26.06.2006

Studie

Journalisten folgen bei Krisen der Regierungslinie

Irak-Kriegsberichterstattung analysiert.

Eine internationale Medienanalyse hat gezeigt, dass Kriegsberichterstatter dazu tendieren, der Linie ihrer Regierung zu folgen, wie der Guardian berichtet. Media Tenor, das Bonner Institut für Medienanalyse, analysierte die TV-Berichterstattung über den Irakkrieg im Zeitraum zwischen März und April 2003 in Deutschland, Grossbritannien, USA, Tschechien, Südafrika und Quatar. Dabei fokussierte die Untersuchung auf die thematische Struktur der Nachrichten zu Beginn des Krieges.

Die Studie beweist, dass es einen grossen Einfluss auf Ton und Themen der Berichterstattung hat, wenn Journalisten in Truppen eingebunden sind. "Diese Journalisten sehen ganz andere Dinge. So genannte ,embedded journalists', die mit der Truppe reisen, solidarisieren sich sehr stark mit ihr. Teilweise beginnen sie auch in der "Wir-Form" über sich und die Truppe zu reden", erklärt Christian Kolmer, einer der Autoren der Studie, gegenüber pressetext. Dass Kriegsberichterstatter dazu tendieren, dem Standpunkt ihrer Regierung treu zu bleiben, sei kein überraschendes Ergebnis. "Es deckt sich mit der Theorieentwicklung der Kommunikationswissenschaft. Dafür gibt es bereits verschiedene Erklärungsmuster", so Kolmer.

Auch bei der Hintergrundberichterstattung sind grosse Unterschiede zwischen den Medien festzustellen. Verglichen mit dem US-Fernsehen brachten der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera und der das deutsche Satellitenfernsehen Deutsche Welle fast doppelt so viel Information über den politischen Hintergrund des Kriegs. In der ersten Woche des Konflikts standen allerdings in allen Ländern Nachrichten über militärische Aktionen an erster Stelle.


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