In einem Interview in der aktuellen Ausgabe der "NZZ am Sonntag" äussert sich SRG-Generaldirektor Roger de Weck unter anderem zur Zusammenarbeit der SRG mit den Verlegern.
Man habe dem Verlegerverband ein "attraktives Angebot" gemacht, sagt er zum Vorwurf, die SRG verzerre mit ihrem gebührenfinanzierten Internetangebot den Markt. Zeitungen können auf ihren Websites aktuelle Videos aufschalten, die SRG wolle dafür an den Werbeeinnahmen partizipieren. "Für kleine Zeitungen wären das minimale und für grössere Zeitungen moderate Beträge", so de Weck. Dies scheine angemessen, denn der Gebührenzahler würde gewiss nicht Medienhäuser wie Tamedia mit 15 Prozent Rendite subventionieren wollen.
Dass es für Verlage schwierig ist, ihr Internetangebot kostenpflichtig zu machen, solange die SRG ähnliche Inhalte gratis anbietet, glaubt de Weck nicht. Die Webseiten von "20 Minuten" und "Blick" hätten mehr Besucher als jene von SRF, argumentiert er. "Und dass SRF der NZZ das Leben erschwert, wüsste ich nicht." Man lege den Schwerpunkt auf Videos und Audios und verschwende keine Sekunde darauf, Zeitung zu machen.
Vom Vorschlag von Avenir Suisse, wonach die SRG zu einem "Public content provider" umgebaut werden soll (persoenlich.com berichtete), hält der SRG-Generaldirektor wenig. Guter Journalismus lasse sich nicht industrialisieren. Zudem würde es keinen wettbewerbsfähigen schweizerischen Kanal mehr geben, wenn die SRG zur Agentur für Audiovisuelles schrumpfte. Dass ein solches Modell eine Chance für Private sein könnte, bezeichnet de Weck als "Illusion": "Audiovisuelle Produktion ist teuer und im kleinen, viersprachigen Land ein Verlustgeschäft. Die SRG hat just die kritische Masse, um in Konkurrenz zu ausländischen Anbietern das breite Publikum zu erreichen. Ein privater Kanal schafft das nie." (NZZaS)
Foto: Marc Wetli

