karteien für solche Charaktere wie die lipglosssüchtige Sunny als Staffel 1, Vanny aus Staffel 2 oder Nicole aus Staffel 4?
Das Erfolgsgeheimnis ist der richtige Cast, die richtige Mischung an Kandidatinnen und Kandidaten. Dafür betreiben wir als Sender 3+ für jede Staffel von "Der Bachelor" und "Die Bachelorette" einen enormen Aufwand. Die Erfolgsformel allerdings, die gibt es in der Form nicht. Der Cast muss jedes Mal in sich ausgewogen sein und gut zusammenpassen. Extrovertierte Kandidatinnen wie Vanny oder Nicole sind hilfreich. Sie sorgen fast garantiert für Ramba Zamba auf dem Set.
Bei den ersten Staffeln haben Sie immer betont, dass der Bachelor vor allem ein Imageträger und mit einem Budget von zwei Millionen Franken pro Staffel viel zu aufwändig und kostspielig sei, um selbst Gewinn zu erwirtschaften. Wie sieht das heute aus?
Die Ausgangslage hat sich bis heute nicht verändert. Ausser, dass - dank des (Quoten-)Erfolges - die beiden Sendungen "Der Bachelor" und "Die Bachelorette" noch grösse Imageträger geworden sind, als wir uns gedacht haben.
Oman Air ist bereits seit der ersten Staffel als Sponsor dabei. Diesmal scheint die Fluggesellschaft mehr Geld eingeschossen und dafür mehr Einfluss erhalten zu haben: Das Finale fand im Sultanat Oman statt. Ein ziemlich ungastlicher Ort: Küssen in der Öffentlichkeit verboten, Temperaturen bis an die fünfzig Grad. Sind das die Konzessionen, die man als Sender machen muss?
Wir haben die Destination selbst ausgewählt. Das Engagement unseres Flugsponsors war in dieser Staffel nicht grösser als in früheren Staffeln. Das Sultanat Oman war alles andere als ungastlich und bot eine traumhafte Kulisse für die Show an. So konnten abwechslungsreiche Dates in der Wüste, im Snake-Canyon oder auf dem offenen Meer organisiert werden. Oman ist wunderschön. Zu Beginn des Interviews monierten sie, das wir immer das Gleiche zeigen. Das war etwas Neues, oder?
Halten Sie noch immer Anteile an Dating-App Blinq? Wenn ja, bin ich überrascht, dass diese nicht im Rahmen von "Bachelor" crosspromotet wird. Da hätten Sie doch ein datingaffines Publikum.
Wir haben unsere Anteile an Blinq vor ein paar Monaten verkauft.
Die Ungereimtheiten häufen sich: Rentschs beste Freunde wollen den verbleibenden Girls auf den Zahn fühlen. Dem Einen der beiden, Zahnarzt von Beruf, missfällt die Tatsache, dass Natalie bereits Bachelor-Erfahrung hat. Im Gespräch mit dem Bachelor empört sich plötzlich der andere Kumpel darüber.
Zum Schluss kommt alles anders. Und der Freund wird seine (vorgefasste) Meinung wohl revidieren müssen.
Irgendwie wirkte diese Staffel sowieso künstlicher denn je. Einige Beispiele: In der ersten Folge teilt Rentsch seinen Freunden vor laufenden Kameras mit, dass er beim Bachelor mitmacht, und die versuchen so zu tun, als wüssten sie das nicht schon längst. Brechen die Girls später in Bangkok zum Überraschungsbesuch beim Bachelor auf, wartet das Kamerateam schon bei ihm im Zimmer. Dazu Halbnackte Bett-Dates auf Kommando. Ausserdem der ganze Spannungsaufbau in der Nacht der Rosen – das passt gar nicht zu einem einfach gestrickten Mann wie Tobias Rentsch. Entfernt sich da die deutsche Produktionsfirma Eyeworks nicht zu weit von der Plausibilität?
Die Sendungen waren auch dieses Jahr überaus beliebt und scheinen sehr gut beim Publikum anzukommen.
Auch die Tatsache, dass sich die Girls immer so überschwänglich bei Tobi für das Organisieren der Dates bedanken, irritiert als Zuschauer. Es muss ihnen doch klar sein, dass er damit nichts zu tun hat.
