21.02.2020

Journalistenmord

Gedenken an Jan Kuciak in der Slowakei

Am zweiten Todestag sind Tausende auf die Strasse gegangen. Gedenkanlässe gab es auch im Ausland.
Journalistenmord: Gedenken an Jan Kuciak in der Slowakei
Vor dem Haus, in dem der slowakische Journalist Jan Kuciak zusammen mit seiner Freundin Martina erschossen aufgefunden wurde, zündet eine Frau eine Kerze an. (Bild: Keystone/EPA/Martin Divisek)

Eine Woche vor der Parlamentswahl sind mehrere Tausend Menschen auf die Strasse gegangen, um gegen Korruption zu protestieren. Sie versammelten sich am Freitag, dem zweiten Todestag des ermordeten Journalisten Jan Kuciak, in der Hauptstadt Bratislava sowie an Dutzenden weiteren Orten im In- und Ausland. Man verfolge weiterhin aufmerksam alle Fälle von Filz, über die der Reporter berichtet habe, erklärten die Organisatoren vom Netzwerk «Für eine anständige Slowakei».

Ein Auftragsmörder hatte Kuciak und dessen Verlobte Martina Kusnirova am 21. Februar 2018 in ihrem Haus im Westen der Slowakei erschossen (persoenlich.com berichtete). Der frühere Soldat legte Anfang Januar überraschend ein Geständnis ab und wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil gegen den mutmasslichen Auftraggeber steht noch aus. Es handelt sich um einen einflussreichen Geschäftsmann, über dessen dubiose Praktiken Kuciak geschrieben hatte.

Bei der Hauptkundgebung der Bewegung für eine anständige Slowakei standen auch die Eltern der beiden Ermordeten auf der Bühne. Die Schauspielerin Tana Pauhofova verlas in ihrem Namen eine bewegende Botschaft: «Wir machen uns ständig Vorwürfe, dass wir sie nicht schützen konnten», hiess es darin. Jan und Martina hätten nur einen Wunsch gehabt - ein bescheidenes Leben zu führen und eine Familie zu gründen. Es sei an allen, dafür zu sorgen, dass sich eine solche Tat niemals wiederholt.

In der allgemeinen Empörung über den weitverbreiteten Filz und Klüngel nach dem Doppelmord waren die regierenden Sozialdemokraten stark unter Druck geraten. Ministerpräsident Robert Fico trat zurück und übergab das Amt seinem Kollegen Peter Pellegrini. Ihre Smer-Partei kommt einer aktuellen Umfrage zufolge derzeit nur noch auf 16,9 Prozent, dicht gefolgt von der konservativen Oppositionspartei Olano mit 15,5 Prozent und der rechtsradikalen LSNS mit 10,3 Prozent.

Zwar sollen Entscheidungsträger der früheren bürgerlichen Regierungen ebenfalls in das nun aufgedeckte Korruptionsnetz verwickelt gewesen sein. «Doch nachdem nun schon seit über zehn Jahren mit nur kurzer Unterbrechung die sozialdemokratische Partei Smer regiert, ist logisch, dass man ihr den Hauptvorwurf dafür macht», meint der Soziologe Pavel Haulik. (sda/dpa/cbe)


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