14.09.2006

Michael Grabner

Journalisten schreiben zu häufig am Publikum vorbei

Nachrichten im Internet keine Konkurrenz zur Zeitung.

Das Berufsbild der Journalistinnen und Journalisten wird sich nach Ansicht von Michael Grabner, Chef der deutschen Holtzbrink-Verlagsgruppe, stark wandeln. Der Nutzwert von Nachrichten werde stärker ins Zentrum rücken. "Welchen Nutzen stifte ich mit diesem Artikel? Ist es ein Informationsnutzen, ein Unterhaltungsnutzen, ist es ein Servicenutzen?" Diese Fragen müsse sich ein Journalist stellen, bevor er zu schreiben beginne, sagte Grabner in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger vom Donnerstag.

Gigantischer Overload

"Im Tagesjournalismus haben wir die Problematik von politischen Organisationen, die uns pausenlos mit Politnachrichten füttern", sagte der Medienmanager mit österreichischen Wurzeln. Das Publikum aber langweile sich ob diesem gigantischen Overload. Für die Journalisten bedeute dies ein völlig neues Anforderungsprofil. Für die Medienmanager gelte es, die Kosten in den Griff zu kriegen und zugleich den kreativen journalistischen Prozess zu gestalten.

Internet als Beschleuniger

Grabner glaubt nicht, dass Nachrichten im Internet die Zeitungen verdrängen. Untergangs-Szenarien hätten sich in der Vergangenheit nie bewahrheitet. Fakt sei, dass immer mehr Menschen immer mehr Medien konsumierten. Tatsache sei aber auch, dass der Informationsfluss und die Geschwindigkeit enorm zugenommen hätten. "Du kannst dir heute um 13 Uhr fast nicht mehr erlauben, etwas nicht zu wissen, was um 9 Uhr früh passiert ist", sagte Grabner.

Blogs sind kein Massstab

Für den Medienkonsumenten bedeute dies einen ungeheuren Zeit- und Mengenstress. Das aber heisse, dass es wieder jemanden geben müsse, der über das ganze Informations-Tohuwabohu einen Filter lege. Dieser Filter sei früher der Journalist gewesen.


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