20.07.2026

SonntagsBlick

Ex-Chef sieht keine Zukunft in jetziger Form

Peter Rothenbühler, der das Blatt in den Achtzigerjahren selber leitete, äussert sich in der NZZ zur Lage des SoBli.

In der Printausgabe der NZZ vom Montag meldet sich Peter Rothenbühler, in den Achzigerjahren Chefredaktor des SonntagsBlick und später auch von Le Matin Dimanche, zur Zukunft seines früheren Blatts zu Wort. «Die Tage der einst hoch erfolgreichen Zeitung dürften in der jetzigen Form gezählt sein», schreibt er.

Rothenbühler ordnet den möglichen Schritt vor allem wirtschaftlich ein: Teuer sei an Sonntagszeitungen insbesondere der Vertrieb, während CEO Marc Walder schon im Frühjahr in der NZZ am Sonntag prognostiziert hatte, in der digitalen Zukunft überlebten nur Medien mit sehr hoher Reichweite oder exklusive Nischenangebote (persoenlich.com berichtete). Zudem lässt der frühere Chefredaktor die bewegte Geschichte des Titels Revue passieren – von der Gründung 1969 über die «goldenen Jahre» mit Auflagen von bis zu 400’000 Exemplaren, die auch er als Chefredaktor mitverantwortete, bis zur Borer-Affäre in den Nullerjahren.

Diese Affäre beschreibt Rothenbühler als tiefen Einbruch für den Ruf des Blatts: Unter dem aus Deutschland geholten Chefredaktor Mathias Nolte liess der SonntagsBlick eigens eine Berlin-Korrespondentin engagieren, um das Privatleben des damaligen Schweizer Botschafters Thomas Borer zu beobachten – zu einem Zeitpunkt, als Ringier aus Spargründen sämtliche Auslandkorrespondenzen bereits gestrichen hatte. Die Zeitung stellte den verheirateten Diplomaten daraufhin als Fremdgänger dar. Weil sich der Vorwurf als schwere Persönlichkeitsverletzung erwies, musste sich der Verleger öffentlich auf der Titelseite entschuldigen und dem Ehepaar Borer eine nicht bezifferte Entschädigung zahlen; Chefpublizist Frank A. Meyer nahm damals eine sechsmonatige Auszeit.

Die Republik hatte letzte Woche über eine definitive Einstellung des SonntagsBlick per Ende Jahr berichtet. Ringier bestätigte tags darauf in einem internen Schreiben zwar die Prüfung von Samstag-Termin und Namensänderung, wies ein «Aus» aber zurück. (cbe)


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