Nach rund vierstündigem Nervenkrieg hat die Polizei eine Geiselnahme in der Zentrale des US-Fernsehsenders Discovery Channel bei Washington am Mittwoch gewaltsam beendet. Sie erschoss den Kidnapper, die drei Geiseln wurden in Sicherheit gebracht. Bei dem Mann soll es sich um einen offenkundig verwirrten radikalen Umweltaktivisten handeln, der schon in der Vergangenheit mit dem Sender in Streit gelegen hatte.
Der mit einer Pistole bewaffnete Mann drang am Mittwoch gegen 13.00 Uhr (Ortszeit) in die Zentrale des Senders ein, der für seine Natur- und Technik- Dokumentationen bekannt ist. An seinen Körper hatte er Metallkanister mit Sprengstoff geschnallt. Er brachte drei Männer in seine Gewalt. Die örtliche Feuerwehr entsandte Sprengstoffspezialisten in die Senderzentrale. Die Polizei evakuierte das Gebäude im Washingtoner Vorort Silver Spring. Die meisten 1900 Mitarbeiter verliessen den Bürokomplexes unbehelligt; auch mehrere Kleinkinder aus einer Kindertagesstätte im ersten Stock wurden in ihren Bettchen nach draussen gebracht.
Ums Leben der Geiseln gebangt
Während des mehrstündigen Dramas bangte die Polizei nach eigenen Angaben um das Leben der drei Geiseln: Der Kidnapper habe sich während der telefonischen Verhandlungen als "emotional instabil" gezeigt, sagte Polizeichef J. Thomas Manger. Als der unter ständiger Videobeobachtung stehende Mann plötzlich die Waffe auf eine seiner Geiseln richtete, schritt eine Spezialeinheit ein und erschoss ihn. Die Kanister an seinem Körper gingen laut Manger in Rauch auf. Die drei Geiseln wurden ausserhalb des Gebäudes in Sicherheit gebracht, sie waren wohlauf.
Bei dem Geiselnehmer soll es sich einen Umweltaktivisten asiatischer Herkunft namens James Lee gehandelt haben, der bereits in der Vergangenheit wiederholt vor der Zentrale gegen das Programm des Senders protestiert hatte. Im März 2008 war er deshalb bereits wegen Ruhestörung verurteilt worden.
Wirre Forderungen
Unter anderem forderte Lee nach Angaben der Polizei, dass der Sender sich öffentlich "zu seinem Einsatz zur Rettung der Welt" bekennt, sich nicht mehr für die "Geburt weiterer parasitärer Menschenkinder einsetzt" und mit seiner "Verherrlichung von Krieg und Massenvernichtungswaffen" in seinen Militär- Dokumentationen aufhört.
In einem seiner Internet-Blogs rief er den Sender dazu auf, dafür zu sorgen, dass die "Verschmutzung des Planeten endet und seine menschliche Bevölkerung schrumpft". Um Tiere und Pflanzen zu schützen, müsse die "menschliche Rasse aufhören, weitere widerliche Babys in die Welt zu setzen". Nach den Worten des Sprechers von Discovery Channel, David Leavy, war Lee den Sicherheitsleuten des Senders durchaus bekannt. Doch hätten sie ihn nie als eine Bedrohung angesehen: "Seine Äusserungen im Internet waren ziemlich wirr. Wir hatten ihn im Blick, nahmen seine Forderungen und Drohungen aber nicht ernst." (sda)

