10.05.2023

Speak

Diese fünf Punkte gaben bei Ringier zu reden

Die künstliche Intelligenz ist für das Medienhaus 2023 das wichtigste Thema. Dies sagte CEO Marc Walder an einem Mitarbeiteranlass. persoenlich.com war dabei – auch beim exklusiven Hintergrundgespräch im Anschluss. Dort gab es Fragen zur Indiskretionsaffäre und Christian Dorer.
Speak: Diese fünf Punkte gaben bei Ringier zu reden
Artificial Intelligence (AI), also künstliche Intelligenz, war das Thema der diesjährigen Mitarbeiterveranstaltung «Ringier Speak». (Bild: persoenlich.com/cbe)

1. Thema KI

Das Thema der diesjährigen Mitarbeiterveranstaltung «Ringier Speak» war vorhersehbar. Auf den Tag genau vor einem Jahr trat Ringier-CEO Marc Walder als Avatar vor die Mitarbeitenden, die persönlich im Zürcher Kunsthaus anwesend oder per Livestream auf der ganzen Welt zugeschaltet waren. Das Thema war Metaverse. Ein Jahr später – diesmal in der Lokalität Schwarzescafé im Löwenbräukunst-Komplex vor etwa 150 Personen – ging es um künstliche Intelligenz. «War Metaverse nur ein Hype?», fragte Marc Walder am Dienstag in die Runde. Und gab die Antwort gleich selbst: nein, kein Hype, aber die Technologie brauche noch Zeit, um in der Geschäftswelt anzukommen. Also war Walder diesmal Feuer und Flamme für künstliche Intelligenz (KI). «2023 ist ein historischer Meilenstein in der KI», so der 57-Jährige. Und: «Ringier is ready» – Ringier ist bereit.

Ein neu geschaffenes «AI-Board» soll nun mögliche Anwendungen finden (persoenlich.com berichtete). Bereits wurden vier Regeln im Umgang mit KI definiert. Andere Medienhäuser waren schneller.


2. Michael Ringier und die KI

Verleger Michael Ringier – von Sport-Chefredaktorin Steffi Buchli interviewt – hat KI selbst ausprobiert. Er habe den Bot ChatGPT gefragt: «Wer ist Michael Ringier?» Die Antwort sei erstaunlich gewesen. «Ringier ist 200 Jahre alt, ich habe 12'000 Angestellte – und Ringier ist das erfolgreichste Unternehmen.» Er sei sehr happy gewesen, diese Antwort zu lesen, denn: «Es war purer Bullshit.» Die Rolle des Journalismus sei also wichtiger denn je, so Michael Ringier.

Trotz allem sieht er bei der künstlichen Intelligenz nur eine wirkliche Gefahr: «Das grösste Risiko ist, gar nichts zu tun.» Ringier befinde sich in einer konstanten Transformation. Der Prozess der Digitalisierung habe das Privatleben verändert. «Ich bin immer noch derselbe Mensch wie vor 15 Jahren. Aber: Ich verhalte mich anders.» Früher sei man ins Büro gekommen und habe ein paar Zeitungen gelesen. Und heute habe man auf dem Handy bereits Nachrichten gelesen, bevor man sein Gesicht gewaschen habe.


3. Das Hintergrundgespräch

Eine Handvoll Journalisten und eine Journalistin haben nach einer kleinen Stärkung (es gab verschiedene Bowls) an einem Hintergrundgespräch teilgenommen. Marc Walder betonte nochmals einige der für ihn wichtigsten Punkte. Und er stellte auch fest: «Es wird Menschen geben, die Maschinen mehr vertrauen als Medien.» Das Stichwort «Vertrauen» nutzte CH-Media-Journalist Francesco Benini als Impuls für seine Fragen. Das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit von Ringier seien erschüttert worden durch Walders Kommunikation mit dem Departement Berset. CH Media machte im Januar «intensive» Kontakte publik. «Schweigst du weiterhin dazu? Und zweite Frage: Wann kommt Christian Dorer zurück?», wollte Benini wissen. Walder: «Das sind beides sehr ernsthafte Fragen.» Und zu beiden gab es keine konkreten Antworten. «Ringier gibt im laufenden Verfahren Auskunft und kooperiert mit den Behörden», so Walder zur sogenannten Indiskretionsaffäre. Mehr werde er nicht sagen, «auch wenn das nicht im Interesse gewisser Medien ist, die dieses Thema skandalisieren möchten». Und zu Dorers Auszeit sagte Walder: «Sobald der Culture Audit abgeschlossen ist, schauen wir, was das bedeutet.» Gegen Blick-Superchefredaktor Dorer stehen Vorwürfe im Raum, dass er Privates und Geschäftliches zu wenig differenziert haben soll.


4. Kunst für Ausgewählte

Der Ringier-Jahresbericht ist jedes Jahr auch ein Kunstwerk. In diesem Jahr wurde er gestaltet von der amerikanischen Künstlerin Nicole Eisenman. «Auf ausdrücklichen Wunsch der Künstlerin gibt es den Berichtsteil ausschliesslich in digitaler Form», heisst es in einer Medienmitteilung. Und deshalb führt nur ein Link oder ein QR-Code zum Jahresbericht 2022. Doch für rund 300 ausgewählte Personen wird der Jahresbericht auch fassbar. Die Künstlerin hat nämlich eine Bronze-Edition in Form einer Vase geschaffen. «Weed Holder» heisst das Werk. Die Vase verfügt über ein Gesicht – die Blume, die aus ihr herausragt, nimmt laut Eisenman die Rolle der Idee ein.

«Ich bin stolz, dass wir eine solch renommierte Gegenwartskünstlerin wie Nicole Eisenman, deren Werk eine ungeheure Kraft hat, für den Ringier-Kunst-Jahresbericht gewinnen konnten», so Verleger Michael Ringier. «Sie ist derzeit mit mehreren Ausstellungen in renommierten Museen vertreten, die am Kunstmarkt Preise in sechs- bis siebenstelliger Höhe erzielen.» Die am Hintergrundgespräch anwesenden Medienschaffenden haben von der Bronze-Vase ebenfalls ein Exemplar erhalten. Von einem Verkauf auf Auktionsplattformen wurde jedoch abgeraten. Die Vasen sind nicht nur limitiert, sondern auch durchnummeriert.


5. Walder als TV-Star

Zurück zur «Ringier Speak». Im letzten Jahr lernten die Mitarbeitenden ihren Chef Marc Walder als Avatar kennen. Heuer wollte der Ringier-CEO von Midjourney – die künstliche Intelligenz kann KI-Kunst erschaffen – wissen, wie er aussehen würde in einer 70er-Jahre-Fernsehsendung. Das Resultat sorgte für grosse Erheiterung im Saal.

Spannend wäre nun zu wissen, unter welchem Motto der Mitarbeiteranlass «Speak» im kommenden Jahr steht. Daraus abzuleiten wäre dann der nächste Megatrend. persoenlich.com hat dazu ChatGPT befragt. Die Antwort: «Es tut mir leid, aber als KI-Sprachmodell habe ich keinen Zugang zu zukünftigen Veranstaltungen.»


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