13.06.2006

Schweizer Illustrierte

Doch nicht näher beim Bundesrat

DJ Bobo tut es. Murat und Hakan Yakin tun es ebenfalls. Martina Hingis tut es auch für eine Waschmaschine. Und jetzt hätte es mit Moritz Leuenberger erstmals ein Bundesrat tun sollen: in Anzeigen und auf Plakaten für die Schweizer Illustrierte werben. Dabei wäre ein Bild Leuenbergers mit dessen Einwilligung verwendet worden. Das Sujet wurde aber auf Intervention des UVEK im letzten Moment wegen einem Missverständnis zurückgezogen.
Schweizer Illustrierte: Doch nicht näher beim Bundesrat

Bundesrat Moritz Leuenberger hätte mit anderen Prominenten wie Martina Hingis, DJ Bobo oder den Brüdern Yakin bei der aktuellen Werbekampagne der Schweizer Illustrierten (SI) mitwirken sollen. Die besondere Nähe der SI zu den Stars wird von der verantwortlichen Agentur Publicis klar definiert: "Zum Greifen nah.“ So befinden sich die Prominenten bei der neuen Imagekampagne quasi in den Händen der SI-Leser.

Marc Walder, Chefredaktor SI: "Die Idee der Kampagne ist es, mit den zehn besten Bildern aus der SI, die Nähe der SI zu den Stars zu unterstreichen." Es sei ihnen wichtig gewesen, Prominente aus allen Bereichen, auch aus der Politik, zu zeigen. Damit wolle man die Breite der Persönlichkeiten, die in der SI stattfinden, veranschaulichen.

Aus diesem Grund habe man auch den Bundespräsidenten Moritz Leuenberger, mit dem die SI seit mehreren Jahren eine gute journalistische Zusammenarbeit pflege, in einem Brief angefragt, ob man sein Bild für die Kampagne verwenden dürfe. Via UVEK-Kommunikationschef André Simonazzi habe Moritz Leuenberger zunächst noch weitere Informationen zu den Kriterien der Bildauswahl verlangt. "Schlussendlich hat uns der Bundespräsident sein Einverständnis gegeben", so Walder.

Rückzug wegen Missverständnis

Sieht Walder kein Problem darin, dass ein Bundesrat für Produktewerbung eingesetzt wird? "Moritz Leuenberger und die anderen Promis machen nicht aktiv als Testimonial Werbung für die SI", erklärt Walder, "die SI wirbt mit den Bildern aus der SI für sich selbst." Trotzdem hat das UVEK nun doch noch interveniert. "Offensichtlich ist es zu einem Missverständnis gekommen", so Walder.

Moritz Leuenberger sei davon ausgegangen, dass sein Bild für eine Broschüre und nicht für eine Plakat- und Anzeigenkampagne verwendet wird. Leuenberger sei der Ansicht, dass er als Bundespräsident nicht auf Anzeigen oder Plakaten erscheinen dürfe, die für ein Produkt werben. "Wir bedauern, aber respektieren diesen Wunsch", sagt Walder, "darum haben wir alle Inserate und Plakate, die noch nicht erschienen sind, zurückgezogen."

Als der Blick Ferienfotos eines Amateurfotografen von Moritz Leuenberger publizierte, übte der Bundespräsident deutliche Kritik an der Veröffentlichung. "Ein Bundesrat wird auf diese Weise in die Rolle eines VIP gedrängt", sagte er. Dies sei bedenklich. Die Schweizer Illustrierte berichtet hauptsächlich über VIPs. Man kann sich fragen, ob sich Leuenberger mit seiner Partizipation nicht selber in die Rolle eines VIP gedrängt hätte.

(Text und Umfrage: Stefan Wyss)

Umfrage

Bundesrat Christoph Blocher hatte sich am Tag der Schweizer Werbung für die Freiheit der Werbung und gegen Werbeverbote eingesetzt. Doch gilt das auch, wenn ein Bundesrat für ein Produkt wirbt? "persoenlich.com" hat die Bundesratsparteien und Experten angefragt, was sie vom geplanten Werbeauftritt Leuenbergers halten. Die eingegangenen Antworten:

Christian Weber, Pressechef FDP Schweiz:

"Grundsätzlich muss jede und jeder für sich selber entscheiden, ob und wie er oder sie Werbung machen will -- das gilt auch für Bundesräte. Die vorliegende Werbung zeigt -- das Einverständnis des Betroffenen vorausgesetzt -- vor allem eines: die Verbindung zu gewissen Medienkonzernen."

Roman S. Jäggi, Pressesprecher SVP Schweiz:

"Unserer Meinung nach geht es nicht, dass ein gewählter Bundesrat Produktwerbung macht. Wenn Bundesrat Leuenberger eine Model-Karriere starten will, soll er zuerst als Bundesrat aufhören. Ein 'positiver Aspekt' der Werbung ist, dass das Sujet die offensichtlich enge Verbundenheit zwischen dem Ringier Verlag und der politischen Linken dokumentiert. Das wirkt sich mit Sicherheit nicht nur positiv auf die Leserzahlen aus."

Piero Schäfer, Sprecher Schweizer Werbung SW:

"Ein Bundesrat ist ja nicht nur Politiker, sondern auch ein (wenigstens fast) normaler Bürger. Insofern kann er durchaus an Dingen partizipieren, welche die Gesellschaft betreffen, zum Beispiel an der kommerziellen Kommunikation. Ich finde es sogar positiv, dass Leuenberger als Kommunikationsminister keine Berührungsängste zeigt. Wenn man einem Bundesrat zugesteht (wie ich das tue), dass er Werbung machen darf, dann ist es ihm auch nicht verwehrt, für ein Medium zu posieren. Vielleicht haben andere einfach nie angefragt. Ob das politisch zuträglich ist, ist freilich eine andere Frage."

Das 'verbotene' Werbemotiv

--> "persoenlich.com" hat die anderen Sujets der Imagekampagne bereits vorgestellt: https://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=60616


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