14.01.2015

Weltwoche

"Je suis Roger"

Roger Köppel fordert Weiterführung des "Schawinski"-Talks im Schweizer Fernsehen.
Neue und auch überraschende Wende in der Auseinandersetzung zwischen "Weltwoche"-Chef Roger Köppel und Medienpionier Roger Schawinski (persoenlich.com berichtete). Statt der erwarteten Abrechnung schreibt Köppel in der aktuellen Ausgabe der "Weltwoche": "Schawinski muss bleiben. Die Schweiz wäre ärmer ohne ihn. Je suis Roger." Dabei geht er in seinem Artikel - neben einer Würdigung Schawinskis als einer der "interessantesten Reizfiguren der Öffentlichkeit" - nochmals auf den Disput ein, welcher zu seiner Ausladung bei der Radiosendung "Roger gegen Roger" Anfang Woche führte.
 
Der Auseinandersetzung zwischen den beiden Medienstars entzündete sich an einem Zitat, welches Kabarettist und Korankritiker Andreas Thiel vor genau zwei Jahren gegenüber der "Berner Zeitung" gemacht habe, wonach die Muslime "böse gesagt, irgendwo im Übergang zwischen Neandertaler und Homo sapiens steckengeblieben" seien. Schawinski hatte dieses Zitat in seiner mittlerweile berühmten Talksendung vom 15. Dezember als "rassistisch" bezeichnet, für Köppel war es aufgebauscht und aus dem Zusammenhang gerissen.
 
Um den Sachverhalt zu erhellen, präsentieren wir nochmals den exakten Wortlaut des Interviews mit Andreas Thiel vom 31. Dezember 2012, welches er nach einer Reise durch islamische Staaten gegeben hatte.

Thiel: Ich dachte mir, das sei eine gute Gelegenheit, Vorurteile gegenüber dem Islam abzubauen. Aber es war leider wie bei der Lektüre des Koran: Meine Meinung zum Islam hat sich noch verschärft. Das Resultat meiner Studienreise war verheerend.

BZ: Trotzdem können Sie sich darüber lustig machen? 

Thiel: Man muss. Unbedingt. Humor ist entwaffnend und dadurch friedensfördernd.

BZ: Die Muslime sind nicht gerade bekannt dafür, unseren Humor zu verstehen.

Thiel: Weil sie im Grund genommen gar keinen haben. Wenn du ihre Witze hörst, denkst du dir: Aha, das geht hier unter Humor. Die sind, böse gesagt, irgendwo im Übergang zwischen Neandertaler und Homo sapiens stecken geblieben.

Die Bemerkung über die Neandertaler, so Köppel, ziele nicht auf die Muslime, wie von Schawinski in der Sendung behauptet, sondern auf deren Witze ab. Schawinski sieht dies anders. Der Medienpionier forderte anfangs der Woche einen Artikel in der heutigen "Weltwoche", in welcher er seinen Standpunkt darlegen wollte, Köppel wollte ihm diese Replik erst für die nächste Ausgabe zubilligen.

Ob die Sendung "Roger gegen Roger" nach diesem Disput weitergeführt wird, ist noch offen. Die Radio-1-Kolumne, die jeweils am Donnerstag von Roger Köppel gemacht wird, wird an diesem Donnerstag von einem Stellvertreter übernommen. Trotzdem ist für Köppel klar: "Seine Entgleisungen stehen in keinem Verhältnis zu seinen Qualitäten." (ma)


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