04.01.2019

Tamara Wernli

«Ich schreibe oft mit einem Augenzwinkern»

Tamara Wernlis provokative Kolumne erscheint am Freitag erstmals in der «Weltwoche». Auch dort wird die 45-Jährige regelmässig über ihr Spezialgebiet schreiben: gesellschaftliche Reizthemen. Ein Gespräch über zeitgemässe Selfie-Video-Ausrüstung und ihre Lohnverhandlung mit Roger Köppel.
Tamara Wernli: «Ich schreibe oft mit einem Augenzwinkern»
Die gelernte Marketingplanerin war 20 Jahre lang Moderatorin bei Telebasel: Seit dem Frühling 2018 ist sie selbständig als Kolumnistin, Autorin und Videobloggerin. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Frau Wernli, wie kam es dazu, dass Sie Ihre Kolumne nun in der «Weltwoche» (WW) publizieren?
Roger Köppel hatte mich schon früher kontaktiert wegen einer Zusammenarbeit. Damals wurde aber nichts konkretisiert. Vor einigen Wochen kam erneut eine Anfrage inklusive eines konkreten Angebots und ich habe gerne zugesagt.

Ich nehme an, Roger Köppel zahlt besser als Markus Somm gezahlt hatte oder änderte sich Ihr BaZ-Vertrag durch die Übernahme von Tamedia?
Nein, bei mir und der BaZ hatte sich nichts geändert durch Tamedia. Über mein Honorar schweige ich mich natürlich aus, nur so viel: Ich bin damit sehr zufrieden.

«Meinen Honorarwunsch habe ich zuerst so hoch angesetzt, dass Herr Köppel etwas bleich wurde»

Sie haben bestimmt gut verhandelt, denn einen «Pay Gap» gibt es Ihrer Meinung nach nicht: Verraten Sie uns einen Ihrer Kniffe?
Einen Pay Gap kann es teilweise schon geben, nur ist der nicht immer auf Diskriminierung aufgrund des Geschlechts – in dem Falle der Frau – zurückzuführen. Im Übrigen gibt’s ja auch unter Männern Lohnunterschiede. Man sollte jeden Fall individuell analysieren anstatt immer sofort reflexartig «Diskriminierung!» zu rufen. Aber zu ihrer Frage: Ja, ich denke, ich habe geschickt verhandelt, auf jeden Fall hat das Roger Köppel danach zähneknirschend gesagt (schmunzelt). Meinen Honorarwunsch habe ich zuerst so hoch angesetzt, dass Herr Köppel etwas bleich wurde, dann bin ich wieder ein bisschen runtergegangen – wir einigten uns dann an der Stelle, die ich eigentlich angestrebt hatte. Ich denke, das ist grundsätzlich keine schlechte Strategie.

Warum schreiben Sie eigentlich über kontroverse Gesellschaftsthemen und nicht über Politik oder Wirtschaft?
Weil mich die Gesellschaft und mit ihr die Menschen und ihre Gedanken und Thesen interessieren. Wieso besitzen Frauen weniger Selbstvertrauen? Warum denkt eine moderne Feministin so? Ist die heutige Gesellschaft übersensibel? Was unterscheidet Frauen und Männer? Diesen Fragen auf den Grund zu gehen, finde ich spannend. Die kontroversen Themen reizen mich besonders, weil man die verschiedenen Blickwinkel beleuchten, analysieren und dann ein persönliches Fazit dazu formulieren kann. Und natürlich laufen Empörungsthemen zu unserem gesellschaftlichen Alltag besser als eine Abhandlung über die Herausforderungen in der Bankenbranche.

Wie kommen Sie auf Ihre Themen?
Ich lese sehr viel. Zu jeder Thematik, die ich aufgreife, lese ich Argumente unterschiedlicher Seiten oder spreche mit Leuten, die mir einen umfassenderen Einblick in die Angelegenheit geben, so dass ich eine differenzierte Meinung widergeben kann und der Text nicht zu einseitig wird. Manchmal gelingt das besser, manchmal weniger.

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Kolumne aus?
Man nehme ein aktuelles, knackiges Thema, liefert eine faire Analyse, reichert das an mit originellem Schreibstil und fügt einen Schuss gepfefferte Meinung hinzu. Ich wünschte, ich könnte das.

Wer sind Ihre Vorbilder?
Konkrete Vorbilder habe ich keine, ich lese gerne alle möglichen unterschiedlichen Autoren.

«Ich hoffe, dass meine Texte zum Denken anregen»

Was erhoffen Sie sich von Ihrer WW-Kolumne: Was für eine Wirkung sollten Ihre Texte haben?
Ich freue mich über die Erschliessung einer neuen Leserschaft bei der «Weltwoche». Man muss ja nicht mit mir einig sein, aber ich hoffe, dass meine Texte ein bisschen zum Denken anregen, vielleicht hie und da sogar zum Hinterfragen der eigenen Ansichten – so wie ich es manchmal erlebe, wenn ich abweichende Meinungen lese, die eigentlich noch gute Argumente beinhalten. Mein Hauptziel aber ist ganz klar die Unterhaltung. Ich schreibe ja oft mit einem Augenzwinkern. Schön wäre es, wenn ich dabei das eine oder andere Schmunzeln auslösen könnte.

Stimmt es, dass Ihre Provokationen vor allem «Spiel» sind, wie es SRF in «Reporter» aufzeigte?
Es liegt halt in der Natur einer Meinungskolumne, dass man manchmal zugespitzt formuliert oder stichelt. Das ist bei mir Teil des Stils. Gleichzeitig muss ich auch sagen, dass gewisse Ereignisse oder geäusserte Ansichten selbst schon eine Provokation darstellen, auf die man als Kolumnist gar nicht anders reagieren kann, als diese Herausforderung anzunehmen.

Sie nehmen Ihre Youtube-Videos im Wohnzimmer auf. Lernen Sie alles auswendig?
Nein, ich arbeite teils mit Teleprompter, teils fallen mir spontan Sätze ein, die ich dazwischen streue. Ich steuere den Prompter selbst mit dem Remote, filme mich auch selbst, schneide dann alles am Schnittplatz. Das Ganze ist ein One-Woman-Vorgang (schmunzelt).

Senden Sie uns ein Bild der Aufnahme-Apparatur?
Leider nicht, während der Weihnachtsferien ist alles abgebaut, weil ich Gäste empfange.

Sie hätten für die FDP Basel in die Politik einsteigen wollen. Ist es nicht feige, ein solches Angebot abzulehnen und «nur» zu schreiben statt zu politisieren?
«Nur» schreiben? Seine Meinung zu gewissen heiklen Themen öffentlich kundzutun, ist alles andere als feige, denn man kann – gelinde gesagt – auf ziemlichen Gegenwind stossen. Aber als Kolumnistin bin ich viel freier und unabhängiger als ich es als Politikerin einer Partei je sein könnte. Es erlaubt mir, direkt und auch mal undiplomatisch – aber sachlich – Dinge anzusprechen und mich darüber zu ärgern. Da keine Partei existiert, die alle meine Anliegen vereint, wäre es auch problematisch, gegen Ideen und Prinzipien der eigenen Partei zu schreiben. Gerade das gefällt mir bei der «Weltwoche»: Ich habe keine Vorgaben und bin da frei wie ein Vögelchen.

 

 



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Kommentare

  • Robert Weingart , 04.01.2019 10:33 Uhr
    Als Arbeitgeber würde ich mich nach diesem Interview und den öffentlichen Aeusserungen zu den Lohnverhandlungen die Person am Besten von der Lohnliste nehmen!!!

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