Wer Gujer an der Spitze der Redaktion nachfolgt, entscheidet der Verwaltungsrat im vierten Quartal 2026. Die NZZ hat am Donnerstag den Nachfolgeprozess für ihren Chefredaktor eröffnet, wie das Unternehmen zusammen mit der Publikation der Halbjahreszahlen bekanntgab. Gujer ist seit März 2015 NZZ-Chefredaktor und arbeitet seit 1986 für die Zeitung, fast zwanzig Jahre als Auslandskorrespondent mit Posten in Berlin, Jerusalem und Moskau.
Eine der «bedeutendsten publizistischen Stimmen»
NZZ-Verwaltungsratspräsidentin Isabelle Welton zählt Gujer nun zu den «bedeutendsten publizistischen Stimmen des deutschsprachigen Raums» und dankt ihm für seine «ausserordentlichen Verdienste».
Ganz überraschend kommt der nun angekündigte Rücktritt nicht. Gujer erreicht 2027 das Pensionsalter. Im April 2025 hatte er noch offengelassen, ob er über diesen Zeitpunkt hinaus im Amt bleiben wolle: «Schauen wir mal, wie sich das dann gestalten wird.» (persoenlich.com berichtete)
Der Chefredaktor wird Herausgeber
Eigentlich handelt es sich nur um einen halben Rücktritt, gemessen an den Aufgaben, die Gujer behält, respektive neu übernimmt im Hause NZZ. Als Herausgeber Deutschland werde sich Gujer weiterhin mit den «grossen Linien der deutschen und internationalen Politik befassen». In der neuen Funktion soll er die publizistische Präsenz der NZZ in Deutschland stärken. Ausserdem übernimmt Gujer die Leitung der Veranstaltungsreihe «NZZ Podium». Weiterhin verantwortet er die Gesprächssendung «NZZ Standpunkte».
Für die Neubesetzung der Chefredaktion verfügt die NZZ nach eigenen Angaben über «ausgezeichnete Kandidatinnen und Kandidaten»; externe Kandidaturen wolle man ebenfalls prüfen. Gesucht wird gemäss der Medienmitteilung eine Persönlichkeit, die das publizistische Profil prägen kann und zugleich über die strategischen Fähigkeiten und Führungsqualitäten verfügt, um die Organisation in einem durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz veränderten Medienumfeld weiterzuentwickeln. (pd/nil)

