Herr Hagemann, hat die Kulturstadt Basel nicht ein Feuilleton verdient, das Ort des kulturellen und gesellschaftspolitischen Diskurses ist?
Im Kulturmagazin der neuen baz findet dieser Diskurs doch statt. Wir pflegen in der Zeitung jedoch einen viel offeneren Kulturbegriff als früher. Da sich der Diskurs an eine sehr breite Leserschaft richtet, ist das Kulturmagazin gar noch viel mehr ein Ort kultureller Auseinandersetzung -- gerade weil sie ausserhalb des Elfenbeinturms stattfindet.
Gemäss einer Aussage ihres Kulturchefs Christoph Heim gegenüber der NZZamSonntag verunmöglichen die gegenwärtigen redaktionsinternen Verhältnisse diesen Diskurs...
Zum Inhalt des besagten Artikels will ich nicht Stellung nehmen. Nur soviel: Der Text von Jost auf der Maur ist ein ganz übles Machwerk. Er zeichnet sich aus durch eine unglaubliche Einseitigkeit und zeugt vor allem vom bekanntermassen gespaltenen Verhältnis des Autoren zu Basel und zu unserer Zeitung, das er früher bereits in Facts und der Weltwoche abgearbeitet hat. Er therapiert sich offenbar schreibenderweise.
Vor kurzem deponierten erzürnte Basler eine Petition für eine Basler Ausgabe der NZZ an der Falkenstrasse. Man hoffe auf einen Impuls von Seiten der Zeitungsverlage, selbst wenn er aus Zürich komme. Wollen Sie da der NZZ nicht zuvorkommen und einen Schritt auf ihre Kritiker zugehen?
Mit der neuen baz haben wir bereits einen grossen Impuls gesetzt. Dies bemerkt man auch daran, dass die Zeitung derzeit so heiss diskutiert wird wie seit Jahren nicht mehr.
Dennoch, die Unzufriedenheit scheint so gross zu sein, dass gewichtige Korrekturen von Ihnen erwartet werden...
Selbstverständlich nehmen wir konstruktive Kritik aus unserer Leserschaft auf und optimieren die Zeitung laufend. Steht hinter der Kritik ein gerechtfertigtes Anliegen, wollen wir dieses auch berücksichtigen, das ist ja in unserem Interesse. Jedoch gilt dieser Anspruch keineswegs für alle Vorwürfe, die an uns herangetragen werden.
Ein Impuls von ihrer Seite könnte etwa die Aufhebung der Kostenpflicht für die Ausgehtipps sein...
Solange man uns mit Boykotten sowie Petitionen an die Konkurrenz begegnet und uns so unter der Gürtellinie traktiert, besteht für uns keine Chance , zum Gespräch zu finden. In dieser Kulturdebatte gibt es zudem eine Gruppe von Fundamentalisten, die von Beginn weg über die baz hergezogen sind und nun unsere Rubrik ausgehen als Aufhänger ihrer Kampagne benutzen. Ein Betrag zwischen fünf und zwanzig Franken für die Publikation eines Ausgehtipps in der baz ist weiss Gott nicht viel. Dabei möchte ich anfügen, dass wir es waren, die den Kulturschaffenden in einem ersten Schritt entgegengekommen sind, indem wir denjenigen Veranstaltern, die in der baz für einen gewissen Betrag im Jahr inserieren, den Eintrag in die Rubrik ausgehen kostenlos zur Verfügung stellten.
Gibt es denn schon Signale, die auf eine Beruhigung des Disputes hindeuten?
Von einer Beruhigung würde ich noch nicht sprechen. In den vergangenen Wochen sind jedoch jene Stimmen, die mit der neuen baz zufrieden sind, lauter geworden. Ich möchte etwa auf den kritischen, aber fairen Artikel von Peter Knechtli in onlinereports.ch hinweisen oder auf Peter Rothenbühlers Kolumne in der heutigen Weltwoche. Auch unsere Leser werden sich je länger je mehr der Verbissenheit und Verkrampftheit eines Teils unserer Kritiker bewusst.
Nehmen sie die Petition für eine Basler NZZ ernst?
Ich nehme alles ernst, was ich in diesem Zusammenhang vernehme. Es gibt für uns allerdings keinen Grund, mit einem der Zürcher Grossverlage in Feindseligkeit zu geraten. Wir möchten die vernünftigen, einvernehmlichen Beziehungen auch weiterhin beibehalten. Dringt jedoch ein Zürcher Grossverlag mittels Splits, Kooperationen oder auf welche Weise auch immer, in den abonnierten Tageszeitungsmarkt unserer Region ein, müssten wir darin einen aggressiven Akt sehen. Das könnte für die Beziehungen kaum folgenlos bleiben.
Haben Sie sich schon mit den Verantwortlichen der NZZ kurz geschlossen?
Man sieht sich selbstverständlich hin und wieder. Ich habe die Sache mit den Kollegen der NZZ nicht konkret diskutiert, dafür sehe ich auch keine Notwendigkeit. Die NZZ wird ihre Rechnung selber machen.
Die Basellandschaftliche Zeitung hat seit dem Relaunch der baz nach eigenen Angaben fast 1000 Abonnenten hinzugewonnen; die Badische Zeitung baut ihren Regionalteil aus. Erwarten Sie auf Ende Jahr hin eine Flut von Abo-Kündigungen?
Nein. Unsere Auflage entwickelt sich positiv. Ich persönlich hege dagegen Zweifel an den Zahlen der Basellandschaftlichen Zeitung, um deren Verteilung wir besorgt sind. Wenn Mathis Lüdin jetzt aber einen harten Wettbewerb möchte, ist uns das auch recht. Mit der badischen Zeitung leben wir in einem friedlichen Nebeneinander. Eine gegenseitige Expansion gibt es nicht.
In der Sonntagspresse sind Vermutungen über eine baldige Absetzung des Chefredaktors Ivo Bachmann geäussert worden...
Das ist infam. An diesen Äusserungen ist nichts dran.
Seit Chefredaktor Ivo Bachmann am Ruder ist, kommt die baz nicht zur Ruhe. Ein Veriss jagt den nächsten. Sind sie es noch nicht müde, ihn und ihr eigenes Blatt ständig verteidigen zu müssen?
Mich erstaunt es, wie wenig die meisten Journalisten bereit sind, die neue baz zu lesen, bevor über sie über deren Inhalt herziehen und wie stark sie offenbar voneinander abschreiben. Diese Einsicht stimmt mich bedenklich. Teilweise waren die Veröffentlichungen so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil stimmte.
Wenn Sie zurückblicken, würden Sie den Relaunch wieder in der heutigen Form durchführen?
Mit Sicherheit, ja. Wir haben immer gewusst, dass der Relaunch einen grossen Schritt darstellt. Der Prozess der Umstellung ist deshalb noch lange nicht beendet, wir befinden uns immer noch in einer Optimierungsphase.

