"In allen Sparten erste Wahl" -- TV-Direktorin Ingrid Deltenre konnte vergangenen Dienstag mit einiger Genugtuung die Resultate einer eigens in Auftrag gegebenen Studie zum Image des Schweizer Fernsehens präsentieren. Für Klaus J. Stöhlker lässt der Erfolg beim Publikum indessen keineswegs Rückschlüsse auf die Qualität des Programms zu: Der PR-Profi sieht die guten Werte für SF vielmehr darin begründet, dass das ältere und bildungsschwächere Publikum dem Schweizer Fernsehen die Treue hält. Die Bildungs- und Wirtschaftselite hingegen sehe selten fern, konsumiere mehr ausländische Programme und bediene sich der neuen Medien. "Es sind vor allem die 'Büezer', die mit einfachen Thesensendungen bei der Stange gehalten werden sollen", befindet Stöhlker.
Gute Berichterstatter wie Werner von Gent würden hingegen "primitiv" entlassen und durch unerfahrene, grüne Jungs ersetzt. Fazit Stöhlker: "Das Schweizer Fernsehen ist ein staatsnahes Fernsehen, das zu über 90 Prozent unkritisch informiert. Wer, was selten genug vorkommt, wirklich einmal eine kritische Frage stellt, gilt sofort als Star". Die Kernzonen von Politik -- und der Wirtschaft ohnehin -- blieben dabei geschont. Wo Kritik geübt werde, richte sie sich meist gegen Vertreter unbedeutender Nebenmärkte.
Als geradezu spätsozialistisch bezeichnet Stöhlker eine Aussage im neuen SF-Leitbild: "Der Zusammenhang in der Bevölkerung lässt sich durch gemeinsames Fernsehen fördern". Das sei schon immer das Anliegen aller Diktatoren gewesen; und alle seien gescheitert.

