28 Millionen Franken Gebührengelder werden nach der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) an die privaten Fernsehsender verteilt. Nun stellt sich die Frage, welcher Sender wie viel Geld erhält. Der Bund sieht vor, 10 bis 12 Fernsehstationen zu konzessionieren und die Schweiz in entsprechende Gebiete aufzuteilen. Dabei nicht bloss eine abwartende Haltung einnehmen will der Verband Schweizer Presse: Er bringt frühzeitig einen eigenen Vorschlag ein, der nächstens an einer Pressekonferenz als "Diskussionsgrundlage zur Neuordnung der Fernsehlandschaft Schweiz" vorgestellt werden soll.
Dem Tages-Anzeiger (TA) liegt bereits ein Entwurf des entsprechenden Berichts von Schweizer Presse vor. Darin steht, dass die Zeitungsverleger in der Deutschschweiz das Geld unter sich verteilen wollen. 14 Versorgungsgebiete seien vorgesehen, neun in der Deutschschweiz, vier in der Westschweiz und eines im Tessin. Für jedes Gebiet habe der Verband auch seinen Senderwunsch markiert.
Der Winterthurer Regionalsender Tele Top ginge nach dieser Aufteilung leer aus. Sein Gebiet wird von Tele Ostschweiz (gehört zum St.Galler Tagblatt und somit zur NZZ) und TeleZüri (gehört zu der Tamedia) beansprucht. Günter Heuberger, Tele-Top-Chef, zeigt sich gegenüber dem TA aufgebracht: Er halte das Vorgehen für "jenseits". Der Verband vertrete so nur seine Einzelinteressenten. Wenn umgesetzt würde, was dem Verlegerverband vorschwebe, "gäbe es Tele Top nicht mehr", so Heuberger weiter.
Ebenfalls kritisch äussert sich Guido Blumer vom Winterthurer Stadtblatt -- selbst Mitglied des Verbandspräsidiums. Er hält das Ausgrenzen von Tele Top für "unkorrekt und nicht seriös", wie er dem TA sagt. Winterthur gehöre nicht einfach zu Zürich. Auch fordert Schweizer Presse für die Region Schaffhausen einen eigenen Sender. Der Schaffhauser Verleger Norbert Neininger, der im Verband die elektronischen Medien präsidiert, betont dabei laut TA, er brauche nicht viel Geld -- bloss 200'000 bis 300'000 Franken. Dass die Unterstützung Schaffhausens -- dem kleinsten Sendegebiet überhaupt -- legitim sei, begründet Neininger mit der "publizistischen Identität", die Schaffhausen laut einer schweizweiten Marktanalyse besitze.
Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument führt im Gespräch mit dem TA aus, es wäre "blauäugig, wenn wir die wir die Interessen der Verlagshäuser vertreten, nicht für unsere Leute schauten". In der Ostschweiz müssten die drei Sender Tele Ostschweiz, Tele Top und Tele Schaffhausen sowieso über eine Kooperation reden. Der Vorschlag, dass Schaffhausen ein eigenes Gebiet sein soll, sei ihm so nicht bekannt.

