Das Zürcher Medienhaus Ringier blickt optimistisch in die Zukunft. Wie Michael Ringier an der Jahresmedienorientierung sagte, werden die Medien aufgrund der wirtschaftlichen Abkühlung zwar weiterhin leiden, doch Ringier habe schon zwei Weltkriegen, mehreren Rezessionen und dem Aufkommen des Fernsehens erfolgreich die Stirn geboten. Optimistisch zeigt sich Ringier auch deshalb, weil der Zustand der Zeitungen weltweit weniger dramatisch sei, als viele Journalisten in ihren Berichten darzustellen versuchen.
"Wer einen genaueren Blick auf die Firmen in Schräglage wirft, erkennt auch schnell einen gemeinsamen Ballast. Alle haben viel zu hohe Schulden und können bei sinkendem Cashflow den Zinshunger ihrer Geldgeber nicht mehr stillen. Die Schulden sind in der Regel dermassen hoch, dass diese Unternehmen wohl auch in keiner anderen Branche über die Runden kommen würden. Diese Analyse allerdings interessiert kaum jemanden - das würde ja die schöne Geschichte vom Zeitungssterben zumindest zweifelhaft erscheinen lassen", so Michael Ringier.
Der nach eigenen Aussagen web-affine Verleger kommentierte auch die momentane Entwicklung im Internet. Hierfür schloss er sich den Aussagen des Internet-Kritikers Andrew Keen an, Autor von "Die Stunde der Stümper". Für Ringier sei ein Grossteil der Inhalte "primitiv und äffisch". Man könne Keen leider schwer widersprechen. Trotzdem: Das Internet werde für das Verlagshaus in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. "Wir werden uns den Herausforderungen mit der besten Küche und den besten Köchen stellen", so Ringier.
Zum Geschäftsjahr 2008
Das Medienhaus konnte seine Umsätze deutlich steigern. Mit 5.3 Prozent Wachstum erreichte das in zehn Ländern Europas und Asiens tätige Schweizer Medienunternehmen erneut einen Rekordumsatz in der Höhe von 1536 Millionen Franken. Wie CEO Christian Unger sagt, sei dies dem erfreulichen Geschäftsgang in der Schweiz, in Tschechien und der Slowakei zu verdanken. Aber auch die höheren Umsätzen der digitalen Medien, der Anteil beträgt 8.5 Prozent, trugen einen wichtigen Anteil dazu bei. Das Konzernergebnis nach Steuern liegt bei 62.2 Millionen Franken, auf vergleichbarem Niveau mit dem mehrjährigen Durchschnitt.
Die 8129 Mitarbeiter erzielten eine Umsatzrendite nach Steuern von 4 Prozent, die Cashflow-Rendite lag bei 9.6 Prozent. Interessant ist der Einbruch des Cashflows: Dieser nahm von 208.3 auf 146.9 Millionen Franken ab. Verantwortlich seien ausserordentliche Desinvestitionserträge aus dem Vorjahr, unter anderem aus dem Verkauf der TV-Zeitschriften.
Die Umsätze von Ringier Schweiz stiegen 2008 um 6.6 Prozent. Der Printbereich, Swissprinters und Print Adligenswil, legte um 2.8 Prozent zu. In den mittel- und osteuropäischen Märkten stiegen die Umsätze um 4 Prozent auf 526.7 Millionen Franken. Ringier Tschechien legte mit 18.6 Prozent am stärksten zu, gefolgt von Ringier Slowakei mit plus 11 Prozent. Dem steht ein Umsatzrückgang von 27 Prozent bei Ringier Rumänien gegenüber, vor allem verursacht durch den Verkauf dreier Titel, Währungsschwankungen und einer intensiven Konkurrenzsituation. In Asien liegen die Umsätze von Ringier China und Ringier Vietnam mit 70.1 Millionen Franken etwa auf gleicher Höhe wie das Vorjahresergebnis (71.3 Millionen Franken).
Investitionen und Aufwendungen
Die Investitionen lagen 2008 mit 321.9 Millionen Franken wesentlich höher als in den Vorjahren. Dies sei einerseits auf Zukäufe von digitalen Plattformen (media swiss group, geschenkidee.ch), andererseits auf Investitionen in den Druck (Zeitungs- und Illustrationsdruck in der Schweiz, Zeitungsdruck in Rumänien) sowie auf den Auskauf der Minderheitsaktionäre in Serbien zurückzuführen, wodurch Ringier seine Anteile um 25.1 auf 100 Prozent aufstockte. Auch die Aufwendungen lagen mit 11 Prozent plus höher als im Vorjahr, vor allem bedingt durch Wachstumskosten wie den gestiegenen Personalaufwand (8 Prozent).
Zum Schweizer Geschäft
Im heimischen Markt setzte Ringier 2008 insgesamt 938.7 Millionen Franken um, davon 606.5 Millionen mit dem Verlagsgeschäft Ringier Schweiz und 332.2 Millionen mit dem Druckgeschäft von Print Schweiz. Im Verlagsgeschäft entwickelten sich die New-Media-Erlöse besonders erfreulich: Durch den Kauf der media swiss group erreichten sie 146.0 Millionen Franken und damit nahezu das Doppelte des Vorjahres. Die Steigerungsrate beim Umsatz gegenüber dem Vorjahr (76.4 Millionen Franken) beträgt 91.1 Prozent. Die Erträge aus der Blick-Gruppe und den Zeitschriften entwickelten sich leicht rückläufig (minus 5 Prozent). Mit der Blick-Gruppe setzte Ringier Schweiz insgesamt 190.1 Millionen Franken um, mit den Zeitschriften 207.7 Millionen. Eine leichte Zunahme verzeichneten die Drittkunden-Erlöse von Print Schweiz (Swissprinter-Gruppe und Ringier Print Adligenswil): Sie legten um 2.8 Prozent zu, der Umsatz stieg auf 332.1 Millionen Franken.
Ausblick
Ringier rechnet im laufenden Jahr mit rückläufigen Werbeeinnahmen, erste Anzeichen einer Erholung des Anzeigenmarktes seien erst für 2010 zu erwarten. Darum wolle Ringier auf der Kostenseite weiterhin effizient arbeiten, aber verstärkt auch investieren. Und zwar nicht nur in Zeitungen und Magazine, sondern auch in die bestehenden Online-Plattformen und Mobile-Angebote der Printtitel.
Auf die Frage, ob man die Gerüchte um Springer kommentieren könne, meint Michael Ringier leicht gereizt: "Nein, das ist mir zu blöd." Noch vor Wochen sorgte eine Nachricht im "Sonntag" für Aufregung, weil Springer angeblich den Unternehmenswert überprüfe. Auch das Gerücht über angebliche Gespräche zwischen Ringier und Marquard Media dementierte die Führungsspitze an der Medienkonferenz. Eine Expansion käme derzeit nicht in Frage, weil man im eigenen Haus genug Arbeit habe. Sollte aber in diesen Jahr ein "weisser Hirsch" vorbei laufen, werde man ein Angebot natürlich prüfen, so Michael Ringier. (cl)

