01.08.2016

SRF

Kritik am «Jugendwahn»

Gerüchten zufolge ist Patrizia Laeri Favoritin für die Nachfolge von Daniela Lager bei «10 vor 10». Deshalb werden kritische Stimmen laut – unter anderem vom Tele-Züri-Chef.
SRF: Kritik am «Jugendwahn»
Wer wird sie ersetzen? Daniela Lager im Studio von «10 vor 10». (Bild: Oscar Alessio/SRF)

In den kommenden Wochen will sich das Schweizer Fernsehen (SRF) entscheiden, wer Anfang 2017 die Nachfolge von «10 vor 10»-Moderatorin Daniela Lager (52) antritt. Gemäss «Schweiz am Sonntag» liegt mit Lager im Team der Altersdurchschnitt der Sprecher und Sprecherinnen bei «10 vor 10» und der «Tagesschau» derzeit bei 46,1. Im internationalen Vergleich seien die Schweizer News-Aushängeschilder damit schon jetzt jünger als die von Sendern wie der ARD (48,3), dem ZDF (53,8) oder beispielsweise des US-Nachrichtensenders CNN (47,2).

Jetzt will TV-Chefredaktor Tristan Brenn (50) will gemäss kursierenden Gerüchten mit der SRF-Börse-Moderatorin Patrizia Laeri (38) das News-Team ab 2017 noch einmal verjüngen, schreibt die «Schweiz am Sonntag». Am Hauptsitz im Leutschenbach stören sich vor allem einige ältere SRF-Stars am derzeit herrschenden Verjüngungswahn der TV-Macher, so die Zeitung weiter.

Gillis Kritik

Auch für den langjährigen Tele-Züri-Chef Markus Gilli (61) ist dies der falsche Weg: Es zeige sich gerade in diesen Tagen die Wichtigkeit der TV-News und der Moderation, so Gilli zur «Schweiz am Sonntag». «Ich habe letzte Woche die Live-Berichterstattung über den Amoklauf von München auf vielen Kanälen verfolgt. Da braucht es nicht einfach ein schönes Gesicht – Können, Erfahrung, Kompetenz sind gefragt», fordert Gilli. «Die Moderation von Nachrichten ist kein Modelwettbewerb und unterliegt schon gar nicht dem Jugendwahn. Kompetenz, Erfahrung, Sachwissen, Empathie und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu vermitteln. Für mich das alleinige Anforderungsprofil. Gegen Falten gibt es Make-up, Unwissenheit und Naivität können nicht überschminkt werden. Wolf Blitzer CNN (68), Petra Gerster ZDF (61), Klaus Kleber ZDF (60), Thomas Roth ARD (64) – sie haben diese Glaubwürdigkeit, die für die Moderation von News Grundvoraussetzung ist.»

SRF widerspricht

Dass ältere Mitarbeiter automatisch auch mehr Fachkompetenz mitbringen, erfahrener Studio-Interviews führen, besser präsentieren und beim TV-Publikum angeblich gefragter sind, dafür hat man beim SRF kein Gehör: «Bei «Tagesschau» und «10 vor 10» sind journalistische Qualität, Erfahrung und Glaubwürdigkeit sowie Kameratauglichkeit die wichtigsten Kriterien bei der Besetzung der Moderationsstellen. Das Alter ist sekundär», sagt SRF-Sprecher Stefan Wyss in der «Schweiz am Sonntag». «Ein Arthur Honegger oder ein Florian Inhauser mögen jünger sein als ihre ausländischen Kollegen. Sie haben aber als langjährige Auslandkorrespondenten und Krisenreporter eine reiche journalistische Erfahrung, die sie für diese Position qualifiziert.» (SchwaS)

*Anm. der Redaktion: Wir haben im Nachhinein die ursprünglich aus der "Schweiz am Sonntag" übernommene Bezeichnung "Ex-Hobby-Model" gelöscht. 


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KOMMENTARE

Stefan Huber
02.08.2016 11:51 Uhr
Vollkommen korrekt. Die "rote Karte" geht an alle Chefredaktoren dieser Zeitungen/Onlineportalen. Vor allem die Bezeichnung "Hobby-Model" haben alle übernommen, ohne darauf hinzuweisen, dass die Dame bei SRF bereits moderiert. Sorry, aber das ist ganz schlechter Journalismus. Das verdient eigentlich die Bezeichnung Journalismus gar nicht. Vielleicht sollten die zuständigen Chefs und Journalisten die Bezeichnung "Ich denke nicht, ich kann nur CTRL-C und CTRL-V" als Berufsbezeichnung auf ihre Visitenkarten drucken lassen.
Urs Raeber
31.07.2016 15:39 Uhr
Diese Geschichte ist ein wunderbares Beispiel für das Elend des CH- Journalismus heute. Da macht Sacha Ercolani in der Schweiz am Sonntag eine ganz dünne Geschichte ("38 und Jugendwahn", wie bitte?), betitelt Patrizia Laeri herabsetzend "als ehemaliges Hobby-Model" (ohne zu erwähnen, dass sie seit immerhin 8 Jahren bei SRF ist) und befragt zum ganzen Thema lediglich den hauseigenen Gilli (ohne das übrigens zu deklarieren) - und was passiert? Von Tagi über 20Min bis zu Blick und sogar dem "Medienportal" Persönlich.com übernehmen alle 1:1 das Geschichtli, ohne auch nur eine kitzekleine Eigenleistung oder eine Infragestellung des Geschriebenen. Nähme mich Wunder, ob sich die Chefredaktoren all dieser Portale und Zeitungen für solche Schlampig- und Faulheiten ihrer Journalisten nicht schämen.
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