05.08.2022

Cornelia Egli

«Ich will wissen, was hier läuft»

Cornelia Egli verlässt nach zehn Jahren SRF und wird Chefredaktorin von BärnToday, dem neuen Newsportal von CH Media Entertainment. Im Interview erzählt die 48-Jährige, warum sie ohne Nachrichten nicht kann und in welche Themen sie sich in ihrem neuen Job erst einarbeiten muss.
Cornelia Egli: «Ich will wissen, was hier läuft»
Seit 2017 hat sie das Team der Berner Online-News-Redaktion bei SRF geleitet: Cornelia Egli. (Bild: CH Media)
von Maya Janik

Frau Egli*, haben Sie nach zehn Jahren genug von SRF?
Sicher nicht, ich werde heavy Userin bleiben und auch die Pushs meiner Kolleginnen und Kollegen von der SRF-News-App nicht ausschalten. Das ganze Angebot ist unerlässlich für mich.

Das klingt fast schon wehmütig.
Im Moment halten sich die Aufregung, etwas Neues zu beginnen, und die Wehmut, ein eingespieltes Team zu verlassen, die Waage. Ich habe bei SRF mit vielen herzensguten Menschen, erfahrenen Vollprofis und jungen Leuten, die frischen Wind reinbringen, gearbeitet. Dass die verschiedenen Standorte, Kulturen, Redaktionen und Abteilungen alle wie eine Eins hinter SRF stehen, habe ich sehr geschätzt.

Was nehmen Sie mit aus der Zeit bei SRF?
Ein hohes Mass an Professionalität und eine klare publizistische Haltung.

War das nicht Grund genug, um bei SRF zu bleiben? Hatten Sie keine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln?
Doch. SRF verfügt über eine eigene Weiterbildungsplattform, auf offene Stellen kann man sich intern unkompliziert bewerben – man muss es nur tun.

Welche Rolle haben die Umstrukturierungen bei SRF bei Ihrer Entscheidung gespielt?
Keine. Sie sind im aktuellen Umfeld nötig, und SRF ist auf dem richtigen Weg.

Dennoch: Die Abgänge bei SRF häufen sich. Wie erklären Sie sich das?
SRF beschäftigt rund 3000 Mitarbeitende. Dass Ende Monat jeweils Kündigungen eingehen, ist normal. Aussenstehenden fällt es einfach auf, wenn es Personen sind, die vor der Kamera tätig waren. In den letzten Jahren haben abgesehen davon auch zahlreiche talentierte und profilierte Medienschaffende von den Privaten zu SRF gewechselt.

«Nachrichten sind        wie eine Fortsetzungsgeschichte»

Was kann BärnToday besser machen als SRF?
Ich denke nicht in einzelnen, getrennten Kanälen und bewerte sie auch nicht. BärnToday wie auch die SRF-News-App sind Plattformen, auf denen gute Geschichten erzählt werden, egal, ob von einem VJ im Emmental oder einer Korrespondentin in Buenos Aires.

Wie kam es zu Ihrem Wechsel zu CH Media? Wurden Sie abgeworben?
Ich wurde von dritter Seite auf die ausgeschriebene Stelle hingewiesen.

Was reizt Sie an der neuen Rolle?
Dass CH Media mit BärnToday etwas Neues auf dem Medienplatz Bern wagt, und damit auch Stellen schafft, finde ich super. Hier bewegt sich was. Da will ich dabei sein. Ich freue mich auf das motivierte, agile Team, zusammengesetzt aus den bewährten Redaktionen von Radio Bern1 und Telebärn und neu auch jener von BärnToday.

Wie wollen Sie das Team leiten? Worauf müssen sich Ihre künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen?
Mir ist wichtig, dass ich jederzeit für meine Mitarbeitenden direkt ansprechbar bin. Wegen Corona fanden viele Gespräche virtuell statt. Das klappte zwar gut, aber ich blieb dabei oft unnahbar, im wahrsten Sinne des Wortes. Der persönliche Kontakt ist für mich zentral.

«In die Dossiers YB und SCB werde ich mich noch einarbeiten»

Die Chefredaktion von BärnToday arbeitet trimedial. Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen der Arbeit auf verschiedenen Kanälen?
Damit trimedial produziert werden kann, muss bei jeder Geschichte von vorneherein mitgedacht werden, wie man sie für welchen Kanal aufbereiten kann. Darauf hinzuarbeiten, dass das selbstverständlich ist, dies ist mir hier wie dort am wichtigsten.

Anders als bei SRF berichten Sie künftig nur über Bern. Was macht die Region für Sie interessant?
«Plus c’est proche, plus ça touche» ist eine alte Journalistenweisheit. Und sie stimmt: Ich lebe seit 20 Jahren in Bern. Ich will wissen, was hier läuft, was die Leute hier beschäftigt.

Worüber wollen Sie die Bernerinnen und Berner informieren? Welche Themen interessieren Sie persönlich besonders?
Alles aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Privat bin ich zudem Birdwatcher und Radsportfan. In die Dossiers YB und SCB werde ich mich noch einarbeiten.

Und wie informieren Sie sich?
Wenn ich aufwache, greife ich als erstes zum Handy und schaue, was in der Nacht los war. Zum Kaffee höre ich Radio. Zeitungen lese ich via Online-Zugang. Tagsüber verfolge ich, welche Themen «drehen», und bin dann gespannt auf die Vertiefung am Abend.

«Die erste Station ist immer die wichtigste»

Können Sie auch abschalten und in den Ferien mal keine Nachrichten lesen?
Nein, Nachrichten sind wie eine Fortsetzungsgeschichte. Da will ich immer wissen, wie es weitergeht.

Blicken wir noch einmal zurück: Sie sind seit 20 Jahren in der Medienbranche. Welche drei Stationen waren für Sie aus heutiger Sicht die wichtigsten?
Die erste Station ist immer die wichtigste, der Einstieg in die Branche. Das war bei mir bei Radio RaBe Info, neben dem Studium, in den Neunzigerjahren. Dann der erste Online-Job: Kurligerweise war das nicht «in den Medien», sondern bei Swisscom – ich schrieb News für aufs Handy, nach der Jahrtausendwende.

Und die dritte?
Meine Zeit bei Keystone-SDA, während der ich zum ersten Mal Führungsaufgaben übernehmen durfte. Die Erfahrung kam mir bei SRF zugute.


*In ihrer über 20-jährigen Laufbahn als Medienschaffende durchlief Cornelia Egli verschiedene Stationen im Radio-, TV- und Online-Bereich. Zuletzt arbeitete die 48-Jährige rund zehn Jahre lang als News-Redaktorin für SRF in Bern, wo sie seit 2017 zusätzlich die Teamleitung der Berner Online-News-Redaktion verantwortet hat. Im November 2022 übernimmt Egli die Leitung der trimedialen Chefredaktion von BärnToday bei CH Media Entertainment.



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