09.09.2025

UKW

«Klar ein Schritt in die falsche Richtung»

Die SRG kritisiert die Privatradios für ihre Kehrtwende, nun doch an UKW festhalten zu wollen. Sechs Antworten auf sechs Fragen nach dem Entscheid des Nationalrats, die Abschaltung herauszuzögern.
UKW: «Klar ein Schritt in die falsche Richtung»
Für einen Teil der Privatradios gilt das nicht mehr. Sie wollen weiter auf UKW senden. (Bild: zVg/SRG)

1. Die SRG hat ihre UKW-Sender schon Ende 2024 ausser Betrieb genommen. Hätte sie das auch im Wissen um einen späteren Abschalttermin für die gesamte Branche getan?
Der Entscheid der SRG, die Abschaltung zwei Jahre vor den Privatradios umzusetzen und damit diesen den Weg zu ebnen, basierte auf den mit der Branche vereinbarten und vom Bund vorgegebenen Rahmenbedingungen; die branchenweite Abschaltung der UKW-Ausstrahlung per Ende 2026 ist dabei ein wichtiges Element.

2. Definitiv über die Weiterführung von UKW wird erst der Ständerat entscheiden. Sollten die Privatradios tatsächlich über 2026 hinaus via UKW senden dürfen, was würde das für die SRG-Programme bedeuten?
Aktuell gilt eine letztmalige Verlängerung der UKW-Verbreitung bis Ende 2026. Falls sich diese Rahmenbedingungen ändern, müssen wir das neu analysieren.

3. Fühlt sich die SRG von den Privatradios verschaukelt, die entgegen der ursprünglichen Abmachung auf einen Weiterbetrieb von UKW drängen?
Die Forderung eines Teils der Privatradios an die Politik ist für die SRG klar ein Schritt in die falsche Richtung und entspricht nicht den ursprünglich vereinbarten und vom Bund bestätigten Rahmenbedingungen, basierend auf welchen wir unsere Entscheide getroffen haben.

4. Die SRG hat erwogen, gewisse UKW-Sender wieder in Betrieb zu nehmen, aber schliesslich darauf verzichtet. Wieso ist das nicht möglich?
Wir orientieren uns an den aktuell geltenden Rahmenbedingungen und der Branchenvereinbarung. Im Gegensatz zu den Privatradios wäre es für uns schwierig, gewisse Gebiete, Regionen oder Publikumskreise ungleich zu behandeln. Mit DAB+ steht seit einigen Jahren eine frei zugängliche, schweizweite Radioverbreitung mit nahezu 100 Prozent Bevölkerungsabdeckung bereit. Es geht hier auch um die Prozesssicherheit für all jene, die bereits auf DAB+ umgestellt haben.

5. Die SRG hat ein vitales Interesse daran, dass möglichst viele Leute Radio über DAB+ hören. Wird die SRG ihre Werbeanstrengungen für einen Umstieg intensivieren?
Die Abschaltung von UKW ist ein Branchenentscheid und die Digitalisierung ein natürlicher Prozess, den die SRG nur beschränkt beeinflussen kann. Selbstverständlich setzen wir alles daran, jede Hörerin, jeden Hörer auf unseren Sendern zu behalten oder zurückzugewinnen und das Medium Radio in all seinen Formen – ob DAB+, Streaming, Podcast, zeitversetzt «on demand» – attraktiv zu halten. Der Bundesrat hat in seiner Antwort auf die politischen Vorstösse festgehalten, es sei jetzt Aufgabe der Privatradios, die vereinbarte Umstellung auf DAB+ mit geeigneten Massnahmen voranzutreiben und das Publikum entsprechend zu begleiten.

6. Wird die SRG gegen einen allfälligen Weiterbetrieb von UKW politisch oder juristisch vorgehen?
Den politischen Prozess können wir nicht weiter kommentieren bzw. über eine mögliche Entscheidung spekulieren. (nil)


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KOMMENTARE

Silvana Oprandi
21.09.2025 18:54 Uhr
Die welche hier verschaukelt wurden, sind die Privatradios, welche mit bewusst irreführenden Zahlen von der SRG und der DigiMig gefüttert wurden. Wenn jetzt die Privatradios den Abschaltplan in Frage stellen ist das legitim, wenn schon sollte hinterfragt werden wieso man heute in dieser Lage ist. Einsicht oder gar ein Schuldeingeständnis von Seite SRG sind wir ja nicht gewohnt.
Guido Romaschewsky
21.09.2025 02:04 Uhr
Die SRG hat mit ihrem Vorpreschen bei der UKW-Abschaltung das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Bei aller Programmvielfalt, die ein DAB-Multiplex bieten kann: Kein terrestrischer Digitalsender in diesem Standard wird je an die physikalische Reichweite und Robustheit (Durchdringung Indoor-Empfang) von UKW bei gleicher Sendeleistung herankommen, dies wegen der höheren Frequenzen, die auf DAB+ verwendet werden. Dieses Frequenzband war ein Initialfehler, den z.B. die Amerikaner nicht gemacht haben: Sie nutzen das klassische UKW-Band parallel für Analog- und Digitalrundfunk. Dass die Privatradios an UKW festhalten wollen, ist ihr gutes Recht und die Politik sollte dem unbedingt Gehör schenken. Die SRG sollte auch verstehen, dass gerade sie mit ihrem öffentlichen Sendeauftrag eine höhere Verpflichtung hat als die "digitale Insel", auf die sie sich zurückgezogen hat: Insel nicht nur im technischen Sinne, sondern auch geografisch: Die Schweiz ist ein Transit- und Urlaubsland und die SRG hat ebenfalls die Verpflichtung, mindestens ein komplettes Informationsprogramm für Reisende auszustrahlen, die nicht mit DAB+ ausgerüstet sind. Dies sollte zumindest auf den Haupttransitachsen so gehandhabt werden, also ein UKW-Infoprogramm von Basel-St. Chrischona, Rigi, Säntis, Zürich-Üetliberg, Bern-Bantiger und ggf. noch einzelne wichtige Talsender in Graubünden und Wallis. Das müsste auch finanziell durchaus zu stemmen sein. Dies wäre der vernünftige Mittelweg, den die Politik unterstützen sollte.
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