13.05.2020

NZZ

Kleinaktionär kritisiert Führungsriege scharf

Kurz vor der Generalverammlung der RMH Regionalmedien erscheint in diversen Zeitungen ein offener Brief. Darin schreibt ein Kleinaktionär von «Dividenden-Abzüglete aus der Provinz nach Zürich». Die NZZ bezeichnet die gemachten Aussagen als «falsch».
von Christian Beck

In einem offenen Brief kritisiert Kleinaktionär Daniel Brunner die Verwaltungsräte der AG für die Neue Zürcher Zeitung und RMH Regionalmedien (Fusion aus Tagblatt Medien Holding und LZ Medien) scharf. Der RMH-Verwaltungsrat wolle «deutlich mehr als die im vergangenen Jahr erarbeiteten Mittel als Dividenden ausschütten, zu 97 Prozent an die Hauptaktionärin NZZ». Das Schreiben ist adressiert an NZZ-Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod und RMH-Verwaltungsratspräsident Felix Graf.

InseratNZZ

Die an der Generalversammlung der Aktionärinnen und Aktionäre vom 14. Mai 2020 beantragten 13,4 Millionen Franken Dividende würden bei einem ausgewiesenen Gewinn von 1,88 Millionen Franken einer Ausschüttungsquote «von sage und schreibe 714 Prozent» entsprechen. «Dieser ‹Transfer nach Zürich› entspricht gleichzeitig mehr als dem 1,6-fachen der von der AG für die Neue Zürcher Zeitung Ende April 2020 ausgeschütteten Dividende von total 8 Millionen Franken», ärgert sich der in Zug wohnhafte Brunner.

Profitieren würden die Redaktionen der NZZ «offensichtlich nicht von der jahrzehntelangen ‹Dividenden-Abzüglete› aus der Provinz nach Zürich». «Vielmehr finanzierten und finanzieren diese Transfers die gerade unter dem gegenwärtigen NZZ-Verwaltungsratspräsidenten häufig wechselnden Spitzenmanager samt ihrem akkumulierten Sammelsurium ‹elektronischer Ventures› – die wiederkehrenden Wertberichtigungen und Goodwill-Abschreibungen in den NZZ-Geschäftsberichten lassen grüssen», so Brunner.

Jeder Entzug von Mitteln bei CH Media («zu 50 Prozent eine Tochter unserer Gesellschaft») sei nicht nur ein Affront für die Mitarbeitenden der Zeitungs-, Radio-, TV- sowie Druck- und Verlagstöchter der RMH beziehungsweise der CH Media. «Er gefährdet ebenso die Unterstützung der Öffentlichkeit für eine grosszügigere Subvention der Zeitungs(früh)zustellung durch den Bund», schreibt Brunner weiter.

«Sechsstelliger Betrag»

Der Ärger von Brunner ist so gross, dass er sich den offenen Brief in Form eines Inserates «einen tiefen sechsstelligen Betrag» kosten liess, wie er am Mittwoch auf Anfrage von persoenlich.com sagte. «Ich erhoffe mir, dass der Verwaltungsrat nun nachgibt. Und wenn er nicht nachgibt, soll er wenigstens einen Imageschaden davontragen», so der 63-jährige Brunner am Telefon. Das Inserat wurde vom Urner Wochenblatt gestaltet und erschien dort bereits am Samstag. Publiziert wurde der offene Brief auch von Blick, Willisauer Bote, Freier Schweizer, Einsiedler Anzeiger, Bote der Urschweiz, Höfner Volksblatt, March-Anzeiger, den Gratiszeitungen der Swiss Regiomedia sowie den Onlineportalen der Jungfrau Zeitung und Zentralplus. Am Donnerstag folgen Inserate in der Weltwoche und der WOZ. Abgelehnt wurde das Inserat laut Brunner von CH Media, Tamedia und NZZ.

Brunner schliesst den offenen Brief mit den Worten: «Sehr geehrter Herr Jornod, sehr geehrter Herr Graf, es liegt nun (fast) an Ihnen allein, Verantwortung zu übernehmen und die fehlgeleiteten Anträge betreffend Dividendenausschüttung (‹reguläre› Dividende 6,7 Millionen Franken und Sonderdividende 6,7 Millionen Franken) der RMH Regionalmedien AG zurückzuziehen beziehungsweise abzulehnen.»

NZZ nimmt auf Twitter Stellung

Die NZZ äusserte sich auf Twitter zum offenen Brief. «Diese Aussagen von Daniel Brunner orientieren sich an einer überholten Struktur und sind insofern falsch: Die früheren NZZ-Regionalmedien in Luzern und St. Gallen werden heute von CH Media herausgegeben – und nicht mehr von den regionalen Holding-Gesellschaften», heisst es. Die CH Media AG, an der die AZ Medien AG und die NZZ-Mediengruppe je 50 Prozent der Aktien halten, würde keine Dividende ausschütten. Diese werde, so hätten es beide Aktionäre entschieden, in ein nachrangiges Aktionärsdarlehen umgewandelt zur Absicherung der Liquidität von CH Media. «Es werden CH Media demnach keine Mittel entzogen: Diese werden vollumfänglich verwendet, um das journalistische Angebot in Corona-Zeiten aufrechtzuerhalten und um die Liquidität abzusichern», schreibt die NZZ weiter.


Brunner war Mitgründer der Zuger Presse. 2005 verkaufte der damalige Hauptaktionär seine Beteiligung an dem Blatt der LZ Medien Holding, um die Wochenzeitung nachhaltig zu sichern (persoenlich.com berichtete).



Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

  • Victor Brunner, 14.05.2020 08:52 Uhr
    Artikel: Abgelehnt wurde das Inserat laut Brunner von CH Media, Tamedia und NZZ. Typisch für den Preesefilz und die Meinungsmanipulation- und verhinderung auf dem Platz Zürich. Diskussionen die die Presse betreffen werden unterdrückt. Dabei ist die Kritik von Brunner durchaus prüfenswert! Aber wenn die Verleger Nein sagen kuschen die Chefredaktionen und die JournalistenInnen:
Kommentarfunktion wurde geschlossen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang20200601

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.