28.01.2016

Werbeallianz

Marsch nach Plan trotz Störmanövern

Trotz verlangtem Stopp seitens der Verleger wird das Projekt «Tell» in der vorgesehenen Richtung voran schreiten. Auch die Arbeit an der Corporate Identity des neuen Werbe-Joint-Ventures von Swisscom, SRG und Ringier dürfte auf Hochtouren laufen.
Werbeallianz: Marsch nach Plan trotz Störmanövern

«Wir wollen effiziente und effektive Kampagnen anbieten mit bestem Return On Investment auf Basis der besten Targeting- und Forschungsdaten»: Diese hochfliegenden Visionen stammen von Martin Schneider. Er ist als CEO für das Werbe-Joint-Venture vorgesehen, welches seit Bekanntwerden im August 2015 über die Branche hinaus für erregte Debatten und konfuse Machtspiele sorgt.

Der jüngste Angriff kommt aus der Ecke der Verleger: Am Dienstag starteten sie ein weiteres Manöver, in dem sie von Bundesrätin Doris Leuthard einen «Marschhalt» forderten. Bevor der Werbeallianz grünes Licht erteilt werden könne, müsse die Politik klar definieren, was die SRG in ihrem Service-Public-Auftrag tun dürfe und was nicht, verlangte Verleger-Präsident Hanspeter Lebrument an der Medienkonferenz vom Dienstag. Als Beleg für die Time-out-Forderung diente dem Verband Schweizer Medien VSM eine Studie, die er beim Oltener Beratungsbüro Polynomics in Auftrag gegeben hatte. Das Papier listet mehrere Argumente auf, die aufzeigen sollen, wie das Vorhaben von Swisscom, SRG und Ringier den Wettbewerb und die Medienvielfalt gefährde (persoenlich.com berichtete).

Bakom hört Forderungen an

Doch was bringt diese erneute Attacke seitens der Verleger? Ist das Joint Venture tatsächlich auf Eis gelegt, wie Bundesrätin Doris Leuthard Hanspeter Lebrument zugesagt haben soll? Das Bakom gibt sich wortkarg. Man äussere sich nicht zum laufenden Verfahren, sagt Sprecher Reto Hügli auf Anfrage. Man habe die Forderungen des Verbandes aber «mit Interesse zu Kenntnis genommen».

Und was ist mit der Werbeallianz selber? Dass das Aufbäumen der Verleger das Projekt ansich verlangsamt, ist nicht zu erwarten. Denn schliesslich soll die neue Firma bereits in rund vier Wochen starten. Es ist also anzunehmen, dass die Vorbereitungsarbeiten – auch unter Einbezug der Publisuisse – fortgeführt werden, obwohl das Bakom im Dezember mittels einer vorsorglichen Massnahme der SRG die Teilnahme am Joint Venture vorerst untersagt hatte.

Hotz Brand Consultants beauftragt

Denn auch auf die Gefahr vergebener Mühe: Ab März müssen Produkte bereit und die neue Corporate Identity ausgerollt werden können, damit das Vorhaben möglichst zeitnah starten kann, sollte das Bakom tatsächlich grünes Licht erteilen. Bei Hotz Brand Consultants in Steinhausen in Zug, der Agentur, welche die Allianz mit dem provisorischen Projektnamen «Tell» für das Branding beauftragt hat, dürfte die Arbeit trotz «Marschhalt»-Forderung der Verleger uneingeschränkt weitergehen. Und auch die Suche nach dem Unternehmenshauptsitz dürfte auf Hochtouren laufen.

Auch wenn diese Schritte schlüssig scheinen: Zu den Auswirkungen der Marschhalt-Forderung des VSM will das Joint Venture keine Stellung nehmen. «Wir geben keinen Kommentar ab», sagt Edi Estermann auf Anfrage von persoenlich.com. Der Ringier-Kommunikationschef bestätigt lediglich, dass das Werbe-Joint-Venture am ursprünglichen Fahrplan festhält und wie geplant startet, falls das Bakom bis dahin seinen Entscheid gefällt haben wird.

Bild: Steffen Schmidt, Keystone

 


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KOMMENTARE

Mediabeobachter.ch
29.01.2016 16:51 Uhr
Bravo Tell - für die Entwicklung der Corporate Identity und Design eine Druckerei (zumindest noch nicht so lange her) beauftragt. Da freut sich Gessner falls der Schuss vorbei geht. Gespannt sind.
Max M. Goldstein
29.01.2016 10:46 Uhr
Nein, da kommen Stolpersteine. Der klügste Mann ist auf der andern Seite: Dr. Supino.
Tek Berhe
29.01.2016 05:56 Uhr
'Mit Interesse zur Kenntnis' genommen heisst i.d.R.: Aus Höflichkeit zugehört ändert jedoch am Entscheid gar nichts! Ohne gross die Kristalkugel zu entstauben und zu verwenden: Die Sache ist für BR Leuthard gelaufen. Wie immer wird sie Lächeln und die Verleger aufmuntern und sagen, Eure kleine unbedeutende Welt wird ganz sicher untergehen dafür wird die SRG in Silkicon Valley eine Filiale eröffnen. Seht es positiv!
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