05.12.2018

Bundesratswahlen 2018

Ein Medienspektakel der Sonderklasse

Im Eilzugstempo hat das Parlament am Mittwochmorgen zwei neue Bundesrätinnen gewählt: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter. Zur Berichterstattung von SRF und dem Privatfernsehen meint TV-Kritiker René Hildbrand: «Diesmal hat TeleZüri mehr geboten.»
Bundesratswahlen 2018: Ein Medienspektakel der Sonderklasse
Die frisch ernannten Bundesrätinnen Karin Keller-Sutter und Viola Amherd im Zentrum des medialen Interesses. (Bild: Keystone/Anthony Anex)
von Anna Sterchi

Die CVP-Nationalrätin Viola Amherd und FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter haben das Rennen gemacht und werden als Frauendoppel in den Bundesrat einziehen. Auch wenn im Vorfeld keine Überraschungen am Wahltag erwartet wurden, war das mediale Aufgebot beachtlich: Mehrere Fernseh- und Radiokanäle sendeten live aus Bundesbern, die Onlineportale speisten ihre Nachrichtenticker und in den sozialen Medien wurden unter den Hashtags #brwahl18 und #BRW18 zahlreiche Beiträge gepostet (persoenlich.com berichtete).

Gute Noten für TeleZüri

Unter vielen anderen berichteten TeleZüri und das Schweizer Fernsehen (SRF) live vor Ort. Dabei habe der Zürcher Lokalsender mehr überzeugt, fand TV-Kritiker René Hildbrand: «Diesmal hat TeleZüri mehr geboten: Mit einer grösseren Anzahl von Stimmen, Meinungen und Kurzanalysen aus der Wandelhalle. Reaktionen am laufenden Band», so Hildbrand. Zudem bezeichnete er die Simultan-Übersetzungen aus dem Französischen und Italienischen, die TeleZüri bot, als «Top-Service».

«Nicht so bei SRF. Kommentator Fritz Reimann hatte es sich etwas gar leicht gemacht. Sein inzwischen pensionierter Vorgänger Hanspeter Trütsch war in dieser Funktion viel überzeugender», befand Hildbrand. Zudem kritisierte er, dass Christoph Nufer, Leiter der SRF-Bundeshausredaktion, am Mittwochmorgen nicht vor der Kamera zu sehen war.

Ein kritischer Blick auf den Medienhype

Obwohl fast alle Schweizer Medientitel Teil des Spektakels in Bundesbern waren, gab es auch kritische Stimmen zur «medialen Mobilmachung». So sagte Urs Bruderer, Bundeshausredaktor bei der «Republik», gegenüber persoenlich.com: «Wahrscheinlich betreiben wir zu viel Aufwand. Auch wir haben uns an einigen Sitzungen gefragt, was wir über unsere bereits publizierten Analysen und Porträts der Favoritinnen hinaus noch sagen könnten.» An die «Nacht der langweiligen Messer» würden Bruderer und sein Team aus Gewohnheit gehen – ohne Hoffnung auf eine Geschichte, meinte er.

Die «Nacht der langen Messer» medial inszenieren wollte das Onlineportal «Watson». Reporter Nico Franzoni versuchte – ausgerüstet mit Mikrofon und Flachmann – Politiker in der Bellevue-Bar zum Mittrinken zu bewegen und dokumentierte dies im Live-Ticker. Eine kaum originelle Form der Berichterstattung, befand persoenlich.com-Redaktor Christian Beck in seinem Blog.

Mit dem Berichten über die Bundesratswahl ist die Arbeit für die Inlandjournalisten jedoch nicht getan. Bereits am Freitag könnte die Departementsverteilung für den nächsten medialen Aufruhr sorgen.



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