24.08.2026

Nach der Arbeit

«Im Hobby setze ich ganz bewusst keine Ziele»

Nadine Sommerhalder ist Chefredaktorin von Watson Deutschschweiz. Tagsüber bestimmt sie das Tempo einer der schnellsten Newsplattformen der Schweiz. In der Freizeit greift sie zur Häkelnadel. Zum Abschluss der Sommerserie verrät die 40-Jährige, warum sie dabei bewusst auf Ziele verzichtet – und wie aus einem Hobby ein eigenes Label wurde.
Nach der Arbeit: «Im Hobby setze ich ganz bewusst keine Ziele»
«Aus nur einem Faden entsteht immer etwas Neues – die Möglichkeiten sind unbegrenzt», so Nadine Sommerhalder, Chefredaktorin Watson Deutschschweiz. (Bilder: Daniel Künzli)

Nadine Sommerhalder, wann und wie sind Sie zu Ihrem Hobby gekommen?
Schon als Kind war ich von Handarbeit begeistert. Vor circa zehn Jahren habe ich wieder intensiv mit Häkeln begonnen, als ich es leid war, während des Fernsehschauens nur nebenbei am Handy zu scrollen und meine Zeit zu verschwenden. Häkeln hat mir wieder ein Sinngefühl gegeben.

Was hat Sie so gepackt, dass Sie dabeigeblieben sind?
Beim Häkeln entsteht aus nur einem Faden immer etwas Neues, die Möglichkeiten sind unbegrenzt und das fasziniert mich. Auch das Haptische, das Material, das Kreieren begeistert mich immer wieder aufs Neue.

Wie viel Raum nimmt das Hobby in Ihrem Leben ein – zeitlich, aber auch gedanklich?
Es nimmt vor allem räumlich viel Platz ein, ich habe ganze Wandregale voller Wolle und Garne zu Hause. Zeitlich ist es extrem unterschiedlich, ich häkle fast täglich – es ist für mich die perfekte Entspannung nach einem langen Arbeitstag. In den Ferien häkle ich teilweise mehrere Stunden täglich, da komme ich in ein richtiges Flow-Erlebnis.

Wie haben Ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen reagiert, als Sie zum ersten Mal von Ihrem Hobby erzählt haben?
Durchwegs positiv! Und einige haben sich ebenfalls als Häkelfans geoutet – es gab bei Watson sogar schon einen Handarbeitsplausch-Apéro nach Feierabend.

Wie gestaltet sich die Vereinbarkeit zwischen Job und Hobby?
Ich sehe es als absolute Symbiose: Wenn ich mich beim Häkeln nur auf die Maschen konzentriere, kann ich den Tag nochmals Revue passieren lassen und die Gedanken können fliessen. Darum kommen mir beim Häkeln die besten Ideen – davon profitiert auch Watson.

Was finden Sie in Ihrem Hobby, was Ihnen der Beruf nicht gibt?
Der Kontrast zwischen meinem Berufsalltag und meinem Hobby ist riesig, genau das liebe ich. Die Medienbranche ist schnell, das Tempo ist hoch. Beim Häkeln finde ich genau das Gegenteil: das Gemächliche und das Handwerkliche, etwas mit den Händen zu erschaffen und ein selbstgemachtes Produkt in den Händen zu halten.

«Es gibt überraschend viele Parallelen»

Gibt es etwas – eine Fähigkeit, eine Haltung, eine Denkweise –, das Sie aus Ihrem Hobby in den Beruf mitbringen? Und umgekehrt?
Es gibt überraschend viele Parallelen: Im Job wie beim Häkeln muss ich einen Plan haben, eine klare Strategie, wie ich vorgehen möchte. Beim Häkeln wähle ich das passende Material für das Projekt aus, im Job das passende Team, die Themen und Ressourcen. Und in beiden Welten gilt: Schritt für Schritt vorwärts gehen – und wenn etwas schief geht, eine kreative Lösung suchen (lacht).

Haben Sie schon damit geliebäugelt, Ihr Hobby zum Beruf zu machen?
Nein, ich liebe gerade die Abwechslung. Ich habe zwar mittlerweile seit über drei Jahren ein eigenes Label für Häkeltaschen, die ich auf Instagram oder vereinzelt an Märkten verkaufe – es ist und bleibt aber mein Hobby.



Wenn sich nun jemand von Ihrem Hobby inspiriert fühlt: Haben Sie Tipps für einen problemlosen Einstieg?

Häkelnadel in Grösse vier, ein Schulgarn schnappen und auf YouTube kurze Videoanleitungen schauen. Anfangs muss man etwas durchhalten, bis man seinen Rhythmus gefunden hat – danach geht es ganz leicht und alles folgt einer klaren Logik.

Welches nächste grosse Ziel oder Projekt haben Sie sich für Ihr Hobby gesetzt?
Im Hobby setze ich ganz bewusst keine Ziele. Beim Häkeln stehen für mich das Zwanglose, die Freude und die Kreativität im Vordergrund.



In der Sommerserie «Nach der Arbeit» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die neben dem Beruf einer besonderen Leidenschaft nachgehen. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

 


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