Das ist Ihre Interpretation.
Plötzlich, nach dem Finale, entscheidet sich nun der Bachelor um und küsst Hülya. "Unserer Erfahrung nach laufen einzelne Specials jeweils nicht richtig gut und rechtfertigen die Kosten dazu nicht", sagten Sie Ende 2012 im Interview mit persoenlich.com. Haben Sie deshalb diese Bombe im Special "Nach der letzten Rose" platziert?
Bei der letzten Nacht der Rosen wählte Tobias Natalie. Doch Tobias war bis knapp vor der Entscheidung extrem unsicher, an wen seine letzte Rose gehen sollte und merkte im Nachhinein, dass er sich für die Falsche entschieden hatte. Die Zusatzfolge bot eine gute Möglichkeit, um diesen Fehlentscheid zu richten. Und für uns einen neuen, weiteren Höhepunkt. Die Sendung "Nach der letzte Rose" gab es bei uns zum ersten Mal bei der "Bachelorette" im Frühling.
Wieso gab es diesmal überhaupt ein Dreier-Finale?
Annalisa, Hülya und Natalie hatten alle starke Gefühle für Tobias entwickelt. Tobias brachte es nicht übers Herz eine von ihnen frühzeitig nach Hause zu schicken, da auch er mit seinen Gefühlen kämpfte.
3+ hat schon einige Bachleor-Kandidaten gefunden, die den Anforderungen des Unterhaltungsformats in den Augen der Zuschauer gewachsen waren. Einen guten Moderator jedoch noch nicht. Oder wieso muss der Raffael Beutel die Sendung "Nach der letzten Rose" moderieren?
Wenn auch Raffa als Moderator noch Potential hat, funktioniert er als Moderator durch seinen Charme und seine Authenzität. Wer kann sich besser in einen Bachelor hineinversetzen als der Ex-Bachelor.
Lorenzo Leutenegger, Vujo Gavric, Rafael Beutel, Frieda Hodel, Tobias Rentsch – welches war bis jetzt Ihr Lieblingsbachelor?
Als Senderchef kann und darf man keine Lieblingskinder haben. Alle haben ihre Aufgabe ganz hervorragend erfüllt. Wir sind mit allen sehr zufrieden.
Ist die Geschäftsbeziehung zwischen 3+ und Vujo Gavric eigentlich abgeschlossen? Aus dem "Supervujo"-Format ist ja nach dem Pilot nichts geworden.
Vujo ist eine enorm spannende Persönlichkeit, auch aus der Optik eines TV-Senderchefs. Wir sind stets auf der Suche nach neuen TV-Aufgaben für Vujo und würde gerne wieder etwas passendes mit ihm machen.
Immer wieder hiess es, Fabienne Louves werde die neue Bachelorette. Das wäre ja eine gute Geschichte – und eine kleine Ohrfeige an Rafael Beutel. Was ist an den Gerüchten dran?
Es ist noch nicht entschieden, wer die neue Bachelorette wird. Es stehen einige Topkandidatinnen in der engeren Auswahl, und auch die Männercastings laufen auf Hochtouren. Fabienne Louves wäre sicherlich eine hervorragende Kandidatin, auch wenn ich nicht weiss, ob sie a) überhaupt Single ist und b) verfügbar wäre, bzw. Lust hätte, Bachelorette zu werden.
Nehmen wir mal an, Sie hiessen nicht Dominik sondern Hülya und träumten mit offenen Augen: Wovon denn? Bald bricht ja ein neues Geschäftsjahr an.
Nun, ich heisse nicht Hülya, sondern Dominik. Und bin mehr realistischer Träumer. So wünsche ich mir, dass die Sendergruppe 3+, 4+ und 5+ weiter so wächst wie im aktuellen Jahr. Und dass wir weiterhin ein glückliches Händchen in der Auswahl und Produktion von spannenden Eigenproduktionen behalten und noch viele Hits wie unserer Erfolgsformate "Bauer, ledig, sucht...", "Der Bachelor", "Die Bachelorette" und "Bumann, der Restauranttester" zeigen.
Fragen: Adrian Schräder, Bilder: zVg., Keystone

