05.10.2004

"Herr Lamunière, warum sind die Deutschschweizer Zeitungen für Sie so interessant?"

Bei Edipresse geht die Sonne nie unter: Das traditionsreiche Unternehmen publiziert mittlerweile über 125 Titel in neun verschiedenen Ländern. Weltweit beschäftigt der welsche Regionalverlag mittlerweile über 3000 Angestellte. Verleger Pierre Lamunière (Bild) erklärt im neusten “persönlich rot” seine Erfolgsstrategie und warum er gerne in die Deutschschweiz expandieren möchte. "persoenlich.com" bringt einen Ausschnitt aus dem Interview:
"Herr Lamunière, warum sind die Deutschschweizer Zeitungen für Sie so interessant?"

Sie haben verschiedentlich signalisiert, dass Sie auch gerne einen deutschschweizerischen Verlag übernehmen würden. Was ist Ihre Strategie?

Wir haben keine eigene Strategie, es sei denn, jemand wolle verkaufen. Wir werden nicht in die Deutschschweiz gehen, nur um dort präsent zu sein. Meine Botschaft lautet folgendermassen: Wenn einer der zahlreichen deutschschweizerischen Verlage verkaufen will, dann soll er zumindest auch mit uns reden und nicht nur um NZZ oder Tamedia buhlen. Natürlich kann jeder frei handeln. Aber sicher werden wir nicht von Lausanne aus eine neue Zeitung in Zürich gründen.

Warum sind die Deutschschweizer Zeitungen für Sie so interessant?

Sagen wir es so: Wir interessieren uns für einen Verlag, wenn uns die Sache wichtig genug erscheint. Wir werden kaum einen Verlag aus Uri kaufen, auch wenn es dort unbestritten gute und rentable Häuser gibt. Aber wir sind für alles offen.

Wir verstehen uns richtig: Sie wollen kaufen und nicht verkaufen. Und -- Sie sind der Einzige der drei Grossen, der auch einen seiner Mitkonkurrenten erwerben kann?

Ja und nein. Das ganze Spiel könnte auch anders laufen. Es ist immer eine Frage des Geldes. Aber weder Ringier, Tamedia noch Edipresse wollen verkaufen.

Erstmals hat nun auch die PubliGroupe aufgrund ihres NZZ-Deals Partei ergriffen. Wie beurteilen Sie deren Rolle?

Die Strategie der PubliGroupe hat sich in der Vergangenheit nicht gross geändert. Sie waren immer an den Schweizer Verlagshäusern beteiligt, so auch in Basel, wo sie sogar 18 Prozent von Edipresse besitzen. Das gehört zu ihrer Strategie. Ich glaube, die P erfüllt ihre Hauptaufgaben weiterhin neutral und nicht nach medienpolitischen Aspekten. Das ist ein objektiver Vorgang. Doch die Kartellkommission übt auf die PubliGroupe einen gewissen Druck aus, indem sie von ihr die Herausgabe von Medienanteilen verlangt. Herausgabe bedeutet aber Verkauf. Jemandem, der dazu gezwungen ist, kann man aber nicht vorwerfen, dass er an A und nicht an B verkauft. Das war bei der Publicitas oftmals der Fall. Es ist absurd: Zuerst wirft man der PubliGroupe aufgrund ihrer Beteiligungen unobjektives Handeln vor. Verkaufen sie aber ihre Anteile, so handeln sie auch nicht neutral, weil sie an den Falschen verkauft haben.


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