Bislang sind vier Ausgaben des neu "erfundenen" Facts erschienen. Bunter ist das Heft unter Chefredaktor Andreas Durisch geworden. Das früher kühle, ruhige Layout ist einer lauteren, emotionaleren Aufmachung gewichen. Dem Leser werden weniger weisse Flächen zugestanden, eine Vielzahl von unterschiedlichen Schriften, Boxen und Kleinartikeln prägen das Heft. "Intelligenz, Stil und Sinnlichkeit" soll das neu gestaltete Facts vermitteln, sagen die Macher.
Auch die inhaltliche Struktur des Hefts wurde angepasst. Die Ressorts heben sich stärker voneinander ab und die Rubriken Lifestyle und Kultur wurden thematisch zu Lebensart zusammengefasst. Doch nicht nur in seiner Aufmachung und Struktur wurde Facts renoviert, auch die Köpfe, die hinter dem Produkt stehen, wurden -- vor allem auf Führungsebene -- zu einem grossen Teil ausgewechselt.
Die neu zusammengesetzte Redaktion steht vor der schwierigen Aufgabe, den Tamedia-Titel wieder zu alter Stärke zurückzuführen. 1999, zu seinen besten Zeiten, zählte Facts 600'000 WEMF-beglaubigte Leser, vor dem letzten Relaunch waren es noch 520'000. Gemäss der jüngsten Erhebung der WEMF lesen 439'000 Personen "Das Schweizer Nachrichtenmagazin". Das neuerliche Lifting des Magazins folgt auf eine Reihe von erfolglosen Versuchen, das Blatt wieder auf Kurs zu bringen.
Wie sich der Relaunch im Mai auf die Leserzahlen auswirkt, lässt sich noch nicht feststellen. Verlässliche Zahlen darüber, wie das renovierte Facts im Lesermarkt aufgenommen wird, gibt es laut Uli Rubner, Zeitschriftenchefin der Tamedia, noch keine. Es sei viel zu früh, um eine verlässliche Aussage zu machen, sagt Rubner gegenüber "persoenlich.com". Wenn ihre ersten Hochrechnungen stimmen sollten, wäre sie aber "ziemlich zufrieden" mit dem Relaunch, so Rubner. Sie will in zwei bis drei Monaten über die Entwicklung der Leserschaftszahlen von Facts informieren.
Und wie beurteilt die Branche den neuen Auftritt des Nachrichtenmagazins? Werden dem neu gestalteten Heft Chancen eingeräumt, künftig häufiger in den Media-Plänen zu erscheinen? "persoenlich.com" fragte Media-Fachleute und Medienexperten, ob der Titel Ihres Erachtens an Attraktivität gewonnen hat.
Daniel Strobel, CEO Publimedia:
"Mir persönlich gefiel das alte Facts besser. Die Titelseiten der vier letzten Ausgaben zeigen, dass sich das Heft wohl noch nicht 100-prozentig gefunden hat. Der Hinweis 'Das Schweizer Nachrichtenmagazin' auf der Front ist sanft und klein. Weshalb tritt man nicht selbstbewusster auf? Indem Facts die Auftaktseiten der einzelnen Ressorts mit einem Sammelsurium aus Kleinartikeln abfüllt, verkauft es seine nachfolgenden Inhalte nicht gut genug. Besser wäre es doch, die grossen Geschichten stärker in den Vordergrund zu stellen -- so wie die Titelstory auch auf den ersten Seiten des Hefts erscheint. Insgesamt kann ich -- mit Ausnahme des Layouts -- noch keine klare Richtungsänderung feststellen. Für ein Umdenken bei den Werbeauftraggebern ist es wohl ebenfalls noch zu früh."
Andreas Gedenk, Managing Partner Optimedia:
"Das neue Facts wurde von Kundenseite her bis jetzt ruhig aufgenommen. Bis das neue Konzept greift, braucht es sicher noch Zeit. Ich persönlich beurteile die Entwicklung des Hefts positiv. Facts hat wieder mehr Fleisch am Knochen. Für die Redaktion gilt es nun, den Bonus, den sie durch den Relaunch des Heftes erhalten hat, zu bestätigen. Die Grundtendenz stimmt und sollte beibehalten werden, damit das Heft im Leser- und Inserentenmarkt dank langfristiger Stabilität zu seiner alten Position zurückfindet."
Peter Hofstetter, Inhaber der Agentur Mediaxis:
"Facts ist journalistisch besser geworden, seit Andreas Durisch das Zepter übernommen hat. Die Themen sind gut und die Geschichten spannender aufbereitet. Als Leser finde ich jedenfalls regelmässig Artikel, die mich interessieren. Entsprechend hat auch die Zeitspanne zugenommen, die ich mit der Lektüre des Nachrichtenmagazins zubringe. Ebenfalls hat sich in den vergangenen Monaten die Position von Facts bei den Werbekunden klar verbessert, nachdem sich viele schon vom Titel abgewandt hatten. Zuvor war ein beträchtlicher Teil der Auftraggeber der Ansicht, dass Facts nicht mehr im Mediaplan drin sein muss. Das hat sich nun geändert. Auch dank der hohen Glaubwürdigkeit von Andreas Durisch gibt man dem Magazin noch einmal eine Chance.
Cosima Giannachi, Mindshare Media Agentur:
"Wir sind der Meinung, dass der Relaunch diese Zeitschrift nicht "attraktiver" macht. Sie kommt zwar frischer daher -- diese Revitalisierung wird wohl aber kaum eine breitere Leserschaft an sich binden können. Das Produkt an sich ist gut und hat seinen Platz in der Deutschweizer Printlandschaft. So gesehen sollte eigentlich schon die breit angelegte Werbekampagne zu einer höheren Lesebereitschaft führen können."
Wendelin Hess, Müller+Hess, Basel, (Redesign Das Magazin und Weltwoche):
"Die Zeitschrift Facts hätte schon viele Redesigns früher eine konsequente und ernsthafte visuelle Position beziehen müssen, die sie unverwechselbar und zwingend gemacht hätte. Ein Durchbruch der aktuellen "renovierten" Version würde mich überraschen. Dieser wäre dann eher auf gute journalistische Arbeit und Druck im Leser- und Anzeigenmarkt zurück zu führen, als auf Typografie, Aufbau und Bildsprache."
Klaus J. Stöhlker, PR-Berater:
"Der Sprung nach vorn, den Chefredaktor Andreas Durisch mit dem neuen Facts wagte, ist bisher nicht weit genug. Sein Glück ist es, dass die Weltwoche laufend nachlässt, Urs Paul Engeler ausgenommen. Von Facts erwarte ich überraschendere Ansätze und bessere Antworten."

