Die Anzahl der Kinos mit digitaler Ausstattung ist in der zweiten Hälfte 2005 weltweit stark gestiegen. Auch 2006 hält das Wachstum an. Laut aktueller Studie Digital Cinema: Rollout, Business Models and Forecasts to 2010: A strategic analysis von Screen Digest und Goldmedia gab es Ende 2005 weltweit 849 digitale Kinoleinwände, ein Zuwachs um 150 Prozent gegenüber dem Jahr 2004. 2010 wird es rund 17000 digitale Kinosäle geben, die meisten davon in den USA. Die Studienautoren kommen zu folgenden Schlüssen:
Digitalisierung als Chance für die Kinoindustrie
Kino muss sich heute gegen eine Vielzahl von Home-Entertainment-Angeboten behaupten und gleichzeitig die Probleme mit Piraterie und Raubkopierern verkraften. Diese Herausforderungen treiben den Digitalisierungsprozess des Kinos ebenso voran wie die Tatsache, dass durch den Wegfall physischer Filmkopien Verbreitungskosten in erheblichem Umfang eingespart werden können. Hollywood-Filme wie etwa Mission: Impossible 3 starten in den USA mit mehr als 4000 Kopien. Damit ist ein Kostenaufwand von rund fünf Millionen US Dollar verbunden.
Da viele Filme den grössten Teil ihrer Box Office-Erlöse in immer kürzerer Zeit einspielen - bis zu 44 Prozent bereits in der ersten Kinowoche -, sind die Investitionen für Filmkopien schon nach kurzer Zeit ohne Wert. Insofern können vor allem Filmverleiher vom Digitalisierungsprozess profitieren: Die Filme erreichen die Filmtheater auf schnellstem und direktem Wege, das Verschicken, Lagern und Vernichten von vielen hundert Filmrollen entfällt.
Digitalisierung nutzt auch dem Independent-Film
Vor allem die grossen Hollywood-Studios in den USA treiben die digitale Entwicklung voran und bauen damit ihre Marktführerschaft weiter aus. Zugleich aber bietet der Digitalisierungsprozess gerade dem Independent-Film und der alternativen Filmszene breitere Möglichkeiten. Für die Kinobetreiber schliesslich eröffnen sich durch die digitale Technik ganz neue Geschäftsfelder und damit auch neue Erlösströme. Das Kinotheater entwickelt und wandelt sich mehr und mehr zur multifunktionalen Veranstaltungsstätte, in der neben Filmen zum Beispiel auch Sportevents oder Konzerte zu erleben sind.
Prinzip der Fensterverwertung immer stärker aufgeweicht
Die Digitalisierung des Kinomarktes wird zu erheblichen Veränderungen in der Veröffentlichungsstrategie führen. Der in der Kinoszene heftig diskutierte Day-and-Date-Release bedeutet die Verkürzung bzw. Aufhebung der bislang streng geordneten Fensterverwertung (profit windows) und erlaubt eine gleichzeitige oder zeitlich eng koordinierte Parallelveröffentlichung von Kinofilm, Fernsehfilm und DVD. Nicht zuletzt kann dadurch aber dem Schreckgespenst Piraterie, das über jedem grossen Kinostart schwebt, begegnet werden.

