09.07.2014

Tamedia

Gemeinsames Newsdesk für Newsnet-Portale und "20 Minuten"

Das Tamedia-Nachrichtennetzwerk Newsnet und "20 Minuten" erhalten mittelfristig eine gemeinsame IT und ein gemeinsames Online-Newsdesk, das alle Onlineportale mit Nachrichten beliefert. Das Projekt "Digital News Agency" wurde den Redaktionen diese Woche erstmals vorgestellt. Werden jetzt Leute entlassen? Und welche Auswirkungen hat es auf die Identität der einzelnen Marken, wenn das gleiche Team für alle Portale schreibt? persoenlich.com hat bei Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer nachgefragt.
Tamedia: Gemeinsames Newsdesk für Newsnet-Portale und "20 Minuten"

Die beiden Flaggschiffe der Schweizer Mediengruppe Tamedia, der "Tages-Anzeiger" und "20 Minuten", arbeiten in Zukunft online enger zusammen: Wie Sprecher Christoph Zimmer am Donnerstag gegenüber persoenlich.com bestätigte, werden das Tamedia-Nachrichtennetzwerk Newsnet und "20 Minuten" mittelfristig eine gemeinsame IT und ein gemeinsames Online-Newsdesk erhalten, welches alle Onlineportale mit Nachrichten beliefert. 

Identität der Marke bleibt erhalten
Das Projekt "Digital News Agency" wurde den Redaktionen diese Woche erstmals vorgestellt. Die Umsetzung stehe aber noch ganz am Anfang, betont Zimmer mehrmals. Deshalb sei noch offen, welche Texte künftig von der neuen "Digital News Agency" zur Verfügung gestellt und welche weiterhin dezentral in den einzelnen Redaktionen recherchiert und geschrieben werden. 

"Ein gemeinsamer Newsroom, aus dem mehrere Titel vollständig produziert werden, ist nicht geplant. Die Zusammenarbeit soll nur dort stattfinden, wo es keine Differenzierung zwischen den einzelnen Titeln gibt. Es handelt sich dabei um jene kurzen Nachrichten, die sowieso auf allen Portalen kostenlos zur Verfügung stehen und sowohl bei uns als auch bei unseren Wettbewerbern sehr ähnlich aussehen."

Negative Auswirkungen auf das Image und die Identität der einzelnen Marken befürchtet Zimmer nicht. Im Gegenteil: "Letztlich geht es genau darum, dass die einzelnen Titel ihre Kräfte stärker dort einsetzen können, wo sie sich unterscheiden. Es sind nicht die Breaking News, die die Identität der Marke ausmachen." 

Steigender Innovationsdruck
Weshalb das Projekt sinnvoll sei, lasse sich am besten am Beispiel der IT veranschaulichen. "Die Anforderungen steigen. Wir müssen immer mehr Plattformen und Bildschirmgrössen bedienen, wodurch sich der Innovationsdruck vergrössert. Bisher hatten wir zwei getrennte Entwicklerteams für '20 Minuten' und Newsnet. Das Ziel ist, dass man durch die Zusammenarbeit effizienter arbeiten und zum Beispiel die Technologie hinter einer neuen App schneller mehreren Medien zur Verfügung stellen kann."

Solche Synergien besser zu nutzen, sei wichtig für die Entwicklung von Online-Medien. "Die Zusammenarbeit macht absolut Sinn, denn das Know-how, welches sich heute auf zwei Teams verteilt, kann nun gezielt für eine Entwicklung eingesetzt werden."

Gibt es Entlassungen? 
Ob es durch diese Zusammenlegung der beiden Teams zu Entlassungen kommen wird, konnte Zimmer am Donnerstag noch nicht sagen. Aber: "Es kann sein, dass nur ein Teil der derzeitigen Newsdesk-Mitarbeiter in die neue 'Digital News Agency' übergeht und ein anderer Teil in den einzelnen Redaktionen bleibt." Wie Organisation und Führungsstruktur aussehen werden, ist laut dem Tamedia-Sprecher ebenfalls noch nicht definiert. 

Wie bei allen neuen Projekten, gebe es auch diesmal kritische Stimmen. "Natürlich fragen sich die Mitarbeitenden, was das Projekt für die einzelnen Redaktionen bedeutet. Aber wir sind überzeugt, es leuchtet ein, dass eine Zusammenarbeit dort Sinn macht, wo die Differenzierung gering ist."

Externe Belieferung denkbar
Die zu Tamedia aber nicht zum Newsnet-Verbund gehörende "SonntagsZeitung", die derzeit keinen tagesaktuellen Onlineauftritt hat, werde voraussichtlich nicht mit den Artikeln der "Digital News Agency" beliefert.

"In einem ersten Schritt stehen die Newsnet-Partner und '20 Minuten' im Mittelpunkt. In einem zweiten Schritt ist es denkbar, dass auch andere Titel von Tamedia wie auch externe Partner von der Dienstleistung profitieren können", führt Zimmer weiter aus.

Text: Seraina Etter, Bild: Tamedia/Reto Oeschger


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