06.06.2021

UKW-Abschaltung

«Es geht vor allem um Egos»

Medienpionier Roger Schawinski glaubt, eine Trendwende beim Bakom zu erkennen. Man spreche im Departement in Sachen UKW-Abschaltung von einem «Marschhalt».
UKW-Abschaltung: «Es geht vor allem um Egos»
Roger Schawinski, Geschäftsführer, Besitzer und Radiomoderator von Radio1, fotografiert am 26. Mai 2021 bei Radio1 in Zürich. (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)
von Matthias Ackeret

Herr Schawinski, Ihre Petition hat nun die magische Grenze von 50'000 Unterschriften erreicht. Spüren Sie eine Änderung der Stimmungslage?
Absolut! Dies ist eine eindeutige Meinungsäusserung der Konsumenten, die bisher nicht zu diesem Thema gefragt wurden. Dabei wird allein für diese Gruppe Radio gemacht und nicht für die «Branche», die aus kleinlichen Eigeninteressen die baldige Abschaltung aller UKW-Sender beschlossen hat. Ich hoffe, dass die ehemalige Konsumentenschützerin Simonetta Sommaruga es ebenso sieht wie die Radionutzer. 

Haben Sie bereits Signale aus dem Bakom, nachdem die ehemalige Chefin Doris Leuthard bezüglich einer allfälligen UKW-Abstellung ihre Meinung geändert hat?
Ja, und zwar sehr starke. So hat das Bakom den für Ende Mai geplanten Entzug aller Funkkonzession überraschenderweise und kurzfristig bis auf Weiteres ausgesetzt. Es handle sich um einen «Marschhalt», wie man mir erklärt hat. Man will also keine Fakten schaffen, die man vielleicht bald wieder zurücknehmen muss. Entscheidend waren wohl ausser den sehr klaren Warnungen von Doris Leuthard und unserer Petition auch die kurzfristig angesetzten Hearings der Fernmeldekommission des Nationalrats. Ich hoffe nun, dass auch im Ständerat derselbe Schritt erfolgt. Das heisst, die mir von höchster Stelle mitgeteilte Stellungnahme, dass es zu spät sei, um die Abschaltung noch abblasen zu können, ist durch die Ereignisse der letzten Tage und Wochen widerlegt worden. 

Nun setzen sich mit Thomas Aeschi, Gerhard Pfister und Ruedi Noser vor allem bürgerliche Parlamentarier mit Motionen und Interpellationen für Ihr Vorhaben ein. Ist dies ein Zufall?
Auch Regula Rytz von den Grünen hat sich klar auf unserer Seite positioniert. Bei der SP gibt man sich wohl aus Rücksicht auf Bundesrätin Simonetta Sommaruga noch etwas zögerlich.

Kleinere Radiostationen bemängeln, dass sie bei einer Weiterführung ihres UKW-Angebotes massive Mehrkosten hätten. Wer müsste diese übernehmen?
Es geht nicht um Mehrkosten, die ausser von Radio 1 von keinem Sender der «Branche» und selbst nicht nach mehrfacher Nachfrage vorgelegt wurden - auch nicht von der SRG. Es geht vor allem um Egos. Man will eine jahrzehntelange Fehleinschätzung, die Kosten von weit über 100 Millionen ausgelöst hat, nicht zugeben und steuert auf einen zweiten, noch viel fataleren Fehler zu. Zu den Kosten: Unsere Techniker haben errechnet, dass die SRG 99 Prozent ihrer 2700 (!) UKW-Sender einmotten könnte, und mit dann nur noch 22 Autobahn-Sendern einen Grossteil der Bevölkerung erreichen würde. Das würde Kosten von 200'000 Franken pro Jahr auslösen, das heisst etwas mehr als 0,0001 Prozent des Gesamtbudgets der SRG. Also bitte! Alle Veranstalter würden finanziell mehr von der Fortführung der DAB-Subventionen (analog den Subventionen für die Verbreitung von Zeitungen und bald auch von Onlinemedien) profitieren als von den Einsparungen bei UKW. 

Wenn Ihre Sendung «Schawinski» bei SRF nicht vor einem Jahr von Natalie Wappler abgesetzt worden wäre, hätten Sie dann Ihre UKW-Kampagne trotzdem lanciert?
Die hätten mich wohl bremsen wollen. Aber damit ist einer meiner Lebensgrundsätze einmal mehr bestätigt worden: Jede negative Erfahrung hat auch irgendeine positive Seite, die man aber oft erst viel später zu erkennen vermag. Ja, ich bin froh, dass ich aktuell auf keine Empfindlichkeiten bei der SRG Rücksicht nehmen muss und offen für die gute Sache einstehen kann.

Welches sind die nächsten Schritte, die Sie planen?
Die Petition läuft weiter, ebenso die Kontakte in Bundesbern.

 



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