07.11.2018

US-Kongresswahlen

Eklat bei Medienkonferenz von Donald Trump

Bei der Medienkonferenz von US-Präsident Donald Trump ist es erneut zu einem Eklat mit den Medien gekommen: Trump zettelte auf offener Bühne einen handfesten Streit mit dem CNN-Reporter Jim Acosta an. Dieser ist nun seine Akkreditierung los.
US-Kongresswahlen: Eklat bei Medienkonferenz von Donald Trump
An der Medienkonferenz vom 8. November 2018: Mehrmals fordert Donald Trump den Journalisten Jim Acosta auf, den Mund zu halten. (Bild: Keystone/EPA/Al Drago)

Nach einer verbalen Konfrontation mit US-Präsident Donald Trump hat das Weisse Haus dem bekannten CNN-Journalisten Jim Acosta die Akkreditierung entzogen. Der Presseausweis für das Weisse Haus sei bis auf Weiteres ausgesetzt, teilte Trumps Sprecherin am Mittwoch mit.

Sie warf Acosta ein «absolut inakzeptables» Verhalten vor. Trump hatte den CNN-Korrespondenten zuvor wegen hartnäckiger Nachfragen als «unverschämte, fürchterliche Person» und «Feind des Volkes» bezeichnet.

Die Auseinandersetzung begann, als Acosta Trump bei einer Pressekonferenz zu seinen Verbalattacken auf die zentralamerikanischen Flüchtlinge befragte, die sich derzeit zu Tausenden auf dem Weg in Richtung USA befinden. Auf die Frage des Journalisten, ob er die Flüchtlingstrecks im Wahlkampf bewusst «verteufelt» habe, reagierte Trump zunächst ausweichend. «Nein, ich möchte, dass sie ins Land kommen. Aber das muss auf legalem Weg geschehen», sagte er.

Als Acosta nachhakte und sagte, bei den Migranten lasse sich kaum von einer «Invasion» sprechen, platzte dem Präsidenten der Kragen. «Ehrlich gesagt sollten Sie mich das Land führen lassen. Sie leiten CNN, und wenn Sie gut wären, wären die Einschaltquoten höher», fuhr er den Reporter an.

«Junge Frau angefasst»

Als dieser eine weitere Frage stellen wollte, entzog Trump ihm das Wort und sagte wiederholt: «Das reicht.» Eine Praktikantin des Weissen Hauses wollte Acosta daraufhin das Mikrofon abnehmen, der Journalist drehte sich aber weg, hielt das Mikrofon fest und stellte Trump eine Frage zu den Russland-Ermittlungen.

Trump antwortete kurz – und griff Acosta dann scharf an: CNN müsse sich schämen, ihn als Mitarbeiter zu haben. «Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten.» Kurz darauf bezeichnete der Präsident Acosta wegen der angeblichen Verbreitung von «Falschnachrichten» durch CNN als «Feind des Volkes» (siehe Video im Tweet).

Das Weisse Haus entzog Acosta kurze Zeit später die Akkreditierung. Trump glaube an eine freie Presse und begrüsse «harte Fragen», erklärte seine Sprecherin Sanders. «Wir werden aber nie tolerieren, dass ein Reporter eine junge Frau anfasst, die nur ihren Job als Praktikantin im Weissen Haus machen wollte» – offenbar ein Verweis auf den Moment, an dem Acosta das Mikrofon nicht abgeben wollte. «Dieses Verhalten ist absolut inakzeptabel.»

Kritik des Korrespondenten-Verbands

Der CNN-Journalist bezeichnete den Vorwurf auf Twitter als «Lüge». CNN stellte sich hinter Acosta. Der Entzug der Akkreditierung sei eine «Vergeltungsmassnahme» wegen der hartnäckigen Fragen des Journalisten. Sanders Vorwürfe seien «betrügerisch». Der Entzug der Akkreditierung sei «beispiellos» und «eine Bedrohung für unsere Demokratie».

Der Verband der im Weissen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) hat den Entzug der Akkreditierung für Acosta als «schwach und fehlgeleitet» kritisiert. Den Zugang zum Weissen Haus zu widerrufen stehe nicht in keinem Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei «nicht akzeptabel», heisst es in einer Erklärung. Der WHCA orderte das Weisse Haus auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Trump war bereits vor fast zwei Jahren in New York – noch vor seiner Amtseinführung – in Aufsehen erregender Weise mit Acosta aneinandergeraten, weil ihm dessen Fragen nicht gefallen hatten (persoenlich.com berichtete). «Ich gewähre Ihnen keine Frage. Sie sind Fake News»: Mit diesen Worten reagierte der damals gewählte US-Präsident Donald Trump auf Acostas Versuch, das Wort zu ergreifen.

Wutausbruch auch bei anderen Reportern

Auch im Verlauf der Pressekonferenz im Weissen Haus am Mittwoch steigerte sich Trump regelrecht in Rage auf diverse Fragesteller. Er beklagte eine «feindselige» Stimmung im Raum, beschwerte sich über angeblich grobes Verhalten von Reportern und forderte mehrere von ihnen barsch auf, sich hinzusetzen, wenn sie eine Frage stellen wollten.

Auch der NBC-Journalist Peter Alexander bekam während der Pressekonferenz sein Fett weg, als er Acosta als «gewissenhaften Reporter» in Schutz nahm. «Ich bin auch kein Fan von Ihnen», schimpfte Trump. «Um ehrlich zu sein, gehören Sie nicht gerade zu den Besten.»

Später wurde der Zorn des Präsidenten dann durch die afroamerikanische Korrespondentin Yamiche Alcindor erregt, die unter anderem für den öffentlichen Fernsehsender PBS arbeitet. Sie merkte an, dass Trumps im Wahlkampf formulierte Selbstbeschreibung als «Nationalist» von manchen Beobachtern als «ermutigendes» Signal an «weisse Nationalisten» gedeutet werde.

Trump schnitt Alcindor daraufhin das Wort ab und warf ihr vor, ihn mit einer «rassistischen Frage» beleidigt zu haben. Was die Reporterin gesagt habe, «ist so beleidigend für mich, es ist eine sehr schreckliche Sache, was sie gesagt haben». Er behauptete auch, die «höchsten Zustimmungsraten» unter afroamerikanischen Wählern zu haben. (sda/afp/cbe)



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