
Das UVEK will dem Radiosender Energy Zürich keine Konzession mehr erteilen. Das heisst, dass die Existenz eines seit 25 Jahren bestehenden Privatsenders auf der Kippe steht. Ringier-Geschäftsführer Marc Walder glaubt, dass man mit dem Entscheid "die erfolgreichen Medienhäuser bestrafen" will. Andi Melchior, der 14 Jahre für Radio Z (jetzt Energy) arbeitete -- die letzten 4 Jahre bis Anfang 2001 als Chefredaktor -- sieht das Problem zum Teil aber hausgemacht. Das Interview:
Herr Melchior, wie nah ging Ihnen heute als ehemaliger Chefredaktor von Radio Z die Nachricht, dass Energy Zürich keine Sendeerlaubnis bekommt?
Emotional berührte mich die Nachricht wenig, zumal meine Tätigkeit als Chefredaktor von Radio Z schon Jahre her ist. Für die Leute, die mit viel Herzblut für den Sender arbeiten, muss die Botschaft hart gewesen sein. Es war für das Radioteam sicherlich nicht einfach, in den letzten Monaten die Ruhe im Laden zu behalten. Der Entscheid wird das Team noch mehr verunsichern. Hinter jedem Sender stehen ja auch Menschen. Die kommenden Monate werden wohl sehr schwierig.
Sie sind in der Vergangenheit immer mal wieder als Kritiker des Senders aufgetreten. Was hat Energy Zürich Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren falsch gemacht?
Die Entwicklung zum modernen Formatradio verlief anfangs schnell, sprunghaft und vor allem ungeschickt. Innert kürzester Zeit mutierte das traditionelle Radio Z zum Hitradio Z und schlussendlich zu Energy. Man vernachlässigte die Informationsangebote und setzte voll auf Musik und Unterhaltung. Eine erfolgreiche Marke braucht aber Pflege und keine Radikalkur. Heute, so denke ich, hat Radio Energy sein Publikum gefunden. Viele Zürcherinnen und Zürcher zwischen 30 und 60 haben aber noch das "alte" Radio Z in Erinnerung. Wahrscheinlich zählen auch die dazu, die heute an den Schalthebeln der Macht sitzen. Hätte man damals Radio Z step by step modernisiert, hätte Radio 1 heute einen schweren Stand. Das hat nichts mit Nostalgie zu tun.
Meinen Sie damit, dass die unklare Strategie der letzten Jahre schuld ist, dass heute Energy Zürich ohne Sendeerlaubnis da steht?
Ich sehe durchaus einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Senders und dem heutigen Entscheid. Die Entscheidungsträger haben eine andere Vorstellung von Radioqualität. Das zeigt ja auch die Empfehlung der Zürcher Regierung für Radio 1 und Zürisee. Dies war ein deutlicher Fingerzeig an die Adresse von Radio Energy, woher der Wind politisch bläst.
Hören Sie selbst noch Energy Zürich?
Ja. Nicht zu letzt auf sanften Druck meiner Teenager. Das sagt im Prinzip ja auch, dass Energy Zürich heute Publikum gefunden hat... Die Fehler wurden aus meiner Sicht ganz klar in der Vergangenheit gemacht, und zwar in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends.
Inwiefern wird dieser Uvek-Entscheid die Medienlandschaft verändern?
Das ist schwierig zu sagen, weil das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Was aber interessant ist: Die Konzessionen beruhen ja nicht zuletzt auf Versprechen. Der Tatbeweis muss erst erbracht werden und Radio 1 muss sich auch noch über längere Zeit beweisen. Ob sich die Radios die versprochene Qualität leisten können und damit auch erfolgreich sind wird sich erst zeigen.
Jetzt will Energy Zürich Rekurs einleiten. Wie sehen Sie die Chancen?
Das kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich wird nun sehr viel Geld in Anwälte investiert.
(Interview: Christian Lüscher)

