07.06.2006

Studie

Gewaltopfer leiden unter Medienpräsenz

Viele negative Reaktionen auf Berichterstattung.

Opfer von Gewalttaten reagieren überwiegend negativ auf die Medienberichte über ihre Geschichte. Wie eine aktuelle Studie des psychologischen Instituts der Universität Zürich zeigt, sind Betroffene nur selten erfreut darüber, ihre Leiderfahrungen in den Medien wieder zu finden. Demnach sei es besonders wichtig, dass Medien ihre Interviewpartner in derlei Fällen sehr sorgfältig auswählen. "Leuten, denen es sowieso schon sehr schlecht geht, können Meldungen in den Medien noch zusätzlich schaden", so Andreas Maercker, Leiter der Untersuchung, gegenüber pressetext. Deshalb rate er geschädigten Personen, sich Berichte eventuell nicht ganz aktuell anzuschauen, sondern etwas Zeit verstreichen zu lassen.

Im Zuge der Studie wurden 63 Gewaltopfer auf ihre psychologische Reaktion untersucht. Die Personen waren entweder Opfer von Raubüberfällen mit und ohne Körperverletzung, oder Opfer häuslicher Gewalt mit Körperverletzung. Über jedes der untersuchten Gewaltopfer war in Print- oder TV-Medien berichtet worden. Nur fünf Prozent der Studienteilnehmer freuten sich über die Medienmeldungen, elf Prozent fühlten sich unterstützt. Der mehrheitliche Rest reagierte negativ auf die Berichterstattungen. Zwei Drittel bzw. 65,6 Prozent waren traurig, nachdem sie ihre Geschichte in den Medien wieder gefunden hatten. 48 Prozent reagierten erschrocken, 31 Prozent waren wütend und nur zehn Prozent der Personen zeigten sich indifferent.

Weitgehend unerheblich für die Reaktion der Opfer scheint laut Studie der Wahrheitsgehalt der Medienberichte zu sein. Die negative Wirkung war auch bei jenen zu finden, die die Meldungen über sich selber insgesamt eher als zutreffend einschätzten. "Wir hatten zuvor erwartet, dass es bei inkorrekten Berichten einen deutlichen Unterschied geben würde und die Reaktionen darauf schlechter ausfallen. Dieses Ergebnis hat uns überrascht", sagt Maercker im pressetext-Gespräch.


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