05.12.2002

"Längerfristig liegt Platz eins drin"

Am Mittwochabend wurde bekannt, dass Goldbach Media die Hälfte von Hitradio Z an die französische Energy Group abtritt. Welches sind die Konsequenzen für den Zürcher Sender? Warum hat ihn der europäische Branchenleader nicht gleich ganz gekauft? Und wird jetzt die gesamte Schweizer Radioszene aufgerollt? -- Diese und weitere Fragen hat "persoenlich.com" dem Westschweizer Francis Rivollet gestellt, der als International Management Deputy der Energy Group für die Märkte in Skandinavien und Mitteleuropa -- und damit auch für seiner Heimat -- zuständig ist. Das Interview:
"Längerfristig liegt Platz eins drin"

Die Partnerschaft von NRJ mit Hitradio Z hat offensichtlich verschiedene Insider überrascht. War das ein Spontan-Entscheid?

Es war ein überlegter Entscheid. Schliesslich möchten wir in Zürich seit siebzehn Jahren präsent sein -- viele Gelegenheiten hat es allerdings nicht gegeben (lacht).

Warum haben Sie nicht den ganzen Sender übernommen? Die finanziellen Mittel werden wohl kaum gefehlt haben.

Auch wenn wir selbstverständlich über den Preis diskutiert haben, war er für diesen Entscheid tatsächlich nicht ausschlaggebend. Wir wollten von Anfang an einen Partner. Zürich ist für uns ein neuer Markt, da ist ein lokaler Partner wichtig. Wäre Hitradio Z allerdings nicht ein starkes Radio, das zudem Hits spielt, hätten wir vielleicht anders gehandelt.

Sie halten keine Mehrheit an Hitradio Z. Wie werden künftig kontroverse Entscheidungen gefällt?

Vieles ist bereits durch unsere Verträge geregelt. Aber natürlich geht man bei einer richtigen Partnerschaft immer auch ein gewisses Risiko ein. Wir kennen uns allerdings lange und gut genug.

Diese Partnerschaft wird als "strategisch" bezeichnet. Wie stark wird NRJ ins Tagesgeschäft eingreifen?

Als Fünfzig-Prozent-Partner werden wir uns selbstverständlich einbringen. Wir können uns aber auf ein gut gehendes Radio mit einem guten Team verlassen. Zudem haben wir die gleiche Vorstellung der Zielgruppe und wollen weiterhin ein Musikradio mit guten lokalen Informationen machen. Wir werden also nicht alles über den Haufen werfen. Zunächst brauchen wir etwas Zeit für die Analyse. Wir besitzen da -- beispielsweise durch unsere Aktivitäten in Deutschland -- eine grosse Erfahrung.

Wie wollen Sie den "ewigen Ersten" Radio 24 überholen?

Das werde ich Ihnen selbstverständlich nicht sagen, obwohl ich da einiges an Potential sehe. Im Moment möchten wir einfach weiterhin ein gutes Produkt machen, die Marktführerschaft streben wir vorläufig nur in der Zielgruppe der 15- bis 49jährigen an. Unsere Erfahrungen in anderen Ländern haben aber gezeigt, dass wir den ersten Platz längerfristig durchaus erreichen können.

Hitradio-Z-Geschäftsführer Daniel Deicher war für einen MBO im Gespräch, in gewisser Weise also Ihr Konkurrent. Wird er bleiben können?

Ich kenne die Dossiers anderer Interessenten für Hitradio Z nicht. Sicher ist, dass wir nicht kommen, um Leute zu feuern. Wer mit uns arbeiten will, ist willkommen, es bestehen keinerlei Animositäten. Auch meine Präsentation vor dem Team am Mittwoch wurde meiner Ansicht nach gut aufgenommen. Man scheint uns bereits überraschend gut zu kennen.

In der Westschweiz agieren Sie selber als Vermarkter, Hitradio Z hingegen ist auch künftig in der Pacht der IP. Macht das Sinn?

Das ergibt überhaupt keine Probleme. Wir wollen in Zürich nicht als Vermarkter auftreten, dafür braucht es Leute von hier, welche die lokalen Verhältnisse kennen. Das ist auch unsere Erfahrung aus unseren übrigen Auslandmärkten. Hingegen werden wir natürlich unser Knowhow einzubringen versuchen, und da haben wir schon zwei, drei Ideen.

Plant die NRJ Group weitere Engagements in der Schweiz?

Wenn sich die Gelegenheit bietet... Unsere übergeordnete Strategie ist es, in Europa die Nummer eins zu bleiben. Dabei interessieren wir uns vor allem für die grossen Städte. Wir haben immer gesagt, dass wir ein offenes Ohr für alle haben, die mit uns zusammenarbeiten möchten. -- Doch lassen Sie uns Schritt für Schritt vorgehen. Und Hitradio Z ist bereits ein grosser Schritt.


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