Die Kulturveranstalter von Basel und Umgebung boykottieren den neuen Veranstaltungskalender der umgestalteten Basler Zeitung. Denn bisher waren Veranstaltungshinweise in der BaZ kostenfrei, ab November 2004 wird für jeden Tipp eine Gebühr verlangt. Zudem müssen die Veranstalter ihre Hinweise neu über Internet in das Datenbanksystem der BaZ eingeben -- bisher genügten Aussendungen. Seit dem Relaunch der BaZ läuft eine Testphase, während der die Einträge kostenlos sind, danach werden sie -- je nach Rabattstufe und Publikationsgefäss -- mit fünf bis zwanzig Franken zu Buche schlagen.
So haben nun rund 90 Veranstalter -- vom renommierten Antikenmuseum und der etablierten Kunsthalle über das linksalternative Restaurant Hirscheneck bis zum Gymnasium Oberwil -- gemeinsam einen offenen Brief an die Verantwortlichen der BaZ verfasst, in welchem eine Rückkehr zum alten System gefordert wird. Denn durch die Kostenpflicht entstünden Mehrkosten von jährlich bis zu einigen tausend Franken, zudem verursache die Selbsterfassung Arbeitsaufwand und damit weitere Ausgaben.
Die Unterzeichner des Briefs "bedauern sehr", dass die BaZ ihre Marktmacht so einsetze. Damit würden falsche Signale für die Medienlandschaft gesetzt. Die Veranstalter müssten daher "bis auf weiteres auf das ausgehen-Angebot der BaZ verzichten", und die BesucherInnen werden aufgefordert, sich künftig anderweitig über das Programm zu informieren.
"Wir erwarten jetzt Vorschläge, die in unserem Sinn sind", so Sprecher Daniel Jansen auf Anfrage von "persoenlich.com". Andernfalls könne er sich vorstellen, dass der Druck zunehme. Denn zum einen habe von den 350 angeschriebenen Veranstaltern kein einziger explizit abgesagt, auch seien einige von ihnen in den Ferien. Zudem sei seit dem Versand der Anfrage erst wenig Zeit verstrichen. Und zum anderen führe der offene Brief möglicherweise zu einer Solidarisierung seitens von Leserschaft und Anzeigenkunden.
Ob die Veranstalter angesichts der starken Marktstellung der Basler Zeitung tatsächlich am längerem Hebel sitzen, ist auch für Jansen "schwierig abzuschätzen". Dennoch sei man "im Moment nicht bereit, für die Veröffentlichung der Hinweise irgendetwas zu bezahlen". Verhandlungsspielraum sieht Daniel Jansen daher höchstens im Bezug auf die Datenerfassung: "Sollte uns eine technische Schnittstelle angeboten werden, so dass wir unsere eigenen Veranstaltungsdatenbanken direkt in das System der BaZ einspeisen können, so wäre das eine Möglichkeit."
Genau eine solche Lösung will die Basler Zeitung auch zur Verfügung stellen, wie Marketingleiter Daniel Fasnacht gegenüber "persoenlich.com" erklärt. "Ein XML-Export wäre am besten, doch sind wir auch für andere Datenbankformate offen", erläutert er die technischen Anforderungen. Er bestreitet aber Jansens Einschätzung, die BaZ habe "null Gesprächsbereitschaft" gezeigt. Vielmehr betont der BaZ-Marketingchef, man wolle und werde im Interesse sowohl der beteiligten Parteien, als auch der Leserschaft eine Lösung finden. Wie diese konkret aussehen soll, vermag aber auch Fasnacht nicht zu sagen.
Klar scheint immerhin, dass die BaZ nicht zum alten System zurückkehren will. "Das war zu aufwändig, und trotzdem konnten viele Hinweise nicht berücksichtigt werden", sagt der Marketing-Verantwortliche. So hätten sich viele Veranstalter regelmässig darüber beklagt, es fänden zu wenig Tipps Eingang ins Blatt. Doch dem Wunsch nach einer möglichst vollständigen Agenda könne die BaZ einfach nicht entsprechen.
So tritt nun an die Stelle der redaktionellen Selektion jene der Finanzkraft der Veranstaltenden. "Mit der degressiven Steuergebühr von wenigen Franken pro Eintrag erhalten wir jetzt zumindest einen Beitrag an unseren Aufwand und können gleichzeitig verhindern, dass wir zu viele Hinweise publizieren müssen", lobt Fasnacht das neue System. Entsprechend will er von der Kostenpflicht denn auch nicht abweichen.
Ein Geschäft sei die Agenda dennoch nicht, meint Daniel Fasnacht weiter. Eine Schwarz-Weiss-Anzeigenseite koste 12'000 Franken, währenddem man mit den Veranstaltungshinweisen gerade mal rund 400 Franken einspiele. Und dass für pararedaktionelle Inhalte Geld verlangt wird, findet er gänzlich unbedenklich. Denn wenngleich vor dem Relaunch eine dreiköpfige Veranstaltungsredaktion die Tipps betreute und obschon die Seite (zumindest noch) nicht regelmässig als Anzeigenteil gekennzeichnet ist, hält Fasnacht fest: "Das sind keine redaktionellen Beiträge, sondern kostenpflichtige Einträge." Womit es sich bei den "ausgehen"-Seiten wohl ganz einfach um schlecht kenntlich gemachte Rubrikenanzeigen handeln dürfte.
Und wie ernst nimmt Fasnacht den Protest der Kulturschaffenden? "Es freut mich zu sehen, wie aktiv und gut vernetzt die kulturelle Szene in Basel ist", meint der von Jansen als "manchmal arrogant" wahrgenommene --Verlagsmanager. Dass der Boykott ihn nachgiebiger stimme, bestreitet er klar. "Wir lassen uns nicht erpressen. Wir nehmen den Brief zur Kenntnis, überlegen und sind gesprächsbereit."
Auf das Resultat dieses Nachdenkens dürften nicht nur die Kulturveranstalter in Basel gespannt sein. Vielmehr wird sich wohl auch der eine oder andere Verleger der in den vergangenen Monaten proliferierenden Veranstaltungsbeilagen überlegen, ob das "System BaZ" nicht Kostensenkungspotential berge. Insofern ist der vorliegende Fall für die Schweiz exemplarisch -- was die Beteiligten wohl wissen.

