In diesen Tagen macht die "Blick"-Werbung die Leserschaft zum grossen Thema. "Wie sieht ihr Wunsch-Blick aus?" fragt die Boulevardzeitung das ganze Land. So lustig gewisse Antworten auch sind, im Prinzip offenbaren sie eine traurige Tatsache: Die Leser wissen nicht mehr, für was der "Blick" eigentlich steht. So fordert eine interviewte "Blick"-Konsumenten: "Ich wünsche mir, dass der Blick nicht so primitiv ist und sich mehr nach Jesus ausrichtet." Aber es kommt noch dicker. Frau S. will im "Blick" gar keinen Boulevard mehr lesen.
Die Umfrage mach deutlich, dass der Schlangenkurs der letzten Jahre mehr geschadet als genützt hat. Als richtige Boulevardzeitung wird das Ringier-Flaggschiff kaum mehr wahrgenommen. Ein Umstand, den auch Ringier-Schweiz-Chef Marc Walder erkannt hat. Im Gespräch mit "persoenlich.com" sagt er: "Die Leute wissen nicht mehr, für was der Blick genau steht. Die Rückkehr zum Markenkern ist mir also sehr wichtig."
Der Kurs ist vorgegeben. Walder will zurück zu den alten Erfolgen. Und deshalb wird er am 14. Oktober nicht irgendeinen "Blick" präsentieren, sondern einen altbekannten. Man wird Abschied nehmen vom Tabloidformat. Die Boulevardzeitung wird wieder in zwei Bünden erscheinen. Einer ist für den Sport reserviert. Der andere für den Rest. Ganz wie früher. "Nicht eine Seite Kopf und die andere Fuss", wie es eine Leserin im Internet verärgert auf den Punkt bringt.
Der Formatwechsel ist mit Sicherheit die grösste Revolution. Aber auch das Layout lässt erahnen, in welche Richtung der "Blick" steuern wird. Auffallend sind nämlich die vielen kleinen Serviceelemente, die man sich offenbar bei der erfolgreichen Neulancierung "Blick am Abend" abgeguckt hat. Auch die Vernetzung mit dem Internet scheint geschickt gelöst zu sein. So verweist die Redaktion auf den meisten Seiten konsequent auf den Onlineauftritt blick.ch. Aber auch der Kontakt zur Leserschaft wird wieder in den Mittelpunkt gerückt. Zwar werden die Leser aus der Nullnummer nicht ersichtlich nicht wie zu früheren Zeiten Beiträge beisteuern können. Auf Seite drei sucht die Redaktion allerdings mit dem "Leserbild" den direkten Draht zu den Lesern.
Die neue "Blick"-Gruppe-Chefin Caroline Thoma, vor Kurzem noch ".ch"-Geschäftsführerin, ist mit dem Konzept höchst zufrieden: "Der Blick macht einen modernen Eindruck, auch wenn er wieder auf alte Gefässe setzt." Damit meint sie wohl unter anderem die Wiederauferstehung des "Blick"-Girls. Statt auf Seite drei bringt das Ringier-Flaggschiff künftig ein erotisches Porträt auf Seite eins. Wie Marc Walder sagt, handle es sich um "Blick"-Leserinnen. In den letzten Monaten hat es mehrere Aufrufe für Fotoshootings gegeben.
Und wie sieht es redaktionell aus? Auf politische Informationen muss der "Blick"-Leser nicht verzichten, auch wenn im Vorfeld vereinzelt das Gegenteil behauptet wurde. Die Seiten zwei und drei seien bewusst für Politikthemen reserviert, sagt Walder. Die letzte Seite gehört dem internationalen Jet-Set. Viel mehr verraten Walder und Thoma noch nicht. Die einzelnen Gefässe sind zum Teil noch in Entwicklung. Klar ist jedoch, dass der "Blick" unter der Führung von Ralph Grosse-Bley einen "harten" Boulevardkurs einschlagen wird. Die Strategie scheint aufzugehen. Unter der Führung von Grosse-Bley verkaufe der "Blick" bereits mehr Exemplare, so Walder.
Und mit dem breiteren Format will man die Verkaufzahlen noch mehr in die Höhe schrauben. "Die Wucht der Anzeigen und Boulevardthemen ist grösser", sagt Thoma. Damit wolle man ein klares Zeichen setzen. Bis jetzt sei das Feedback bei den Werbekunden sehr positiv. Niemand fände den neuen "Blick" bis jetzt zu brav, zu billig oder zu farbig, betont die ehemalige ".ch"-Managerin. Nebst dem neuen Layout und Papierformat wollen die Ringier-Oberen auch in der Papierqualität neue Massstäbe setzen: "Wir werden zu einem dickeren und schöneren Papier wechseln." Der neue "Blick" soll jeweils mindestens 24 Seiten zählen. Nach oben sei man je nach Nachrichten- oder Anzeigenlage offen.
Neben einer neuen Zeitung plant Ringier auch ein Blick TV. Wie Marc Walder im Gespräch sagt, sei die TV-Sendung ein Mix aus bekannten Formaten wie Spiegel TV, Quer und Stern TV. "Das Konzept und die Finanzierung stehen", so der Ringier-Schweiz-Chef. Einzig der Sendplatz scheint ihm noch Kopfzerbrechen zu bereiten. "Die Sendung wird zwischen 15 und 45 Minuten dauern. Je nach Erscheinungsfrequenz. Auf welchem Kanal Blick TV ausgestrahlt wird, ist noch nicht entschieden", so Walder.
(Text: Christian Lüscher)
Bei den folgenden Seite handelt es sich um Musterseiten, die das Medienhaus Ringier "persoenlich.com" zur Verfügung gestellt hat. Diese sollen ungefähr zeigen, wie der neue "Blick" am 14. Oktober aussehen könnte:

Die Frontseite. Auffällig ist hier das "Blick"-Girl, das wieder eingeführt wird.

2 und 3: Diese Seiten sind für Politik-Themen besetzt.

Auffallend viel Serviceelemente sollen für Abwechslung sorgen.

Der Sportteil: Nach wie vor eine Klasse für sich.

Die letzte Seite gehört dem internationalen Jet-Set.

