09.06.2016

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

«Kein ernstzunehmender Journalismus»

Die beiden FAS-Journalisten antworten auf Roger Köppels Inquisitions-Vorwürfe an die deutschen Medien.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: «Kein ernstzunehmender Journalismus»

«Deutschland spinnt!» hatte Roger Köppel, Weltwoche-Chefredaktor und SVP-Nationalrat, in der letzten Ausgabe seiner Zeitschrift erklärt und für den stellvertretende AfD-Chef Alexander Gauland Partei ergriffen, während etwa Angela Merkel, Bundeskanzlerin der «noch jungen Demokratie», wie Köppel schreibt, die angeblichen Aussagen des 75-Jährigen als «niederträchtig und traurig» bezeichnete.

Die beiden FAS-Journalisten Eckart Lohse und Markus Wehner hatten ein Gespräch mit dem AfD-Politiker geführt, das unter dem Titel «Gauland beleidigt Boateng» für Furore gesorgt hatte. Er habe den Satz «Die Leute finden ihn als Fussballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben» so nie so gesagt, wehrte Gauland den Sturm der Entrüstung zunächst ab, später erinnerte er sich doch daran, aber das sei in einem Hintergrundgespräch gewesen und den Namen Boateng hätten die Journalisten ins Spiel gebracht.

Die Inquisition sei zurück, schrieb Köppel daraufhin, er sprach von «Gesinnungsmafia» und «totalitären Gaunermethoden» bei der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», von Aasfressern gar.

«Die Masslosigkeit der verwendeten Begriffe erstaunt uns schwer» entgegnet Markus Wehner, als ihn persoenlich.com mit Köppels Worten konfrontiert. «Diesen Akt politischer Parteinahme können wir nicht als ernstzunehmenden Journalismus betrachten.» Zum ABC eines solchen Journalismus würde gehören, in einem strittigen Fall beide Seiten zu befragen, sagt Wehner. «Stattdessen hat Köppel geschrieben, er ‹habe keinen Grund an Gaulands Aussagen zu zweifeln›. Wer hier mit welchen Methoden arbeitet, ergibt sich aus diesem Vorgehen von selbst.»

Das wiederum lässt Köppel nicht auf sich sitzen: «Ich habe der FAS schon vor der Publikation meines Artikels angeboten, mit einer Replik in der ‹Weltwoche› zu antworten. Sie lehnten ab». Weder Markus Wehner noch Eckart Lohse habe eine solche Einladung erreicht, wie sie gegenüber persoenlich.com sagen. Wie Roger Köppel in einer Email belegt, hat er gegenüber Berthold Kohler, einem der vier FAZ-Herausgeber, vergangene Woche aber ein Angebot für eine Replik in der «Weltwoche» gemacht. (lcv)

Bild: Roger Köppel (WW), Eckart Lohse und Markus Wehner (FAS), v.l.n.r.


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