Noch am Montag teilte Tamedia mit, dass die Goldbach-Übernahme wegen des ausstehenden Weko-Entscheids aufgeschoben werden muss (persoenlich.com berichtete). Am Donnerstag dann die Überraschung: Die Wettbewerbskommission gab grünes Licht. «Wir waren stets zuversichtlich, dass die Weko grünes Licht für unseren geplanten Zusammenschluss mit Goldbach geben würde. Dass der Entscheid nun doch früher eintreffen würde, hat uns aber tatsächlich überrascht», sagt Tamedia-Sprecherin Nicole Bänninger zu persoenlich.com. «Umso mehr freuen wir uns nun über diese positiven News und auf unsere zukünftige Zusammenarbeit mit Goldbach.»
«Reichweitenstarke Werbeangebote auf allen Kanälen»
Warum aber entschied die Weko nun plötzlich so schnell? Lag es auch am öffentlichen Druck? «Wie die Weko letztlich zu ihrem Entscheid gelangt ist, die Übernahme von Goldbach durch Tamedia zu genehmigen, und wer oder was dazu beigetragen hat, kann nur die Weko selbst beantworten», so Bänninger. Wie auch immer, nun kann die Übernahme stattfinden. Tamedia und Goldbach streben gemeinsam an, eine Werbeplattform mit «attraktiven Marken in TV, Print, Online und Radio» aufzubauen sowie «neue Technologien, innovative Werbeformen und attraktive Angebote» zu entwickeln. Darüber hinaus soll zusammen mit dem Out-of-Home-Vermarkter Neo Advertising, an dem Tamedia mehrheitlich beteiligt ist, das Geschäft im Bereich Aussenwerbung vorangetrieben werden.
«Gemeinsam können Goldbach, Neo Advertising und Tamedia ihren Kunden reichweitenstarke Werbeangebote auf allen Kanälen mit immer besseren Targeting-Möglichkeiten anbieten. Aber wir starten ja erst – um über konkrete Pläne zu sprechen, ist es noch zu früh», sagte Bänninger weiter. Klar sei, so hiess es in einer Mitteilung vom Donnerstag, dass Goldbach eigenständig in Küsnacht bleibe. «Für ein Vermarktungsunternehmen ist die Selbständigkeit und Unabhängigkeit ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg», so die Sprecherin.
Noch ausstehend ist der Entscheid zur Übernahme der «Basler Zeitung». «Auch hier gehen wir unverändert von einem positiven Entscheid der Weko aus», sagt Bänninger zuversichtlich. Sie sähe keine Gründe, die gegen eine Übernahme der «Basler Zeitung» durch Tamedia sprechen würden.
Gemeinsamer Mantel bei CH Media geplant
Auch AZ Medien und die NZZ-Regionalmedien können sich zusammenschliessen, wie die Weko ebenfalls am Donnerstag mitteilte. «AZ Medien sowie die NZZ freuen sich über den positiven Entscheid», so Axel Wüstmann, CEO von CH Media, auf Anfrage von persoenlich.com. In der gemeinsamen Medienmitteilung hiess es, dass der genaue Startzeitpunkt des Joint Ventures noch nicht kommuniziert werden könne. Wüstmann sagt dazu: «CH Media soll noch in diesem Jahr starten.»
Ob sich durch den Zusammenschluss die Layouts der AZ-Titel und der NZZ-Titel angleichen werden, kann laut des CEO «aktuell nicht beantwortet werden». Klar sei: «Unmittelbar wird sich für die Leserschaft nichts ändern.» Das heisst aber nicht, dass es zu gar keinen Veränderungen kommen wird. «Unter anderem planen wir, einen gemeinsamen Mantel zu realisieren. Fakt ist: Das Marktumfeld ist extrem herausfordernd, und ein wichtiger Entscheidungsgrund für das Joint Venture ist das Synergiepotenzial», so Wüstmann. «Alles Weitere werden wir erst mit unseren Mitarbeitenden besprechen.» Und dies werde noch «einige Wochen» in Anspruch nehmen.
In allen Bereichen gespart, in vielen investiert
Kurz nach dem Weko-Entscheid meldeten sich auch die Gewerkschaften. So braucht es nach Ansicht von Syndicom nun ein Bekenntnis zur Sicherung der Arbeitsstellen der rund 2000 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. «Derartige Forderungen sind im aktuellen Marktumfeld nicht realistisch. Auch nicht, wenn es kein Joint Venture gäbe», so Wüstmann. «Wir werden grundsätzlich in allen Bereichen sparen. Wir werden aber auch in vielen Bereichen investieren. Beides geht Hand in Hand.» Die Strategie von CH Media werde in den kommenden Monaten weiter ausgearbeitet.
(Mitarbeit: Anna Sterchi)
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18.08.2018 16:38 Uhr

